Dinklage: Treibeis in südlichen Breiten.
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wurde auf der Fahrt nach Osten noch viel Eis passirt. Der letzte Berg wurde
am 19. Oktober, eben vor Mitternacht in 40,1° S-Br und 19,1° W-Lg gesichtet.‘“
Oktober 17. und 20. Das Schiff „Maghill“, von San Fıancisco nach
Queenstowp, passirte am 17. Oktober auf 49,1° S-Br und 38° W-Lg einen grofsen
Eisberg, welcher ungefähr 300 m lang und 45 m hoch war, und an demselben
Tage nachmittags einen zweiten Berg von 300 m Länge und 90 m Höhe. Am
20. Oktober, auf 40,7° S-Br und 33,7° W-Lg wurden abermals zwei Eisberge passirt.
Oktober 20. Die von Iquique in Falmouth angekommene deutsche Bark
„Concordia“ meldet: „Am 20. Oktober, auf 41,3° S-Br und 34,7° W-Lg bekamen
wir in SO eine kleine Insel in Sicht und hielten auf dieselbe ab, um festzustellen,
ob es wirklich eine Insel oder Eis sei. Auf 4 Sm herangekommen, überzeugten
wir uns, dafs es eine Insel war. (?’) Um 3* p an demselben Tage passirten wir
einen grofsen Eisberg von etwa 60 m Höhe.“
Auch aus dem östlichen Theile des Südatlantischen, sowie aus dem In-
dischen und dem Stillen Ocean sind in letzterer Zeit noch Berichte über das An-
treffen von Treibeis eingegangen.
Aus der Gegend südsüdwestlich vom Kap der Guten Hoffnung berichtet
Kapt. Schwarting vom Schiffe „H, Bischoff“, auf der Reise von Havre nach
Rangun: „Am 12. Dezember 1891 passirten wir von 4 bis 6 Uhr morgens, auf
45,1° S-Br und 12,5° O-Ly acht Eisberge, um 8 Uhr, auf 45,2° S-Br und 13,3° 0-Lg
einen Berg und von 9 bis 11 Uhr vormittags, auf ungefähr 45,2° S-Br und
13,9° O-Lg‘ noch‘ 11 grofse und viele kleine Eisberge und Schollen, Die Berge
waren von 30 bis 75m Höhe und 30m bis Yı Sm Länge. Sie erschienen an der
Sonnenseite schneeweifs, an der Schattenseite dunkel und boten in ihren schönen
Formen einen prachtvollen Anblick dar. Vom Mittag bis 8 Uhr abends, als wir
uns in 45,3° S-Br und 16,5° O0 Lg befanden, sichteten wir noch sieben grofse
Berge, also im Ganzen 27 große und ein Dutzend kleinerer Eisberge und viele
Eisschollen. Nach 8 Uhr abends wurde kein Eis mehr gesehen. Wir segelten
den Tag über bei einer steifen Briese aus NNW mit 12 Knoten Fahrt nach 0 */2S;
gegen Abend wurde der Wind etwas leichter und westlicher. Obschon wir öfters
zwischen Eisbergen hindurch gingen und diese mitunter nur 1 Sm entfernt
waren, so daß wir sie in nur !/4 Sm Abstand passirten, fanden wir in der Wasser-
temperatur keine Abnahme, und scheint mir deshalb die Beobachtung der Letzteren
keinen genügenden Anhalt zu bieten, daß man sich in der Nähe von Eis befindet.
Die Hauptsache ist scharfer Ausguck, Auch die von einigen Kapitänen behaup-
tete Anwesenheit von Eisvögeln wurde nicht beobachtet. Umgekehrt hatten wir
an den vorhergehenden Tagen sehr viele Vögel, darunter auch Eisvögel, bei uns,
während an dem Tage, als wir in der Nähe des Eises waren, auch nicht ein
Vogel gesehen wurde, Bei dickem Wetter kann diese Eistrift, da die einzelnen
Berge so nahe bei einander treiben, den Schiffen leicht gefährlich werden.“
Entgegen der Behauptung von Kapt. Schwarting, scheint nach seinem
meteorologischen Journal die Wassertemperatur doch nicht ganz unbeeinflufst
durch die Anwesenheit des Eises gewesen zu sein, Dieselbe betrug nämlich um
8 Uhr abends am 11. Dezember, als man sich noch etwa 80 Sm westlich von
dem Eise befand, 8,9°, fiel dann bis 4 Uhr morgens am 12. auf 7,6°, stieg vom
Mittag an wieder bis auf 9,7° um 4 Uhr nachmittags, um gegen 8 Uhr abends
abermals auf 7,3° zu fallen. Von Mitternacht an den folgenden Tag hindurch
hielt sie sich mit ganz geringen Schwankungen auf 7,6°,
Im Indischen Ocean passirte am 13. Februar 1892 das Schiff „Marianna“
auf 47,6° S-Br und 39,7° O-Lg zwei Eisberge von ungefähr 30 m Höhe.
Aus dem Stillen Ocean liegt folgender Bericht des Kapt. C. Friedrich-
sen von der Bark „Lina“ vor: „1892, Juni 13. mittags auf 54,9° S-Br und
147,6° W-Lg. Wind Nord 7, Wetter dick von Nebel. Gegen Mittag zeigte das
Wasserthermometer, das bis dahin über 3° gestanden hatte, ein beträchtliches
Sinken, indem es auf 1,9° und etwas später auf 1,8° fiel. Es mufste sicher Eis
in der Nähe sein, das jedoch des dichten Nebels halber nicht in Sicht kam. Um
6 Uhr abends begann die Temperatur zu steigen und betrug um 8 Uhr 4°, um
Mitternacht 6° und um 4 Uhr morgens am 14. Juni 7°. Wetter fortwährend
dick von Nebel, Wind NW 8. Nachdem um 8 Uhr morgens die Temperatur schon
wieder auf 3,9° gefallen war, kam um 9'/ Uhr plötzlich auf einer halben Schiffs-
länge Entfernung von uns ein 3 m im Quadrat haltender und ungefähr 17/2 m aus