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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1893.
am gefährlichsten; doch sieht auch das Schneeeis oder weiße Eis bei Nacht
dunkel aus, wenn nicht das Mondlicht darauf fällt. Jeder Eisberg, den wir in
der Nähe passirten — und dieselben zählten nach Hunderten — war unten von
dunkler Farbe. Diese Farbe kommt mehr und mehr zum Vorschein, sowie der
Berg durch Abbröckeln der oberen Theile leichter wird und sich höher hebt, ein
Beweis, dafs sie daher rührt, dafs das so gefärbte Eis unter Wasser gewesen
und auch wohl dort entstanden ist. Hinige Berge, welche umgestürzt waren,
waren an der einen Seite weils, an der anderen schwarz. Es sah mitunter aus,
als wäre der Berg ein gekentertes, weilsgemaltes, gekupfertes Schiff, welches mit
dem Kiel aus dem Wasser treibt.
„Am 5. Oktober 2 Uhr nachts waren wir in der Nähe eines KEisberges von
etwa 70m Höhe, Die Entfernung betrug ungefähr !/1ı Sm. Auf einmal stürzte
ein grofser Theil des Berges — von der Luvseite — mit grofßsem Getöse ein.
Der Berg erhielt plötzlich ein ganz anderes Aussehen; vor dem Einsturz war er
weifs, nach demselben schwarz oder dach dunkel. Wahrscheinlich war der Berg
an der Leeseite zu kopfschwer geworden und infolge dessen gekentert, und so war
der untere Theil des Berges nach oben gekommen; daher die Farbenveränderung.
Wie der Berg wieder ruhig lag, war die Höhe wieder nahezu dieselbe wie vor-
her, nur Gestalt und Färbung waren andere geworden. In der folgenden Nacht
hatten wir ein ähnliches Schauspiel, doch nicht in solcher Nähe. Sobald wir an
die Leeseite eines Eisberges kamen, wurde der Wind puffig. Dabei machte die
Größe des Berges nichts aus; selbst bei kleinen von 10 m Höhe war es der Fall.“
Oktober 8. Die Bark „Czar“, Christophersen, von Sydney nach Rotter-
dam, hat am 8. Oktober auf 43° S-Br und 32,7° W-Lg etwa 90m hohe und in
der Richtung Ost— West ungefähr 12 Sm sich erstreckende KEisberge passirt,
zwischen denen sich mehrere kleinere Eisinseln von dunklerer Farbe befanden.
Das Hindurchsegeln zwischen denselben schien zu gefährlich.
Oktober 14. bis 16. Bark „Selene“, Kapt. F. H. Israel, von Antofagasta
nach Falmouth:
„Oktober 14. um 1* p, auf 43,9° S-Br und 37,3° W-Lg sichteten einen Eis-
berg. Um 2230“ war derselbe quer ab, mit dem Fufse nahezu in der Kimm,
etwas aufserhalb derselben. Mafsen den Höhenwinkel des Berges zu 0° 52‘.')
Seine Länge betrug ungefähr das Dreifache. Derselbe war mit Schnee bedeckt
und hatte steile Wände; die Oberfläche war von Süd nach Nord geneigt, so dafs
er im Umrifs trapezförmig erschien. Wassertemperatur 7,8°, seit dem vorher-
gehenden Tage um 0,5° gesunken,
„Oktober 15. gegen Mittag, in 42,6° S-Br und 33,9° W-Lg erblickten zwei
Eisberge in Lee. Wind Nord 4, steuerten bei dem Winde auf B. B.-Halsen ost-
wärts. Im Laufe der Nachmittagswache passirten zahlreiche größere KEisberge
bis zu mindestens 45 m Höhe, alle in Lee von uns. Zählten zuletzt auf einmal 25
vom Deck aus. Von’ der Marsraa waren in Lee und voraus unzählige Eisberge in
Sicht. Um 4'*p wendeten, um vom Eise freizukommen. Um 6"p passirten eine
ostwärts steuernde Bark; gaben derselben Warnungssignale. Trotzdem wir so
viel Eis in der Nähe hatten, nahm die Temperatur des Wassers bei der Aunähe-
rung eher zu als ab; dieselbe betrug um Mittag 11,0°, um 1*p 11,3°, 2"°p 11,5°,
3bp 11,5°, 4»p 11,5°, 8p 9,9°. Um 10" 45“ p passirten in der Dunkelheit einen
a yln Eisberg, um 11% eine grofse Eisscholle, kaum 1,5 m über Wasser und nur
bis 7 m vom Schiffe entfernt; mußten abhalten.
„Oktober 16. um 10®*a passirten fünf größere Eisberge, weit in Lee, um
Mittag, in 41,1° S-Br und 34,8° W-Lg einen grofsen Berg zu luvwärts, nahebei.
Wind Nord, steife Briese, trübe, bedeckt, zeitweise Staubregen; bewegte See,
Wasserwärme 9,8°, Kurs N74°O0. Um 4*p ein Eisberg an B. B., um 4* 45“
ein sehr grofser Berg, ebenfalls an B, B.“
Oktober 16. bis 19. Kap. Routledge vom Schiffe „Regent Murray“
meldet aus Port Elizabeth: „Am 16. Oktober bei Tagesanbruch, auf 40,8° S-Br
und 28,9° W-Lg fanden wir uns rings von Eisbergen umgeben. Auch später
1) Nimmt man die Augeshöhe an Bord der „Selene‘“, wie wahrscheinlich ist, zu 5,5 m an,
so ergiebt sich eine Entfernung der Kimm von 8960 m und hieraus und aus dem Höhenwinkel die
Höhe des Eisberges zu 135 m.