Dinklage: Treibeis in südlichen Breiten.
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Juni 21. Kapt. Gerdes vom deutschen Schiffe „Smidt“, von Iquique in
Hamburg angekommen, meldet: „Am 21. Juni, auf 41,3° S-Br und 34,7° W-Lg
passirten wir ein Eisfeld oder vielmehr eine zusammenhängende Masse von Eis-
bergen von ganz beträchtlicher Höhe und Ausdehnung. Vom Topp aus war das
Eis zu verfolgen von der Peilung Süd durch Ost bis Nord. Die Nordspitze
assirten wir in ungefähr 3 Sm Abstand; dort trafen wir auf grobes schweres
Schollensie, Von hier aus verlief die Eismauer in nordöstlicher Richtung. Die
Länge derselben betrug wenigstens 40 Sm, wenn nicht noch mehr.“
Juni 28. und 29. Die von Talcahuano in Falmouth angekommene Bark
„Polynesian‘“ passirte am 28. und 29. Juni, von 44° S-Br und 38° W-Lg bis
41° S-Br und 35,4° W-Lg durch ungeheuere Massen von Eisbergen, Eisinseln und
Feldern von Scholleneis.
Juni 29. wurden von der deutschen Bark „Lina“, Kapt. C. Friedrichsen,
auf 56,6° S-Br und 68° W-Lg im Norden, ungefähr 12 Sm entfernt, 6 grofse Eis-
berge gesichtet. Dieselben trieben ungefähr mittewegs zwischen Diego Ramirez
und Kap Horn. Auf dem weiteren Wege durch den Atlantischen Ocean, wo das
Schiff sich ziemlich westlich hielt und 45° S-Br in 41° W-Lg und 40° S-Br in
37,3° W-Lg kreuzte, kam kein Eis mehr in Sicht.
Juli 1. bis 4. Die englische Bark „Gladys“, von Iquique in Hamburg an-
gekommen, war am 1. Juli, als man sich auf 43° S-Br und 34° W-Lg befand,
bei stürmischem Wetter vollständig von grofsen Eisbergen umgeben. Bis zum
4, Juli mußte Nacht für Nacht des Eises wegen beigedreht werden, Am letzt-
genannten Tage um 4 Uhr nachmittags, auf 39,5° S-Br und 31,8° W-Lg glaubte
man auf einem Eisberge Spuren von Menschen zu sehen; an der Nordwestseite
schien ein begangener Pfad an dem Berge hinaufzuführen, auch schien oben eine
Art Schutzdach errichtet zu sein. Ferner glaubte man fünf Leichen an verschie-
denen Stellen liegen zu sehen. Der Zustand des Wetters und die hereinbrechende
Dunkelheit gestatteten es leider nicht, genauere Nachforschungen anzustellen.
Juli 9, Das von Barry in Port Pirie, Süd-Australien, angekommene Schiff
„Amphitrite“ passirte am 9. Juli auf 39,3° S-Br und 30,3° W-Lg vier Eisberge,
von denen drei etwa 45m hoch waren und 1'/2 Sm Umfang hatten. Der vierte
ragte nur wenige Fuß aus dem Wasser und war insofern außerordentlich gefähr-
lich, als er sich recht im Kurse des Schiffes befand.
Juli 12. Kapt. Chr. Christensen vom Schiffe „J. C. Julius“ schreibt:
„Am 12. Juli, in 39,6° S-Br und 34° W-Lg erblickten wir gegen 1 Uhr nach-
inittags drei grofse Eisberge in NO, ungefähr 20 Sm entfernt. Um 3 Uhr sahen
wir noch zwei kleinere; bei jedem Berge trieb eine Menge kleinerer und gröfserer
ungefähr 3 m hoher Eisschollen. Zuerst sah das Eis schneeweifs aus. Als wir
in die Nähe desselben gekommen waren, kenterte ein Berg, so dafs die untere
Seite nach oben kam, und brach dabei in Stücke. Das Eis, welches vordem
ınter Wasser gewesen, war dunkelgrün von. Farbe.‘ Das Wasserthermometer
zeigte bei der Annäherung an das Eis wenig Aenderung, hatte vielmehr 2 Sm
West vom Eise noch einen 2° höheren Stand als am Mittage. Dagegen wurde
in unmittelbarer Nähe, WSW von einer grofsen Eisscholle dieselbe Temperatur
wie am Mittage — 10,3° — gemessen. Der Wind war zur Zeit ESE 6.“
Bemerkung. „J. C. Julius“ überschritt an dem Tage, als er das Eis
sichtete, die zweite der Linien plötzlicher Temperaturzunahme, welche auf dem
Segelwege von Kap Horn nach der Linie gewöhnlich angetroffen werden und
von denen die erste ungefähr mit dem Parallel von 49° S-Br, die zweite mit
dem von 40° S-Br zusammenfällt.!) Das Eis war in diesem Falle schon über die
Grenze hinaus in das wärmere Wasser, das in seiner Umgebung eine Oberflächen-
temperatur von 12,5° hatte, gerathen. Am Mittage, eine Stunde bevor das Eis
in Sicht kam, betrug die Wasserwärme, wie schon gesagt, noch 10,3°; am näch-
sten Mittage, in 37,2° S-Br und 31,9° W-Lg war sie auf 14° gestiegen.
Juli 13. Ein von Melbourne in Falmouth angekommenes Schiff berichtet,
am 13. Juli auf 51° S-Br und 45° W-Lg mehrere Eisberge und dann, nordöstlich
weitersegelnd, täglich Eis angetroffen zu haben, bis es auf 42° S-Br und 30° W-Lg
in eine Unmenge von Eisbergen und Feldern von Eisstücken gerieth. Einmal
SE
}) Siehe „Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean“ S. 31, 32 und 529.