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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Ein reicher Walfischfang im nördlichen Eismeer, 
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Ein reicher Walfischfang im nördlichen Eismeer. ) 
Vor einiger Zeit lief durch die Zeitungen die durch den Telegraphen aus 
San Franeisco gemeldete Kunde, der Walfischfänger „Mary D. Hume‘“ sei mit 
einem außerordentlich reichen Fange nach längerer Abwesenheit aus dem His- 
meer durch die Berings-Straße zurückgekehrt. Jetzt liegen uns ausführliche Nach- 
richten aus San Francisco vor, und diese bieten Interesse genug, um hier mit- 
getheilt zu werden. ; 
Die Jagd auf den Polarwal, wie sie seit Jahrhunderten von europäischen 
Häfen und zwar jetzt nur noch von Schottland aus betrieben wird, ist schon 
seit längerer Zeit dermaflsen unergiebig, dal ernstlich ein Aufgeben des ganzen 
Betriebes erwogen und eben jetzt durch vier Dampfer einer schottischen Gesell- 
schaft der Versuch gemacht wird, neue, noch nicht berührte Fischgründe in den 
antarktischen Gewässern auszubeuten. Etwas anders und günstiger stellen sich 
die Verhältnisse für den von San Francisco aus in dem durch die Berings-Strafse 
zugänglichen Theil des nördlichen Eismeeres betriebenen Walfang der Amerikaner. 
An Kühnheit und Unerschrockenheit, an Muth und Ausdauer sind die amerika- 
nischen Walfischfänger, die „Nomaden des Weltmeers‘‘, andern Nationen ent- 
schieden überlegen, und es gilt von ihnen wohl noch heute, was der poetische 
Whaleman’s song sagt: A storm beaten captain, free hearted and bold — And 
a score of brave fellows or two, — Inured to the hardships of hunger and cold, 
— A fearless and jolly good crew.“ 
Ende der 50er Jahre zählte man in den Vereinigten Staaten an 700 Fahr- 
zeuge, welche auf den Walfang in den verschiedenen Meeresgebieten ausgingen: 
da gab es neben der arktischen Fischerflotte eine Flotte für die Fischerei im 
Nord- und Süd-Atlantice, eine andere für den Indischen und eine solche für den 
Pacifischen Ocean. In den höheren Breiten wurden und werden die nur im 
kalten Wasser lebenden Bartenwale, in den niederen Breiten die Pott- oder 
Zahnwale gejagt. Im Jahre 1880 zählte man nur noch 170 Fahrzeuge, und jetzt 
wird ihre Zahl sich erheblich herabgemindert haben. In der Südsee (dem Paci- 
fischen oder Grofsen Ocean) waren die Sandwich-Inseln eine Art Mittelpunkt 
für den ganzen Betrieb; hierher kehrten die Flotten im Winter aus südlichen 
Breiten, im Herbst von der Sommerfischerei in der Ochotskbai und längs der 
Küsten Nordasiens und des arktischen Amerika mit ihrem Fange zurück, und von 
Honolulu aus wurden Thran und Barten nach Europa verschifft“). Zu Zeiten 
war hier der Schiffsverkehr ein gewaltiger. Als der Walfang mehr und mehr 
zurückging, wandte man sich auf den Sandwichinseln dem Plantagenbau zu, und 
der Hafen von San Francisco wurde nun der Sammelplatz der erheblich ver- 
kleinerten nordischen Fischerflotte, deren Betrieb unter Einstellung von Dampfern 
mit grofser Zähigkeit fortgeführt wurde, auch dann, als einmal, vor etwa zwanzig 
Jahren, fast der gesammten, aus einigen dreifsig Schiffen bestehenden Flotte 
durch Eispressungen die Rückkehr abgeschnitten wurde, wobei die Mannschaften 
glücklicherweise noch durch wenige, aufserhalb der verhängnifsvollen Eisbarriere 
gebliebene Fahrzeuge gerettet werden konnten. 
Im Laufe der Jahre sind die amerikanischen Walfischfänger immer kühner 
geworden und, soweit es die Eisverhältnisse nur irgend gestatten, in unbekannte 
Theile des Polarmeeres vorgedrungen. Aber die Geographie hat von diesen 
Reisen erst dann Nutzen gezogen, als eigentliche Forschungs- und Entdeckungs- 
reisen unternommen und später Hülfs- und Aufsuchungsexpeditionen ausgesandt 
wurden. Am amerikanischen Theil der durch die Berings-Strafse zugänglichen 
Fismeerküste errichteten die Vereinigten Staaten vor 10 Jahren auf der Öachen 
Sandspitze von Point Barrow für zwei Jahre eine der internationalen Beob- 
achtungsstationen. Bis’ hierher und nicht weiter östlich gingen früher die ame- 
rikanischen Walfänger, indem sie rechtzeitig, Ende September, ihren Rückweg 
südwärts durch die Beringstrafse nahmen; sie vermieden und vermeiden die sibi- 
ı) Aus der „Weser-Zeitung‘“ vom 29, Dez. 1892, mit einigen Kürzungen. 
3 Vel. den folgenden Aufsatz.
	        
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