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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894.
Ein neues Werk über Schiffschronometer.,
Im Verlage von Emil Hübner in Bautzen (Eduard Rühl’s Verlag) ist.
kürzlich das’ Buch erschienen: „BE. Caspari, Untersüchungen über Chronometer
und nautische Instrumente, eine Studie über den Mechanismus und den Gang der
Chronometer, ins Deutsche (aus dem Französischen) übersetzt von E. Gohlke
in Berlin.“ ‘
Das vorliegende Werk, welches sich ausschliefslich mit. dem Schiffschrono-
meter beschäftigt (weitere nautische Instrumente sind nicht behandelt worden),
anthält eine Fülle interessanter Untersuchungen, welche der auch in Deutschland
rühmlichst bekannte Verfasser während zweier Decennien auf dem Gebiete der
cheoretischen und praktischen Chronometrie durchgeführt hat. Herr Caspari
hat, um die deutsche Ausgabe seiner Studien möglichst vollständig zu gestalten,
seiner im Jahre 1878 von der Pariser Akadeınie der Wissenschaften preisgekrönten
Schrift eine Anzahl späterer Abhandlungen in der, Form von „Noten“ und „An-
hängen“ beigefügt, welche sowohl an Umfang wie an Bedeutsamkeit des Inhalts
dem Hauptwerke in keiner Weise nachstehen. — Aus dieser Entstehungsart der
vorliegenden Ausgabe erklärt es sich aber, dafs die Anordnung. des gesammten
reichen Materials nicht von vornherein nach einheitlichen Gesichtspunkten vor-
yenonimen worden ist. Man’vermifßst im Hauptwerke häufig die Resultate neuerer
Forschungen, welche erst in den Anhängen gegeben werden; Letztere bringen
zum Theil ‚Wiederholungen des Früheren, und. der Verfasser hat in den, „Noten“,
am den Umfang des Werkes nicht zu bedeutend auszudehnen, häußg von der
völlständigen‘ Ableitung der, Ausgangsformeln Abstand nehmen ınüssen. — Der.
Referent möchte deshalb an dieser Stelle‘ dem Wunsche Ausdruck geben, dafs
bei einer zweiten Auflage des Buches der Inhalt der. Zusätze dem Hauptwerke,
eingegliedert und dadurch eine einheitliche Darstellung des Gegenstandes, ein
vollständiges Lehrbuch der Chronometrie, geschaffen werden möge. Herr Caspari
würde sich hierdurch gewifßs in noch höherem Mafse den Dank seiner deutschen
Leser erwerben. ‘‘
Der Verfasser bringt in Kapitel I eine vorzüglich klare Beschreibung des
Schiffschronometers, deren Verständnifs durch zwei sauber ausgeführte Zeichen-
blätter wesentlich unterstützt wird. Der Referent bedauert nur, dafs nicht auch
noch die Skizze eines Schiffschronometers beigefügt worden ist, weil, die An-
ordnung der einzelnen Theile bei diesem eine etwas andere ist, als in dem vor-
geführten Chronometermodell von Berthoud. — Es ist in Kapitel I, wie es
für eine Einführung jedenfalls am passendsten ist, zunächst nicht auf abweichende
Konstruktionsformen der wesentlichen Theile Rücksicht genommen, sondern es
sind’nur die einfache Temperatur-Kompensation der Unruhe und die gewöhnliche
Chronometerhemmung zur Darstellung gebracht. Auch verfehlt der. Verfasser
nicht, hier wie auch in den späteren Abschnitten den historischen Entwickelungs-
zang der Chronometerfabrikation in kurzen Wortemy zu kennzeichnen.
In Kapitel HI werden, nachdem der Begriff des Isochronismus festgelegt
und die Schwingungsdauer aus der Bewegungsgleichung abgeleitet worden, ist,
die Ursachen diskutirt, welche Gangabweichungen‘ zur Folge haben. Es kommen
hier zunächst die Veränderungen der Temperatur und des Oeles zur. Sprache,
welche mittelbar durch Längen- und‘ Spanhungsveränderungen der, Spirale resp,
durch Veränderung‘ der Reibungsverhältnisse auf den Gang wirken; dann. werden
diejenigen Abweichungen behandelt, welche durch, den Widerstand der. Zapfen,
dürch den Widerstand der Luft, durch den Einflufßs des Hemmungsstoßes, und
durch‘ die Centrifugalkraft erzeugt werden können. BT ;
Die in Kapitel II dargelegten Erfahrungen und theoretischen Erörterungen
äber den Isochronismus der Spirale werden durch das sehr interessante Kapitel III,
„Studie über den Regulator® sowie durch, die Noten C bis G noch, wesentlich
ergänzt, mathematisch begründet und für die, Praxis. der . Fabrikation. nutzbar.
gemacht; vor Allem ist es die klare Auseinanderseizung der Prineipien der
strengen Reglage, welche diesem Abschnitte des Buches einen hohen Werth ver-
leiht. Herr Caspari kommt in Abschnitt I dieses Kapitels („Von der Spirale“)