Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1893,
Am 13, lagerte ein neues Minimum über dem Skandinavischen Meere und
eine durch Theilminima gebildete Depression über den deutschen Meerestheilen,
während hoher Druck sich von Westen her über Mitteleuropa erstreckte. Diese
Depression wanderte schnell nach dem Mittelmeere, während auf ihrer Nord-
seite ein Rücken hohen Druckes zur Entwickelung gelangfe, welcher die Verbindung
der Hochdruckgebiete im Westen und Osten Europas herstellte und das sich
langsam ausfüllende Minimum auf seiner Südseite von dem sehr veränderlichen
Depressionsgebiet im Norden trennte. Diese Wetterlage währte bis zum 20.,
and zumal beherrschte der West bis Ost gestreckte Rücken hohen Druckes am
18. bis 20, noch das ganze kontinentale Europa, nachdem am 16. und 17. kleinere
Theilminima hier zu vorübergehender Bedeutung gelangt waren. .
In den folgenden Tagen staud die Wetterlage bei im Norden Europas
stark abnehmendem Drucke wesentlich unter dem Kinflufs von zwei Theilminima,
die am 21. bis 23., sowie 25. bis 26. von Mittelskandinavien nach Polen wan-
Jerten, sowie am 23. eines von der Nordsee nach dem Westen des Kontinents
vordringenden Theilminimums.
Nachdem hierauf wieder vom 27. bis 29. vorwiegend südöstliche Winde
Deutschland überfluthet hatten, bedingt durch die Depression im Westen und NW
und den hohen Druck im Osten, verlagerte dieser seinen Kern südwärts und
uchtete bis Frankreich vor, so dafs endlich ein durchgreifender Umschwung in
der Wetterlage eintrat und am 31. ganz Norddeutschland von westlichen oceanischen
Winden beherrscht wurde.
Die Temperaturen zeigten einen sehr veränderlichen Gang und grofse
Schwankungen von Tag zu Tag, an der Ostsee, wo die Aenderung in 24 Stunden
im Mittel mehrfach 5° erreichte und als gröfster Sprung in Wustrow ein
Steigen der Abendtemperatur vom 19. zum 20. um 20° vorkam. Besonders
kalte Tage traten in der zweiten Pentade, gegen Mitte des Monats und im Osten
noch kurz vor Ende des Monats, die gröfste Kälte meist an der Küste am 17.,
18. und 19, auf, an welchen Tagen die Morgentemperaturen an der Ostsee bis
25° unter der Normale lagen. Der stärkste Frost wurde in Swinemünde mit
30° beobachtet, welches auch die niedrigste im deutschen Binnenland vor-
gekommene Temperatur, und zwar für Bamberg am 19., darstellt. Begünstigt
wurde das aufsergewöhnliche Sinken der Temperatur durch das Vorherrschen der
südöstlichen Winde wie durch die über Europa lagernde Schneedecke und ihre
Verstärkung der Erkaltung durch Ausstrahlung wie Verhinderung der Erwärmung
durch Sonnenstrahlung. An der Danziger Bucht erreichten die Morgentempera-
turen die Normale nur am 31., wo diese an der ganzen Küste überschritten
wurde, und auch an der übrigen Küste, aufser am 530. an der Nordsee, nur ver-
einzelt in der letzten Dekade.
Niederschläge traten besonders häufig auf vom 1. bis 4., 12. bis 16.
(östl. Ostsee 10. bis 16.), 20. bis 25., 30, und 31., getrennt durch an der Ostsee
vielfach heitere Tage (5. bis 8., 17. bis 19., 29. und 30.), an der Nordsee, außer
vom 7. bis 11., durch vorwiegend neblige Witterung. Wenngleich sehr ergiebige,
20mm erreichende Niederschläge nicht vorkamen, so genügten die Schneemassen
Joch, um recht erhebliche Sehneeverwehungen vielfach hervorzurufen, so dafs der
Eisenbahnverkehr in Deutschland mehrfach empfindliche Störungen erlitt.
Stürmische Winde aus NE (Stärke 8 bis 9) traten am 1. an der west-
lichen Ostseeküste und vereinzelt noch am 2., an der östlichen Ostseeküste am
10. und 11. (auch Arkona und Travemünde) auf, außserdem am 20. in Brüsterort
und Arkona aus SSW resp. Süd und vereinzelt in der folgenden Nacht an der
Nordseeküste aus NW.
In den Monatsmitteln lag der Luftdruck etwas über, der Niederschlag wie
die registrirle Windgeschwindigkeit meist unter der Normale. Aufsergewöhnlich
grofse Abweichungen gegen die normalen Werthe besafs die Temperatur, welche
an der Nordsee im Monatsmittel um 3 bis 5°, an der Ostseeküste um 5 bis 11°
anter den vieljährigen Mittelwerthen lag.
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