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Full text : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 3 (1880)

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Für  den  Indischen  Ozean  bezweckt  die  nachfolgende  Arbeit  ein  gleiches.  Der  verhältnissmässig  geringen
Anzahl  der  Beobachtungen  entsprechend,  ist  dieselbe  freilich  noch  lange  nicht  genügend,  um  absolute
Daten  zu  liefern.  Die  im  Folgenden  gegebenen  Zahlen  sind  daher  nur  als  relative  Werthe  aufzufassen,  die
bei  jeder  weiteren  Bearbeitung  des  rasch  wachsenden  Materials  sich,  vielleicht  nicht  unbedeutend,  ändern
können.  Durch  das  Nachfolgende  soll  hauptsächlich  auf  die  Unhaltbarkeit  verschiedener,  wie  es  scheint
noch  fast  allgemein  festgehaltener,  Annahmen  hingewiesen  und  die  Veranlassung  zu  späteren,  eingehenderen
Untersuchungen  mit  Hülfe  eines  inzwischen  weit  umfangreicher  gewordenen  Materials  gegeben  werden.

§  2.  Die  Beobachtung  der  Hydrometeore  auf  See  im  Allgemeinen.
a)  Beobachtungen  durch  Messungen.
Die  Beobachtungen  der  Niederschlagsmengen  mittelst  Regenmesser  auf  hoher  See  sind  bis  jetzt  ausserordentlich ­
  selten 1 )  und  fast  nur  auf  Kriegsschiffen  oder  wissenschaftlichen  Expeditionsfahrzeugen  angestellt
worden.  In  der  That  haben  auch  die  Bestimmungen  der  Höhe  des  Niederschlags  auf  dem  Meere  mit  den
grössten  Schwierigkeiten  zu  kämpfen.  Denn  wenn  man  die  Bedingungen  betrachtet,  welche  zu  wirklich
brauchbaren  Bestimmungen  der  Regenhöhen  zu  Lande  die  Haupterfordernisse  sind,  so  findet  man,  dass
diese  bei  dem  Gebrauche  von  Regenmessern  auf  Schiffen  nur  schwer  oder  gar  nicht  zu  erfüllen  sind.  Ein
gewöhnlicher  Regenmesser  nimmt  an  den  durch  den  Seegang  verursachten  Schwankungen  des  Schiffes  theil,
seine  Auffangfläche  ist  daher  fast  nie  horizontal.  Diesem  Uebelstande  hat  man  abzuhelfen  gesucht  durch  Konstruktion ­
  eines  Regenmessers  in  kardanischer  Aufhängung,  und  mit  solchen  Instrumenten  sind  die  erwähnten
Beobachtungen  auf  englischen  Schiffen  angestellt.  (Vergl.  „Nature“  Vol.  VII.  pag.  202.)  Die  fortwährende
Ortsveränderung  des  Schiffes,  die  Schwierigkeit  einer  freien,  durch  Segel  und  Tauwerk  nicht  beeinflussten
')  Regenmessungen  auf  liolier  See  sind,  soweit  mir  bekannt  geworden  ist,  angestellt  worden:
a)  Durch  die  Expedition  unter  Kapt.  Tuckey  nach  dem  Congo.  (Narrative  of  an  expedition  to  explore  the  l’iver  Zaire.
London  1818.)
b)  Durch  das  französische  Kriegsschiff  „La  Bonite“  bei  Gelegenheit  einer  AYeltumseglung  1834—37.  Nachrichten  über
die  Ergebnisse  dieser  Messungen  sind  mir  von  Paris  in  Aussicht  gestellt,  stehen  leider  aber  bis  jetzt  noch  aus.
c)  Durch  die  amerikanische  Südpolarexpedition  unter  Kapt.  Wilkes,  1838.
d)  Durch  die  Novara-Expedition,  welche  die  sorgfältigsten  Niederschlagsbeobachtungen  geliefert  hat,  welche  wir  bis  jetzt
von  der  hohen  See  besitzen;  jedoch  sind  die  Kegenmessungen  nicht  die  ganze  Reise  hindurch  regelmässig  vorgenommen, ­
  öfters  ist  in  dem  Journal  (Nautisch-physikalischer  Theil  des  Berichtes  der  Novara-Expedition,  Wien  1862—Go)
die  Regendauer  angegeben,  ohne  dass  gleichzeitig  Messungen  über  die  Regenhöhe  stattgefunden  haben.  Die  Beobachtungen ­
  über  die  Dauer  der  Regen  dagegen  sind  mit  äusserster  Sorgfalt  angestellt.
e)  Durch  Schiffe  der  K.  K.  Oesterreichischen  Marine  und  des  Oesterreichisch  -  Ungarischen  Lloyd.  Diese  Beobachtungen
haben  jedoch  keine  nennenswerthen  Resultate  geliefert  und  sind  dieselben,  wie  Herr  Müller,  Direktor  des  Hydrographischen ­
  Instituts  in  Pola  mittheilt,  sowie  die  meteorologischen  Beobachtungen  überhaupt,  soweit  solche  zur  gesichelten
Navigation  nicht  erforderlich  sind,  nicht  mehr  obligatorisch,  welcher  Umstand  kaum  zu  bedauern  ist,  da  solche  Beobachtungen ­
  auf  Kommando  meist  nicht  nur  keinen  Nutzen  bringen,  sondern  vielfach  sogar  noch  schaden.
f)  Durch  eine  Anzahl  Schiffe  der  englischen  Kriegs-  und  Handelsmarine.  Die  Resultate  dieser  auf  alle  Meere  sich  erstreckenden ­
  fünfjährigen  Beobachtungen  sind  mitgetheilt  im  Quarterly  Journal  of  the  Meteorological  Society  1878  pag.  164.
Demzufolge  wurden  auf  der  nördlichen  Halbkugel  an  175  Regentagen  2588  mm  Regen  gemessen,  auf  der  südlichen
an  244  Tagen  2387  mm,  oder  14.7  mm  resp.  9.6  mm  im  Durchschnitt  pro  Tag.  Hieraus  wird  von  dem  Verfasser  des
betreffenden  Aufsatzes  gefolgert,  dass  auf  der  Nordhemisphäre  die  Regen  stärker  sind  als  auf  der  südlichen,  w r o  die
äquatorialen  Regengüsse  zu  fehlen  und  die  feinen  Staubregen  (drizzly  weather)  vorzuwalten  scheinen.  Der  Monat  September ­
  hatte  auf  der  nördlichen  Halbkugel  den  meisten  Regen,  662  mm  und  die  grösste  Anzahl  Regentage,  nämlich  33
innerhalb  fünf  Jahre;  von  der  Südhemisphäre  lieferte  der  Monat  April  den  höchsten  Regenbetrag,  449  mm,  der  August
aber  die  grösste  Anzahl  Regentage,  35.  Die  spärlichsten  Regen  erfolgten  auf  der  nördlichen  Hemisphäre  im  Monat
März,  nämlich  17  mm  an  6  Tagen,  auf  der  südlichen  im  Oktober,  10  mm  an  einem  Tage.  Das  Frühjahr  soll  daher
nach  dem  Autor  als  die  regenärmste  Zeit  auf  hoher  See  angesehen  werden,  der  Herbst  als  die  regenreichste.
Dass  eine  solche  kritiklose  Zusammenstellung  von  Regenmessungen  aus  allen  möglichen  Breiten  und  klimatischen
Zonen  einer  Hemisphäre,  die  keine  Rücksicht  auf  örtliche  Verhältnisse  nimmt,  keine  den  wirklichen  Thatbeständen
entsprechenden  Resultate  geben  kann,  braucht  wohl  nicht  noch  besonders  hervorgehoben  zu  werden.
Weiteres,  jedoch  auch  zu  keinen  neuen  Gesichtspunkten  Führendes  über  diesen  Gegenstand  findet  man  in  Nature
1878,  30.  Januar,  und  in  Symon’s  Meteorological  Magazine,  1879,  pag.  32.
            
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