110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorölogie, März 1894.
Beeinflussung des Ganges durch die Schiffsbewegung gesprochen hat, richtet er
an die mit der Sorge für die Chronometer Betrauten die Mahnung, möglichst
oft eine sorgfältige Kontrolirung der kardanischen Aufhängung auszuführen, um
hierdurch die störenden Wirkungen abzuschwächen, welche sich aus einer mangel-
haften Centrirung der Unruhe ergeben können.‘!)
Im Abschnitt IV, „Von der Zugfeder“, giebt Heır Caspari nach einer
kurzen Aufzählung, welche hauptsächlicheten Eigenschaften der Feder innewohnen
müssen, Resals auf mathematischem Wege erlangte Resultate über die Zug-
wirkung der Feder sowie die daraus abgeleitete Bestimmung des theoretischen
Profils der Schnecke. — Hiermit schließt der Verfasser die „Studien über den
Regulator“.
Das folgende Kapitel IV, „Von den Abweichungen der Gänge“, bringt
in der Einleitung eine zusammenfassende Darstellung der früher bei den einzelnen
Theilen des Chronometers eingehend besprochenen Fehler des Instruments, welche
eine Veränderung des Ganges zur Folge haben. Wenngleich es in vielen Fällen
nicht möglich sein wird, derartige Abweichungen vorherzusehen, so giebt es
dennoch eine grofse Anzahl anderer Fälle, wo derjenige, welcher mit dem
Mechanismus des Chronometers sowie mit den Rechnungsmethoden vertraut ist,
sowohl durch geeignete Behandlung des Instruments als durch rechnerische Berück-
sichtigung der veränderten äufseren Verhältnisse im Stande ist, die störenden
Wirkungen auszuschliefsen oder wenigstens abzuschwächen. Herr Caspari führt
hier mehrere Beispiele aus der Praxis an, wo für beobachtete Gangänderungen
mehr oder minder sichere Erklärungen erbracht werden konnten.
Dem Kapitel IV ist als Anhang ein Bericht beigegeben, welchen der
Verfasser im Jahre 1889 dem in Paris tagenden „Congres der Chronometrie“
vorgelegt hat. Es wird hier der augenblickliche Standpunkt der Chronometrie
in kurzer Darstellung gegeben, und werden besonders auch neuere Untersuchungen
welche im Hauptwerke noch keine Stelle gefunden hatten, berücksichtigt. —
In Bezug auf die hier citirten Versuche, welche auf der Deutschen Seewarte
(nicht: Sternwarte) in Hamburg zur Ermittelung der Beeinflussung des Chrono-
meterganges durch die Schiffsbewegung mit dem Combes’schen Apparate aus-
geführt sind, erlaubt sich der Referent Folgendes zu bemerken: Es sind für
diese Untersuchungen nicht, wie Herr Caspari als Vermuthung ausspricht, In-
strumente von „mittelmäßiger Qualität“, sondern Chronometer verwendet worden,
welche aus der kurz vorhergegangenen neunten Konkurrenzprüfung mit den
Prädikaten „Vorzüglich“ (Klasse 1) resp. „Sehr gut“ (Klasse 2) hervorgegangen
waren; dies ist auch bei der eingehenden Darlegung der Versuche (siehe „Ann.
d. Hydr. ete.“, Jahrg. 1889, Seite 226) erwähnt worden. Die während der
Untersuchung beobachteten nicht unbeträchtlichen Gangschwankungen und
dauernden Gangänderungen sind deshalb fast ausschliefslich der Einwirkung der
Schiffsbewegung resp. den in solchen Fällen unausbleiblichen Nachwirkungen
zuzuschreiben. Auch dürfte nach Ansicht des Referenten auf Grund der aus-
nahmslosen Uebereinstimmung der Vorzeichen, welche die Mittelwerthe der Gang-
änderungen gezeigt haben (siehe Seite 233), kein Zweifel mehr darüber bestehen,
daß der Chronometergang durch die Schiffsbewegung im accelerirenden Sinne
beeinflufst wird. Die erwähnten Versuche sind unter vollständigem Ausschlufs
der sonst störend wirkenden Veränderungen der Temperatur und Feuchtigkeit
ausgeführt worden, und ist deshalb anzunehmen, dafs das Resultat der Versuche
den Einflufs der Schiffsbewegung nahezu rein und jedenfalls einwurfsfreier dar-
stellt, als es die meisten an Bord ausgeführten Untersuchungen in dieser Richtung
vermögen. Eine Bestätigung des in Hamburg gefundenen Resultates wird übrigens
durch die von Dr. F. Bolte an Bord des Dampfers „Neko“ an drei Chrono-
ımnetern erlangten Beobachtungen erbracht („Ann. d. Hydr. etc.“, Jahrg. 1888,
Seite 419). — Ferner möchte der Referent darauf aufmerksam machen, dafs bei
der Besprechung des Einflusses, welchen die Feuchtigkeit der atmosphärischen
Luft auf den Gang der Chronometer ausübt, die vom Januar bis Juni des
Jahres 1887 auf der Deutschen Seewarte ausgeführte Beobachtungsreihe („Ann.
4‘) Die gleiche Mahnung ist mit leider nur theilweisem Erfolge wiederholt durch das Chrono-
meter-Prüfungs-Institut der Seewarte an die Schiffsführer und Fabrikanten gerichtet: worden (siehe
u. A, „Ann. d. Hydr. ete.“ 1881. S. 234.