Die marokkanischen Häfen Casablanca und Mogador.
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Ich ankerte:
Oestliche Kante der Stadtmauer SW*/4S
Westliche Kante der Stadtmauer W!/2S
Kap Dar el Beida WNW/4W
und habe dort verhältnifsmäfsig gut gelegen, da die westliche Dünung durch das
Kap etwas gebrochen wurde. Weiter hineinzugehen halte ich für Schiffe wie
S. M. S. „Gneisenau‘“ nicht ruthsam, kleinere Dampfer liegen besser weiter an
Land, da sie dort noch mehr gegen die westliche Dünung geschützt sind. Es
ankerten während meines Aufenthaltes ein deutscher, ein englischer und ein spa-
nischer Dampfer und zwei portugiesische Schoner auf der Rhede, die Dampfer
innerhalb, die Schoner aufserhalb von mir. Der deutsche Dampfer „Elisabeth“,
welcher ganz mit Bohnen befrachtet wurde, lag schon vorher dort, hatte aber
des schlechten Wetters wegen in See gehen müssen. Der Sturm am 30. Oktober,
welcher einen Barometerstand von 744,7 zeigte, war der erste der Jahreszeit, und es
wurde mir versichert, dafs seit sechs Monaten die See ganz ruhig und das Laden
der Dampfer keinen Tag ausgesetzt gewesen wäre.
Sobald die See nicht direkt auf den Landungsplatz steht, ist das Landen
gut zu bewerkstelligen. Die schwerste See kommt bei den Westsüdweststürmen.
Man steuert dann mit dem Boote auf ein sich gut markirendes Grabmal an der
Westkante der Stadtmauer zu, bis man dicht an die vor dem Boot liegenden
Brecher kommt, dann geht man in guter Entfernung von diesen direkt auf die
Landestelle.
An Proviantarlikeln sind vorräthig: Brotzucker (Hutzucker), Kichererbsen
und grüne Erbsen in gröfseren Quantitäten, Sandzucker (Streuzucker), Bohnen,
Reis in kleinerem Umfange, lebende Ochsen, Hammel und Hühner in mäfsiger
Anzahl, Kartoffeln wenig und sehr theuer, Kaffee bis zu 2500 kg. Mehl ist fast
garnicht am Platze und müfste in jedem Falle auf besondere Bestellung hin durch
die am Ort befindliche Dampfmühle gemahlen werden, Der hierzu erforderliche
Weizen soll jederzeit vorräthig sein.
‚Im Geldverkehr wird nach spanischen Pesetas gerechnet, die marokkanische
Münze kommt nur noch in kleineren Stücken vor.
1 LSterlg. gilt im Allgemeinen 25 Pesetas,
1 Franc „m ” 1 Peseta,
jedoch ist das spanische Geld zur Zeit derart entwerthet, dafs bei Bezahlung in
LSterlg. bis zu 15pCt. und bei Bezahlung in Frances bis zu 12pCt. Prämienauf-
schlag gewährt wird.
Fünfmal Briefpostverbindung mit Tanger durch Mauren (von dort nach
Gibraltar jeden Tag). Telegramme werden ebenfalls mit befördert, Die Post
geht drei Tage über zwei Stationen, auf welchen sich die Träger ablösen, so dafs die
ganze Strecke von nur drei Mann gegangen wird. Zeitungen und Packete kommen
mit Dampfern, welche auch verpflichtet sind, Briefe mitzunehmen.
Mogador. Am 2. November 5* p ankerte ich auf der Rhede von Mo-
gador in: Rechte Huk von Insel Mogador SSW!/AAW, Fort 0S0!/.0, fand dort
schlechten Ankergrund, trieb bis West Huk der Insel Mogador SSW, Begräb-
nifß Sidi Mogudols SO’/4S, lichtete die Anker und lag dann, so gut wie es auf
äüer Rhede nur möglich, in: NW-Huk der Insel Mogador SW*%W, Fort SO!A0.
Trotzdem es seit dem 30. Oktober nicht mehr geweht hatte, traf ich auch
dort noch hohe Dünung an, welche noch unangenehmer durch eine Nordostbriese
von Stärke 5—6 wurde, Der Verkehr über das Fallreep war wieder aufgehoben,
und die Boote, welche an Land fuhren, setzten vom Heck ab.
Der Konsulatsverweser kam an Bord, und wurde ein gleicher Empfang,
wie in Casablanca, aber der hiesigen Sitte gemäfs, auf 10% a verabredet. Die
Landung war leicht, da ein kleiner Hafen vorhanden und der Konsul mir einen
Lootsen an Bord gelassen.
Mogador ist wie Casablanca mit einer hohen Mauer umgeben, welche nach
den Hauptgegenden mit Geschützen besetzt ist, außerdem liegen vor dem Lan-
dungsplatz zwei runde Steinforts (von denen das Erstere mit dem Zollhause ver-
bunden), welche auf die dort vorspringenden Riffe aufgebaut und mit einer ganzen
Anzahl glatter Kanonen besetzt sind. Einen besonderen Widerstand können die
Befestigungen aber nicht leisten. .