Der Hafen von Santos.
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„Die Hafenverhältnisse: in Santos haben sich seit meiner letzten: An-
wesenheit . im Februar 1892 ganz bedeutend gebessert. . Ungefähr 500 m der
neuen .Kaje sind fertig, und Segelschife wie Dampfer legen bereits zum Löschen
and Laden dort an. Bis zum 1. Dezember soll die Kaje bis zur Eisenbahnbrücke
fertiggestellt sein, doch wird es wohl Anfang Mai werden, ehe es so weit ist.
An der Kajemauer, welche aus solidem Granit aufgeführt ist, ist eine Wasser-
tiefe von 4 bis 4!/2 Fad. bei Hochwasser, die durch Baggerung noch auf 51/4 Fad.
yebracht werden soll. Längs der Kaje läuft ein doppeltes Schienengeleise für
Eisenbahnwagen,- und wird die Verbindung dieses Geleises mit der englischen
Bahn in wenigen Tagen fertig werden, so dafs die Wagen längsseits der Schiffe
kommen und die für das Inland bestimmten Güter direkt verschickt werden
können. Außerdem befindet sich zunächst der Kante der Mauer noch ein Schienen-
geleise für Dampfkrähne, von welchen bereits zwei aufgestellt und in Benutzung
sind. . Jetzt ist man dabei, die hydraulischen Krähne aufzubauen. Die Unkosten
an der Kaje stellen sich folgendermafsen: Für jedes laufende Meter der Schiffe-
länge für Dampfer 700, für Segelschiffe 500 Reis den Tag; aufserdem für jede
Gewichtstonne der daselbst gelandeten oder geladenen Güter 1500 Reis. An den
Privatbrücken im unteren Theile der Stadt hat das Schiff täglich 80 bis 100 Mil-
reis. zu zahlen, so dal sich das Löschen an der neuen Kaje doch noch ganz
bedeutend billiger stellt.
Der Ballast ist horrend theuer: Steine kosten die Tonne 8500 Reis
längsseits und 9500 Reis frei ins Schiff. - Sandballast ist zwar etwas billiger;
doch ist es nicht rathsam, solchen zu nehmen, da sich aus demselben Krankheits-
stoffe entwickeln; aufserdem hat man am Bestimmungsorte mit Sandballast eine
längere Quarantäne als mit Steinballast. ;
Der Gesundheitszustand in Santos war zur Zeit unseres Aufenthaltes ein
ziemlich guter. Gelbfieberfälle kamen nur ganz vereinzelt vor. Häufiger. waren
Wechselfieber. wie auch schwarze Blattern, welche letztere Krankeit aber zumeist
unter den Eingeborenen herrschte.“
Bemerkungen über den Hafen von Tocopilla, Chile.
Von Kapt. J. GAHDE, Führer des Schiffes „Arethusa“,
Der etwa 110 Sm südlich von Iquique belegene Salpeterhafen Tocopilla
gewinnt als solcher immer mehr Bedeutung; es möchten daher, angesichts seines
bisherigen Unbekanntseins und .der mangelhaften Auskunft in. den Segelhand-
büchern, einige Bemerkungen über denselben hier am Platze sein.
Man findet den Hafen auf der Karte unter der Bezeichnung Algodon-Bai,
an der die Stadt Tocopilla liegt. Diese Bai ist zwar nur eine langgestreckte
Einbuchtung der Küste, dennoch liegen die: Schiffe überall in‘ derselben ganz
sicher und sind besonders auf dem Ankerplatz vor Tocopilla durch die Spitze
Algodon ebenso wohl geschützt, als dieses an irgend einem der Salpeterplätze
dieser Küste der Fall ist. Beim Ansegeln von Tocopilla von Süden, wobei man
allgemein den deutlich abstechenden Berg Mexillones als erste Landmarke in
Sicht laufen dürfte, halte man sich von Cobija an nahe der Küste, etwa 6 bis
8 Sm ab, wo man des Tags in Sicht und des Nachts in Hörweite der Brandung
sein wird. Nachdem der Berg Mezxillones aus Sicht gegangen, ist besonders gut
Acht auf das Log zu geben, weil der gleichmäßig hohe, schroff zur Küste ab-
fallende Gebirgszug zunächst keine leicht auffallenden Landmarken bietet. Auch
die Höhen von Cobija treten nur wenig aus ihrer Umgebung hervor. In der
Nacht sind die Lichter dieser Stadt bis auf eine Entfernung von 8 Sm sichtbar,
Die durch die Spitze Algodon verdeckte Stadt Tocopilla kommt nicht eher in
Sicht, als bis die genannte Spitze passirt und das Schiff in die Nähe der Stadt
gelangt ist. Die beste und zugleich unfehlbare Landmarke bietet die breite,
weißlich schimmernde Gesteinsschicht, welche sich etwa 1 Sm südlich der Spitze
Algodon an einem abschüssigen Bergeshang in einer Höhe von rund 450 m
(1500 Fuls) befindet. Diese Schicht hebt sich ‚sehr deutlich mit scharfen Rändern
Ann. 8. Hydr. etc., 1894, Heft UI.