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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894. 
Stocken brachten; die Pumpen und Röhren mufsten dann von den eingedickten 
Eisklumpen gereinigt werden. Doch brachte das Siggeis selten solche Wirkungen 
zu Stande, und nur mehr oder weniger namhafte Unregelmäfsigkeiten des Saugens 
wurden bei der Siggeisbildung beobachtet. 
Dafs das Siggeis sich wirklich in der ganzen Wassermasse zugleich bildet, 
bewies das Verhalten einer anderen Röhre aus Gummi, die bei den alten Wasser- 
leitungen im Falle einer Verstopfung der Hauptröhre benutzt wurde. 
Mochte die Röhre in jedem möglichen Niveau ins Wasser eingesenkt 
werden, die Eisnadeln drangen immer in die Pumpen, und man wulste schon aus 
längerer Erfahrung, dafs während der Eisbildung die Arbeit und Kontrole ver- 
doppelt werden mufs. 
Ganz andere Erscheinungen rief in den Saugröhren die Grundeisbildung hervor, 
Nach Beobachtungen von Ingenieur Stowikowski, die im großen Ganzen 
mit denen anderer Forscher übereinstimmen, bildet das Grundeis eine schwammige 
Masse von Sand, Geröll und Wasser, die nicht nur am Grunde haftet, sondern 
auch Alles, gute und schlechte Wärmeleiter: Stein und Eisen, Holz und Beton u. A. 
deckt. Die Mächtigkeit beträgt bis zu zwei Fufßs, in Ausnahmefällen aber 
erreicht sie ganz fabelhafte Gröfsen. Dies wurde eben in den Jahren 1885 und 
1886 beobachtet. Ein Schiffszeug mit einer Dampfmaschine (Lokomobile) von 
16 P.S. (Pferdestärke) und mit einer centrifugalen Pumpe arbeitete bei der 
Anlage der Saugröhre. Während einer Nacht blieb das Fahrzeug auf einer Grund- 
eisunterlage stecken, und als am nächsten Tage das Wasser merklich fiel, blieb es 
auf der Eisinsel liegen. Wie dicht aber in diesem Falle die Eismasse war, zeigt 
der Umstand, daß sie zur Stütze für Balken dienen konnte, auf welchen das 
Schiff aufs Land gebracht wurde. 
Die Grundeisbildung hört auf, sobald die Eisdecke auf dem 
Wasser lagert (vgl. Beobachtungen von Kapt. Meyer; „Ann. d. Hydr. etc.“ 
1892, IX). In dem Falle soll nach Ingenieur Stowikowski der Grundeismantel 
sich vom Grunde lösen und mit der Eisdecke zusammenfrieren. 
Kehren wir wiederum zu den an den Saugröhren gemachten Beobachtungen 
zurück, 
Der Hauptunterschied bestand bei der Grundeisbildung darin, dafs das Eis 
nicht in Form von Kristallen und Nadeln mit Wasser in die Röhren hineingesaugt 
wurde, sondern dafs die zahlreichen (ca 3000) Löcher der Saugröhre mit einem 
Eismantel bedeckt wurden, der einfach jedes Saugen verhinderte, Das Entfernen 
des Eises von der Oeffnung der Röhre wurde schon deswegen unmöglich, weil 
der Mantel sich bereits in einer halben Stunde neu bilden konnte. 
Die Eiskruste wurde dann meist durch Gegendruck beseitigt, aber auch 
diese Mafsregeln führten nicht immer zum erwünschten Ziele, und bei kräftiger 
Grundeisbildung mußte öfters die Bewegung der Pumpen eingestellt werden. In 
solchen Fällen schaffte man in den Jahren 1887 und 1888 das Wasser nicht 
direkt vom Flusse her, sondern nur von den künstlichen Bassins, die zwar mit 
dem Flusse in Verbindung standen, aber stehendes Wasser hatten. Man dachte, 
in den Bassins mit stehendem Wasser wird eine Wärmeschichtung eintreten und 
diese die Grundeisbildung verhindern. Dies hat sich indessen nicht voll be- 
wahrheitet. Zwar war das Saugen ganz regelmäfsig, bis die Oeffnung der Röhre 
nicht geschützt wurde; da aber hierbei Holz, Blätter u. A. hineingesaugt wurden, 
bat man die Oeffnung der Saugröhre mit einem geräumigen Korb aus Faschinen 
umgeben. Die Grundeisbildung begann aber in demselben Momente in so starkem 
Male, daß man gezwungen war, den Korb niederzureißsen. 
Diese Erfahrung lehrt, dafs auch stehendes Wasser sich in seiner 
ganzen Masse bis nahe zum Nullpunkte abkühlen kann und dafs schon 
eine winzige Ursache die Grundeisbildung hervorzurufen im Stande 
ist. Es ist zwar dadurch noch nicht der Beweis erbracht, dafs in allen, auch 
nicht mit fliefsendem Wasser kommunicirenden Seebecken das Grundeis sich 
bildet. Diese Frage ist noch ganz offen, und es unterliegt keinem Zweifel, dafs 
die Beobachtungen in stehenden Gewässern uns einen Aufschlufs über die dunkeln 
Ursachen der Bildung des Eises geben könnten. Wiewohl aber die Frage nach 
den Ursachen der Grundeisbildung noch nicht als gelöst betrachtet werden kann, 
reizen uns die zahlreichen bisher gemachten Beobachtungen und Erfahrungen 
wohl nicht zum ersten Male zu einem Erklärungsversuche dieser Naturerscheinung.
	        
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