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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Bubendey: Die Temperatur des fliefsenden Wassers zur Zeit der Eisbildung. 5 
Die zweite Reihe der Tabelle enthält die mittlere Temperatur der Luft 
nach den täglichen Beobachtungen der Seewarte zu Hamburg, und zwar berechnet 
für den jedesmaligen Zeitraum von 3 Uhr des vorhergehenden Tages bis 9 Uhr 
morgens und von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags. Diese Mittelwerthe 
der Lufttemperaturen waren einzuführen, weil nach der Art der Aufhängung 
der Thermometer auch die mittlere Wassertemperatur eines längeren der Ab- 
tesung vorhergehenden Zeitabschnittes gemessen wurde. Die Tabelle giebt ferner 
in der fünften Reihe den Wasserstand zur Zeit der Beobachtung an und in der 
sechsten und siebenten Reihe das der Beobachtungszeit zunächst liegende Hoch- 
bezw. Niedrigwasser sowohl nach Zeit als nach Höhe, Diese Zahlen sind den 
Angaben des selbstaufzeichnenden Fluthmessers zu Hamburg-St. Pauli entnommen. 
Die in der achten Reihe enthaltenen Angaben über Richtung und Geschwindig- 
keit des Windes beziehen sich auf die Zeit der Tidewechsel in der sechsten Reihe 
und entstammen den Aufzeichnungen der Deutschen Seewarte. Die Bemerkungen 
über die Witterung, die Bewölkung und über die KEisverhältnisse des Stromes 
wurden nach eigenen Beobachtungen gleichzeitig mit der Beobachtung der Wasser- 
temperatur niedergeschrieben. 
Die Angaben der Tabelle über die Wasser- und Lufttemperatur (Reihe 1 
bis 4) sind auf der beigehefteten Zeichnung!) zur besseren Beurtheilung und Ueber- 
sicht graphisch dargestellt, und zwar zeigt Figur 1 die Luft- und Wasser- 
temperaturen in einheitlichem Mafsstabe, während Figur 2 die Wassertemperaturen 
nahe der Oberfläche und an der Sohle des Flusses, der besseren Deutlichkeit wegen, 
in zehnfach gröfserem Mafsstabe wiedergiebt. 
Bemerkenswerth sind die folgenden Ergebnisse der in der Tabelle und der 
Zeichnung dargestellten Beobachtungen: 
Zur Zeit der KEisbildung sowie kurz vor und nach dieser Zeit, und so lange 
der Fluß Treibeis führt oder doch noch unter der Nachwirkung des vergangenen 
Eistreibens steht, ist die Temperatur des Flulswassers von der Oberfläche 
bis zur Sohle nahezu gleich 0°. Während derselben Zeit wechselt die Luft: 
temperatur erheblich und beträgt u. A. am 21. Januar — 13,1°, am 30. Januar 
+8,2°C. Die Temperaturunterschiede zwischen Sohlen- und Oberflächenwasser 
sind kleiner als 0,10°C. Nur einmal während der ganzen Beobachtungsperiode 
erreicht der Unterschied 0,10°C. Das Steigen und Fallen der Temperatur der 
gesammten Wassermenge ist zwar eine Folge des Steigens und Fallens der Luft- 
temperatur, wesentlich bedingend ist aber das Vorhandensein von Treibeis. So 
zeigte sich in der Zeit vom 24, Januar bis 3. Februar bei bis zu 8°C über Null 
steigender Lufttemperatur und theilweise westlichen und südwestlichen Winden, 
während der Strom viel Treibeis führte, nur eine sehr geringe Zunahme der 
Wassertemperatur. Andererseits macht sich ein kräftiges Steigen der Wasser- 
temperatur nach dem Verschwinden des Treibeises bemerkbar, Der Strom führte 
vom 5. bis 16. Februar kein 'Treibeis, obwohl während dieser Zeit die Luft- 
temperatur gegen die vorhergegangenen Tage zurückblieb, zeitweise sogar unter 
Null herabfiel, stieg die Wassertemperatur bis 1,30° (am 8.) und 1,74° (am 13.) 
an. Die Temperatur des eisfreien Wassers folgt also regelmäfsiger, wenn auch 
mit einer gewissen Verzögerung, der Temperatur der Luft, Der höchste oder 
tiefste Stand der Wassertemperatur tritt ein bis zwei Tage später ein wie der- 
jenige der Lufttemperatur. Dalfs die gesammte Wassermasse des Flusses in allen 
Fällen nahezu gleich warm ist, erklärt sich aus der Art der Bewegung des 
Hiefsenden Wassers; es findet innerhalb des Wasserkörpers ein beständiges Wandern, 
Wechseln und Sichvermischen der Wassertheilchen auch in senkrechter und jeder 
beliebigen Richtung statt. 
Das auffälligste Ergebnils der vorliegenden Temperaturbeobachtungen 
ist die Art der Vertheilung der in der Wassermasse verbleibenden geringen 
Temperaturunterschiede. Wie die Tabelle zeigt, befindet sich bei starkem, 
länger dauerndem Frostweiter das kälteste Wasser in der Nähe der Flufssohle, 
während bei darauf folgendem Thauwetter das Wasser nahe der Oberfläche des 
Flusses die geringere Temperatur besitzt. Das Vorhandensein von Treibeis 
beeinflufst diese Temperaturschichtung nicht. Dagegen bedarf es bei dem Ueber- 
Hier nicht wiedergegeben.
	        
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