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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1893. 
Eises. Um 5 Uhr nachmittags machten wir kleine Segel und steuerten nach 
NO0zO, wo die einzige Durchfahrt war, die man von oben entdecken konnte. Um 
10/2 Uhr abends wurde es gefährlich, die Fahrt fortzusetzen, da das Schiff von 
grofßsen Bergen umgeben war und in Lee sich eine undurchdringliche Barriere 
ausdehnte. Ueberall trieben große Stücke zerbrochenes Eis von dunkler Farbe, 
die in der Nacht nur schwer zu erkennen waren. Wir halsten deshalb und 
steuerten bis 3!/2 Uhr morgens am 12. Juni westwärts, worauf wir das Schiff 
wieder auf ONO-Kurs legten. Das Wetter war böig mit Schneeschauern, Bei 
Tagesanbruch fanden wir uns rund herum eingeschlossen und in einer sehr ge- 
fährlichen Lage; die Hauptmasse des Eises dehnte sich von NO durch NW nach 
SW aus; nach Osten hin machte die Barriere einen tiefen Halbkreis. Wir halsten 
wieder und setzten alle Segel. Glücklicherweise sprang der Wind zur selben 
Zeit nach Osten um, so dafs wir offenes Wasser erreichen konnten, sonst würde 
es dem Schiffe schlecht ergangen sein. Von Süden lief eine hohe See, welche 
sich mit grofser Gewalt an den Eisbergen brach, so dafs der Schaum bis zu 
grofser Höhe emporspritzte. Das Schiff konnte nur durch das Umspringen des 
Windes freikommen, da es nicht kreuzen konnte, ohne mit den Eisbergen zu- 
sammenzustofsen. Um 8'/a Uhr morgens war vom Masttopp noch kein Ende ab- 
zusehen und keine Durchfahrt nach Östen zu entdecken, wo die unzähligen Berge 
eine 50 Sm lange Mauer bildeten. Wir hielten nach SW ab, wo das Wasser 
verhältnifsmälsig frei von zerbrochenem Eis war, und passirten Juvwärts oder in 
Lee von den Eisbergen, je nachdem der Wind dies gestattete, Um 3'/2 Uhr 
nachmittags erreichten wir, nachdem wir 45 Sm gesegelt waren, das Südwestende 
der Eisbarriere, die sich, von oben gesehen, nordwestwärts bis über den Gesichts- 
kreis hinaus ausdehnte. Sie sah aus wie eine große vulkanische Insel. Am 
13. Juni um 2'/ Uhr morgens passirten wir noch einen grofsen Kisberg, der 
18 Sm weit in Sicht blieb; bei Tagesanbruch war kein Eis mehr zu erblicken. 
Steuerten dann Nord, wobei die Wassertemperatur rasch in die Höhe ging.“ 
Juni 11. auf 43,8° S-Br und 38,0° W-Lg passirte die Bark „J. W. Bur- 
meister“ einen sehr grofsen Eisberg. 
Juni 11. von 44,2° S-Br und 31,4° W-Lg bis 43,4° S-Br und 30,5° W-Lg viele 
große und kleinere Eisberge und Eisstücke. Bark „Pestalozzi“, Kapt. J. E. Jensen, 
Juni 13. und 20. bis 24. Das von Iquique in Falmouth angekommene 
Schiff „Lady Palmerston“ passirte am 13. Juni südöstlich von den Falkland-Inseln 
zwei Eisberge, von denen der eine sehr grofs und ungefähr 2 Sm lang war. Vom 
20. bis zum 24. Juni, bei 43° S-Br und 33° W-Lg segelte das Schiff durch eine 
ungeheuere Anzahl von Eisbergen. Die Trift erstreckte sich in der Richtung 
SW—NO auf eine Entfernung von 240 Sm. 
Juni 16. auf 44,5° S-Br und 38,0° W-Lg passirte die Bark „Clan Grant“ 
mehrere sehr grofse Berge. Am nächsten Tage wurde ein grofses Eisfeld durch- 
segelt und am 19. Juni ein weiterer grofser Berg passirt. 
Juni 17. bis 19. Kapt. Nickels vom Schiffe „Stanmore“ berichtet: „Am 
17. Juni, in ungefähr 45,5° S-Br und 30° W-Lg passirten wir gegen Mittag drei 
große Eisberge. Das Wetter war zur Zeit dick von Nebel. Als es am nächsten 
Tage gegen 4 Uhr nachmittags aufklarte, fanden wir uns rund herum von Eis 
umgeben, was die Fahrt, namentlich zur Nachtzeit, sehr gefährlich machte, zumal 
da ein schwerer Nordweststurm wehte. Manchmal kam das Schiff nur wenige 
Meter vom Eise frei, das in so grofsen Mengen umhertrieb, dafs es uns fast 
gänzlich den Weg verlegte. Glücklicherweise erlitt das Schiff keinen weiteren 
Schaden, als dafs ihm einige Boote zertrümmert wurden. Innerhalb 24 Stunden 
wurden nicht weniger als 60 grofse Eisberge gesichtet, von denen einige bis 
5 Sm: lang waren. Einige grofse Eisstücke trieben zwischen Wind und Wasser 
und waren nur an der darauf entstehenden Brandung zu erkennen.“ 
Juni 18. passirte das deutsche Schiff „Roland“, Jülicher, von San Fran- 
cisco in London angekommen, zwischen 42° S-Br und 34,9° W-Lg und 41,6 S-Br 
und 34,3° W-Lg über 100 große Eisberge, von denen einige 2 bis 3 Sm lang 
waren. Nach Ansicht des Kapitäns treibt das Eis der Route der nach Ostindien 
und Australien gehenden Schiffe zu. 
Juni 20. auf 45° S-Br und 38° W-Lg ein Eisberg, den man anfänglich für 
eine Insel hielt, da er stark geschwärzt erschien und anscheinend mit Erde und 
Steinen bedeckt war. Bericht der Bark „Parsee“.
	        
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