Die Witterung an der deutschen Küste im Januar 1893,
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Windrichtung, Zahl der Beobachtungen (je 3 am Tage)
Mittl.
Windstärke
(Beaufort)
Stat.
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Wie Monatzmittel der Temperatur werden für September bis April als Mittel aus
Us (8a. + 2p. +8p.) und 1% (8a. 4-8 p.), für die Monate Mai bis August als Mittel aus
!/a (Max. + Min) und 1/2 (8 a. -+ 8 p.) berechnet, wo 8 a, 2 p., 8 p., Max. und Min. der Reihe nach
das Mittel der Temperatur um 8a., 2 p., 8 p., bezw. der täglichen Maximum- und Minimum-
Temperatur bedeuten. Die übrigen Mittel sind als arithmetische Mittel aus den je drei Termin-
werthen abgeleitet.
Die Temperaturänderungen von Tag zu Tag bedeuten die mittlere Veränderung der
Temperatur für Zeiträume von 24 Stunden ohne Rücksicht auf das Vorzeichen.
Die Tage mit Niederschlag werden gezählt auf Grund der Angaben des Regenmessers,
ohne Rücksicht auf die Natur der Niederschläge.
Von den vieljährigen Mitteln beziehen sich die für Temperatur und Niederschlag zu
Grunde gelegten 15jährigen auf den Zeitraum 1876/90, die 30jährigen des Luftdrucks auf den Zeit-
raum 1851/80, während die vieljährigen Monatsmittel der Windgeschwindigkeit aus allen bis 1891
einschl. vorhandenen Anemometer-Registrirungen abgeleitet wurden; hierbei kamen für Hamburg und
Borkum die ersten Jahrgänge Registrirungen nicht in Betracht, da die jetzige Aufstellung der Anemo-
meter von der ursprünglichen zu erheblich abweicht, um vergleichbare Werthe zu geben.
Als Sturmnorm sind untere Grenzwerthe für die stündliche Geschwindigkeit bei stürmischen
Winden zu verstehen, welche in Beiheft II des „Monatsberichtes der Deutschen Seewarte, Jahr-
gang 1890“ abgeleitet wurden. Als Tage mit Sturm wurden diejenigen Tage gezählt, an welchen
die mittlere Windgeschwindigkeit im Mittel mindestens einer Stunde die betreffende Sturmnorm
erreichte oder übertraf,
Wo Störungen im Gange der Anemometer vorkamen, ohne dafs die durchschnittliche stünd-
liche Geschwindigkeit für diese Zeit ermittelt werden konnte, sind die Monatsmittel der Wind-
geschwindigkeiten kursiv gedruckt; die Daten der Tage mit derartigen Störungen, an welchen
stürmische Winde beobachtet wurden, sind, mit Fragezeichen versehen, hinzugefügt, ebenso für
Rügenwaldermünde, welches kein Anemometer besitzt.
Durch kursive Ziffern sind allgemein alle Werthe gekennzeichnet, bei deren Ableitung
interpolirte oder ergänzte Zahlen mitbenutzt werden mufsten.
Denkwürdig wird dieser Monat bleiben durch die ungewöhnlich grofse
ünd anhaltende Kälte, welche in der Zeitschrift „Das Wetter“ von Herrn Prof,
van Bebber unter dem Titel „Die letzt verflossene Frostepoche“ eingehend
behandelt worden ist.
Das am Ende Dezember über dem Bottnischen Busen erstarkende und
nach der Nordsee vorbuchtende Maximum gewann Anfang Januar schnell an
Intensität und Ausdehnung, wobei ungewöhnliche hohe Barometerstände erreicht
wurden, so am 3. in Archangel 793,6, in Kargopol 795,2, am 4. in Haparanda 790,8;
es verlagerte seinen Kern höchsten Druckes nach dem Innern Russlands und
beherrschte am 5. und 6. ganz Europa, nachdem eine am 1. über Pommern
lagernde Depression (skandinavischer Herkunft) nach der Nordsee gedrängt
worden war und sich ebenso wie die Anfang Januar über dem Mittelmeer
gelegene Depression ausgefüllt hatte.
An diesen Tagen stand der ganze Kontinent unter der Herrschaft südöst-
licher Winde, welche durch eine am 7. gegen den Kanal vorschreitende Depression
weiteren Antrieb erhielten. Indessen sank der Druck im Osten, und jene De-
pression trat in Verbindung mit einem über Finnland erschienenen Minimum, so
dafs am 10. eine von der Biscaya-See nach Finnland reichende Furche niedrigen
Druckes den immer mehr zurückweichenden hohen Druck im Osten von einem
sich im NW kräftig entwickelnden Hochdruckgebiet schied, welches am 10. bis 12.
Nordeuropa beherrschte und für die Küste nördliche und nordöstliche Winde bedingte.