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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894.
gekühlt, ebenso die Decke des Kastens bei C, indem dort ein kleines, schmales,
mit Eisstückchen gefülltes Blechgefälßs quer hingesetzt wird.
Demnächst befestigt man ein mit Alkohol getränktes Stück dicken Lösch-
papiers von der Form und Gröfse der dreieckigen Grundfläche unterhalb der-
selben so, dafs es sich überall gut anschmiegt. Der Zweck dieser Vorrichtung
ist, durch Verdunstung des Alkohols die Bodenfläche abzukühlen; es ist deshalb
nöthig, das Papier von Zeit zu Zeit von Neuem mit Alkohol zu benetzen, damit
die Verdunstung nicht unterbrochen werde,
Nachdem man ein wenig gewartet, bringt man durch eine passend an-
gebrachte Oeffnung etwas dicken Cigarrenrauch mittelst einer nicht zu engen
Glasröhre möglichst langsam in den Kasten und schliefst darauf die Oeffnung.
Allmählich ordnen sich die Bahnen des Rauches, wie dies die Fig. 1 wohl
ohne Weiteres erkennen läfst (die Bezirke, in denen die Bewegung der Luft
kaum merklich ist, sind punktirt). Hier kommt nur der Theil der Luftbewegung
in Betracht, welcher links von der senkrechten gestrichelten Linie dargestellt ist.
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Unter C fällt die Luft schräg herab, erreicht bei b den Boden. Ein Theil
dieser herabgesunkenen Luft wendet sich nach links, prallt bei b sehr be-
deutend nach d zu in die Höhe, sinkt alsdann nach a herab, steigt hier
längs der warmen Wand A in die Höhe, verläuft weiter nach C, um den Kreis-
lauf von Neuem zu beginnen.
2. Versuch. Man entfernt nun das Löschpapier von der Bodenplatte
und erwärmt dieselbe in der ganzen Ausdehnung ein wenig. Das Bild der
Rauchcirkulation ist jetzt ein ganz anderes. Wir lassen wiederum den Theil
rechts von der senkrechten gestrichelten Linie unberücksichtigt. Die bei C
herabsinkende, sich unten nach A wendende Luft prallt sehr wenig bei b
von der Bodenfläche ab, bewegt sich schneller und erreicht a auf fast ge-
radem Wege (bca, Fig. 2), steigt dann, wie früher, nach oben und beginnt
bei C von Neuem den Kreislauf. Der Grund des höheren Abprallens beim ersten
Versuch beruht offenbar in dem geringeren Unterschied des specifischen Gewichts
der herabsinkenden Luft gegen das der unten befindlichen. So prallt auch bei
einer Waage, bei der die eine Schale ein wenig schwerer ist, ‚als die andere,
erstere nach dem Herabsinken beim Anschlag bedeutend in die Höhe, während
dieselbe, wenn sie mehr belastet wird, nur sehr wenig sich beim Abprallen er-
hebt. In anderer Weise kann man einen grofsen leichten Ball an einer langen
dünnen Kautschukschnur aufhängen, so dafs er soeben den Boden berührt, wobei
seine Schwere durch die sich ausdehnende Gummischnur fast kompensirt wird.
Hebt man den Ball nun und läfst ihn fallen, so springt er bedeutend nach dem
Abprall in die Höhe, viel höher, als wenn man ihn ohne Schnur aus derselben
Höhe auf die Erde fallen läfst.
Dies Letztere entspricht dem Vorgang, wie er in Fig. 2 dargestellt ist,
wo die oben durch Eis erkaltete Luft heruntersinkt auf die etwas erwärmte