Ann. d. Hydr. etc.; XXI. Jahrg. (1893), Heft II.
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Ausgewählte tropische Wirbelstürme im südlichen Indischen Ocean.
Im Auftrage der Direktion der Seewarte bearbeitet .
von Kapt. CARL H. SEEMANN und Prof. Dr. W. KÖPPEN. i
(Schlufs.!) — Hierzu Tafel 2 .und 3.)
Den Schluß dieser Sammlung möge die Darstellung dreier Wirbelstürme
bei den Maskarenen bilden, welche nach der Reichhaltigkeit des vorliegenden
Materials zu den am besten bekannten tropischen Orkanen zählen.
8. Wirbelsturm im Februar 1863 bei Mauritius.”)
Den „Proceedings and transactious of the Meteorological Society of Mauritius
Vol. VI, Mauritius 1864“, entnehmen wir die folgenden Mittheilungen von Meldrum
über eine Cyklone, die im Februar 1863 im Westen der Insel Reunion passirte.
Der Zustand des Wetters und der See zu Port Louis am 31. Januar und
den 1. und 2. Februar 1863 war ein solcher, dafs Jedermann überzeugt war,
eine Cyklone mülste sich nördlich und westlich von Mauritius befinden. Selten
ist in Mauritius eine solch gewaltige Brandung beobachtet worden, wie bei dieser
Gelegenheit, Am Morgen des 2. Februar ging die „Mooresfort“ an der Küste
verloren, und der gröfste Theil der Mannschaft fand seinen Tod in den Wellen.
Es ist anzunehmen, dafs der Orkan in der Nähe der Saya de Malha-Bänke,
ungefähr gegen den 28. Januar, entstanden und dann nach SW gewandert ist,
Die Brigg „Clifford“ (a der Bahnenkarte), welche die Seychellen am
23, Januar verlassen hatte, nach Mauritius bestimmt, ist das einzige Schiff, welches
uns über den Beginn des Wirbelsturmes einigen Aufschlufs geben kann. Am 24,,
25., 26. und 27. Januar hatte dieses Schiff westliche und nordwestliche Winde
mit starkem Regen und des Nachts Blitzen um den ganzen Horizont. Am Mittag,
den 28., befindet sich a in 10,2° S-Br und 57,8° ÖO-Lg, hat zunehmende Briese
aus SW und klares Wetter. Nachmittags geht der Wind auf NW mit Regen-
güssen, nachts nehmen die Böen an Stärke zu (bis 8 B. S.).
In Mah6 (Seychellen) ist der Wind am 24., 25. und 26. Januar NW mäßig
bis stark, begleitet von starken Regenschauern, später fehlen die Angaben.
Südlich davon, in Port Louis, weht der Wind am 24., 25., 26. und 27.
leicht aus SE bei schönem Wetter; zeitweilig Wetterleuchten. Das Barometer
stand hier am 26. = 764,8 und am 27. = 764,4 mm. Am 28. herrscht leichter
Ostwind und. schönes Wetter; Barometer fällt, um 9!/2" a steht es auf 762,5 mm.
Am 29. weht in Port Louis ein leichter Wind von ENE bei starker Bewölkung;
nachmittags wird die Luft im Norden drohend, Barometer fällt langsam; abends
holt der Wind östlich, und nun steigt das Barometer etwas. In 11,1° S-Br und
58,1° O-Lg hat a an diesem Tage fallendes Barometer und böigen, starken nord-
westlichen. Wind. Dem Schifle fliegen einige Segel weg, so dals es mehrere
Stunden beiliegen muß. Nachmittags veränderlicher westlicher Wind und besseres
Wetter, wenn auch die Luft im Westen drohend aussieht. Diese Beobachtungen
genügen jedoch nicht, um für den 29, schon für ein etwaiges Wirbelcentrum
den Ört niederlegen zu können. Es ist sogar fraglich, ob schon an diesem Tage
ein solches ausgebildet gewesen ist. Am 30. hat a frühmorgens leichten SW
und Stillen mit Regenschauern. Um 5% früh westliche Briese und schwere
Bewölkung bei fallendem Barometer. Mittags auf 11,7° S-Br und 58,3° O-Lg
unbeständige westliche Briese und weiter fallendes Barometer. Nachmittags
nimmt der Wind zu, und nachts weht ein Sturm aus NW. Die See geht sehr
hoch. In Port Louis steigt am 30. das Barometer noch etwas; der Wind ist
östlich, geht aber nicht über die Stärke 4 hinaus; abends böig.
1) Vgl. diese Annalen, 1892, S. 361—375 und 1893, S. 16—25. .
2) Auf Tafel 2 sind die Winde vom 2. Februar, die zu dem ausgeführten Isobarennetz
gehören, fett hervorgehoben,