Der grofse Sturm vom 7. bis 12. Februar 1894 an der deutschen Küste. 97
dern auch in Berlin, wo er kurz vor 1 Uhr nachts auf dem Stettiner Bahnhof
das Wellblechdach der grofsen Bahnhofshalle von der Abfahrtseite in der Aus-
dehnung von etwa 70 m aufrollte und auf den Anbau warf, wo der Stations-
vorsteher schwer verletzt wurde, Eine halbe Stunde später wurde auch auf dem
Stadtringbahnhof Stralau - Rummelsburg das Dach vollständig abgehoben. Um
diese Zeit betrug in Potsdam die Windgeschwindigkeit nur 16 m in der Sekunde.
In der Eingangs mitgetheilten Tabelle der Anemometer-Angaben sind durch
Sterne die Zeitpunkte bezeichnet, an denen Sturmwarnungen oder Verlängerungen
bezw. Ergänzungen noch in Kraft stehender Warnungen von der Seewarte er-
lassen worden sind. Wie man sieht, ist vor den grofsen Stürmen vom 7. und
vom 12. rechtzeitig um die Mittagszeit des vorhergehenden Tages bei noch
ruhigem Wetter eine Warnung erlassen worden, und zwar wurde beide Male das
Signal „Südweststurm“ angeordnet, das im zweiten dieser Fälle schon seit dem
Mittag des 9. Februar an der ganzen deutschen Küste aushing.
Unter den Stürmen früherer Jahre ist es in Hamburg besonders der
Sturm vom Neujahr 1855, der diesem sowohl nach seiner Dauer als nach seiner
Stärke an die Seite gestellt werden kann. In dem meteorologischen Tagebuche
des verstorbenen Dr. K. G. Zimmermann, das. auf der Seewarte aufbewahrt
wird, finden sich folgende Notizen: 25. Dezember Regen, Sturm und Hochwasser.
26. Veränderlich, Sturm, Hochwasser. 27. Veränderlich, Regen und Schnee.
28. Schön, abends Schnee. 29. Schön, abends Regen und Sturm, Hochwasser,
30. Regen und Sturm. 31. Morgens 6 Uhr Gewitter, Hochwasser, trübe Luft,
abends Regen und Sturm. 1. Januar furchtbarer Sturm, 11 Uhr Gewitter, Hagel,
Regen, Hochwasser 18‘, abends Hagel und Schnee, nachts Hochwasser 20‘ 4".
2. Januar furchtbarer Orkan, Gewitter mit Schnee und Hagel, abends heitere
Luft. 3. Januar schön. In diesen Angaben der Handschrift scheint indessen
ein Versehen enthalten zu sein; denn nach allen sonstigen Nachrichten ist der
Sturm hier nicht am %., sondern am Morgen des 1. Januar 1855 am stärksten
yewesen; in Berlin gegen Mittag desselben Tages (vgl. Dove, Gesetz der Stürme).
Die Lufttemperatur schwankte in Hamburg an diesen Tagen zwischen + 5° C
and — 4° C, der Wind war bis zum 30. meist West, am 31. WNW, am 1. und
2. NW, am 3. und 4. wieder West, seine Richtung zur Zeit der gröfsten Stärke
also viel ungünstiger als am 12. Februar d. J. Wir können von Glück sagen,
dafs er diesmal beim Umgehen nach NW rasch abflaute und das Hochwasser in
der Elbe daher in vergleichsweise mäfßsigen Grenzen blieb. W. Köppen.
Ueber das Abprallen der Passate auf dem Atlantischen Ocean,
Von Dr. F.“ VETTIN.
. Schon vor geraumer Zeit, !) als ich experimentell dargestellte Luftbewegungen
beschrieb, habe ich auf eine besonders in die Augen fallende Erscheinung hin-
gewiesen, nämlich auf das Abprallen der niedersinkenden Luft von der Boden-
fläche des Glaskastens.
Im Folgenden theile ich zwei Versuche mit, welche über die näheren
Umstände Aufschlufß geben, von denen die Höhe oder der Grad des Abprallens
abhängt, und im Anschluß daran die, Anwendung der Versuche zur Erklärung
gewisser Vorgänge, die bei den Passatwinden des Nord- und Südatlantischen
Oceans beobachtet worden sind.
1. Versuch. Hierzu benutzte ich einen auf dünnem Drahtgestell ruhenden
länglichen Glaskasten von 9 cm Höhe, dessen Grundfläche ein gleichschenkliges
Dreieck bildet, die kürzere Seite etwa 11 cm, die beiden Schenkel 43 cm lang.
Fig. 1 zeigt den Durchschnitt.
Die Wand bei A wird durch ein quer aufgestelltes kleines Blechgefälßs
mit warmem Wasser mäßig erwärmt, das spitze Ende des Kastens B durch Eis
4) Z. B. Pogg. Ann., Ba, 102, 1857, S. 249, 250, Taf. IIL, Fig, 7.
Ann. d. Hydr. etc,, 1894. Heft II.