accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Hegemann: Der Walfang im Stillen Ocean und nördlich. der Berings-Strafse. 67 
dem sie ihren Fang gelöscht hatten, der nur aus Thran bestand, da die Barten 
nicht zu gebrauchen waren. 
Als einen guten Durchschnittsfang während der Sommermonate in den 
nördlichen Gewässern bezeichnete man in der damaligen Zeit 10 Bowheads, die 
etwa 1000 Barrel — 1 Barrel = 30 Gallonen oder 113,5 Liter — Thran und 
16000 Pfund Fischbein lieferten. Ende 1868 kostete in Bremen der Barrel T'hran 
nach dem jetzigen Gelde 68,75 Mark und das Pfund Fischbein 3,60 Mark. Bei 
der Berechnung des ungefähren durchschnittlichen Reingewinnes des Walfanges 
in den sechziger Jahren konnte man den Barrel Thran nebst der Menge des 
auf diesen fallenden Fischbeins zu 25 Thaler Gold oder nach dem jetzigen Gelde 
82,50 Mark rechnen. 
Die Fischerei der Wintermonate brachte meistens nicht viel ein; man war 
froh, wenn man an 100 Barrel Spermöl und entsprechend mehr ‚des minder- 
werthigen Thranes des Buckelwales und des Teufelfisches erbeutete. Indefs 
gelang es doch auch nicht selten, aus einer Herde Pottwale eine gröfsere 
Anzahl zu erlegen. Diese Wale schaaren sich um einen in Noth und Angst befind- 
lichen — also in unserem Falle um den harpunirten — Kameraden, entgegen- 
gesetzt dem Polarwal, der einen solchen im Stich läfst und sofort die Flucht 
ergreift. Bei dem Fange von Pottwalen aus einer größeren Herde wurde 
daher in folgender Weise verfahren: Nachdem ein oder mehrere Boote je einen 
Wal angeworfen hatten, war es zunächst ihr Bestreben, von den übrigen Walen 
so viel als möglich vermittelst der Handlanze oder Bombenlanze zu tödten, und 
erst später, wenn keine weitere Gelegenheit dazu mehr vorhanden war, dieses 
auch bei dem ersteren auszuführen. Der todte Wal treibt an der Oberfläche des 
Wassers, und wurden solche von ihnen, die nicht harpunirt waren, durch ein- 
gepflanzte Fahnen weithin kenntlich gemacht. Meistens sind die Pottwale, die 
einer Herde angehören, kleinere Thiere, während die grofsen sich gern allein 
halten. Der größte Pottwal, den wir gefangen haben, und zwar in der Nähe 
der Bonin-Inseln, lieferte 90 Barrel Thran, darunter allein 14 Barrei Walrat, 
welches in flüssigem Zustande aus seinem Kopf geschöpft wurde. 
Ein Bowhead lieferte, wie schon oben angedeutet ist, annähernd durch- 
schnittlich 100 Barrel Thran und 1600 Pfund Barten. Die ersten Waler, welche 
nach dem Berings- und Polarmeer kamen, trafen dort Wale in ungeheuren Mengen 
und von außerordentlicher Gröfse an. Man erzählt sich, dafs sie nach Belieben 
die gröfsten als ihre Beute erkoren, unter denen sich solche befunden haben 
sollen, die an 300 Barrel 'Thran lieferten, 
Der gröfste von uns gefangene Bowhead lieferte 160 Barrel Thran und 
2500 Pfund Barten. Nach und nach wurden die Wale immer mehr aus dem 
offenen Polarmeer nördlich der Berings-Straße und den angrenzenden Gewässern 
verscheucht und zogen sich weiter nach Norden zurück, wohin die Waler (Segel- 
schiffe) ihnen nicht folgen konnten. Erst spät im Herbst, wenn sich junges Eis 
bildete, zogen die Wale wieder südwärts und veranlafsten so die Schiffe zu 
einem immer längeren Verbleiben im Polarmeere. Im Jahre 1860 verliefsen 
wir beispielsweise dasselbe Mitte September, im Jahre 1868 passirten wir am 
23, Oktober die Berings-Strafse. Die Schiffe kamen nordostwärts bis nach Point 
Barrow; die meisten hüteten sich aber, östlich von dieser Spitze zu gehen. 
Bei der Durchsegelung der Berings-Strafse im Herbst benutzte man die 
Amerikanische Seite, weil diese durch den starken nördlichen Strom daselbst 
länger eisfrei bleibt als die asiatische Seite, woselbst wenig Strom vorhanden ist. 
Das von mir geführte Schiff „Julian“ war das letzte, welches unter 
deutscher Flagge von Honolulu aus Verwendung für den Walfang fand. Im 
Dezember 1868 ist es an ein dortiges Handlungshaus verkauft worden und 
später, gleichzeitig mit vielen anderen Schiffen, südlich von Point Barrow durch 
das Bis auf den Strand geschoben und dort geblieben. 
Der Finnwal, der jetzt in so großer Anzahl an der Nordküste von Nor- 
wegen gefangen wird, wurde in der damaligen Zeit nur selten gejagt, theils weil 
seine Erlegung, da er sich nur sehr kurze Zeit an der Meeresoberfläche zeigt, 
fast ganz von einem Zufall abhing, theils auch, weil er im Vergleich zu den 
Pott- und Polarwalen einen geringen Werth hatte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.