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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Dinklage: Treibeis in südlichen. Breiten, 
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fährdet sind die Schiffe, welche von der Ostküste Südamerikas nach Südafrika, 
Indien oder Australien gehen, eine Reise, die in der letzten Zeit oft gemacht 
worden ist, denn deren Route führt recht durch das Eisgebiet hindurch, und sie 
sollten deshalb östlich von 35° W-Lg in der Navigirung die gröfste Vorsicht 
anwenden. 
Die grofse Eistrift im Südatlantischen Ocean ist vielleicht das hervor- 
ragendste Naturereignifs des Jahres 1892, jedenfalls in seiner Art ein Vorkommen, 
wie es in den Annalen der Schiffahrt bisher wohl noch nicht berichtet worden 
ist. Wir haben es deshalb für angezeigt erachtet, alle Berichte über das Antreffen 
von Eis, welche uns durch die meteorologischen Journale, briefliche Mittheilun- 
gen der Schiffsführer und die Zeitungen zugegangen sind und zur Klarlegung der 
Vorgänge dienen können, an dieser Stelle wiederzugeben. 
1892. April22, Kapt. J. Lilienthal von der Bark „Nautilus“ berichtet: 
„Am 22. April um 2 Uhr morgens, auf 46,1° S-Br und 35,7° W-Lg sahen wir drei 
große Eisberge, einen dwars in Lee, eine Kabellänge entfernt, von 45 bis 60 m 
Höhe, einen dwars zu luvwärts von geringerer Höhe und einen recht voraus von 
derselben Höhe wie der erste. So viel man sehen konnte, waren alle 120 bis 
150 m lang und breit. Wind NNE 5; wendeten nach NW. Um 3 Uhr kam ein 
vierter Berg im Norden, etwa 1 Sm entfernt, in Sicht, auch von bedeutender 
Höhe und großem Umfang. Um 4 Uhr sprang der Wind mit einer Regenböe 
auf NW; halsten wieder und steuerten NNO. Bei Tagesanbruch sahen wir eine 
große Menge Berge und zwischen NO und SO eine kompakte Eismasse von 30 
bis 60 m Höhe. Um 11 Uhr war vor uns von NW bis SO Alles voll von Eis- 
bergen; waren wieder gezwungen zu halsen. Wind WNW 6, heftige Böen. Ich 
glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, dafs einige Berge eine Höhe 
von 90m erreichten, denn wir sahen sie noch auf 25 Sm Entfernung. Nachdem 
wir 50 Sm nach SW gesegelt waren, war Abends bei Dunkelwerden alles Eis 
ans Sicht.“ Die Wassertemperatur, die Tags vorher, auf 47° S-Br und 37,5° W-Lg 
11,2° C betragen hatte, fiel bei der Annäherung an das Eis und erreichte gegen 
Mittag, als man demselben am nächsten stand, 9,4°. 
April 25, Nachdem man am 28. und 24. kein Eis gesehen hatte, kamen 
am 25. April bei Tagesanbruch, auf 44,1° S-Br und 35,9° W-Lg wieder viele 
Berge von bedeutender Höhe und Länge in Sicht, alle in Lee. Wind NW 4, 
Kurs NNO'2O0. „Mittags, auf 43,7° S-Br und 35,5° W-Lg sahen noch 10 grofse 
Eisberge. Um 2 Uhr nachmittags war voraus rundum, soweit man von der 
Oberbramraa sehen konnte, wieder Alles voll von Eisbergen. Wind NNW 4; 
wendeten nach West. Bei Dunkelwerden sahen wir noch drei grofse Eisberge 
im Osten.“ 
Die Wassertemperatur betrug: am 28. April in 47,2° S-Br und 36,6° W-Lg 
10,2° bis 11,7°, am 24. in 46,1° S-Br und 36,4° W-Lg 10,0° bis 10,9°, am 25,, 
als von Neuem das Eis in Sicht kam, 10,7° bis 9,2°. 
Juni 10. Kapt. Randall vom Schiffe „Eden Holme‘“ meldet: „Am 10. Juni 
um 6'/ Uhr morgens, auf 44,6° S-Br und 37° W-Lg sahen wir eine Anzahl Eis- 
berge, von denen einige volle 60 und andere 10 bis 12 m hoch waren. Das Schiff 
war rund herum von kleinen zerbrochenen Eisstücken umgeben, Unser Kurs 
führte direkt auf die Eisberge zu, welche von NWzW durch Nord bis ONO 
peilten und sich in nordöstlicher Richtung in Form eines Halbmondes ausdehnten. 
Da wir vom Topp aus das Ende des Eises nicht absehen, auch keine Oeftnung 
in demselben finden konnten, so halsten wir und steuerten südwestwärts. Ks 
wehte zur Zeit ein schwerer Sturm aus NW, mit sehr hohem Seegange. Kin 
Eisberg, den wir in einer halben Seemeile Entfernung an seiner Leeseite passirten, 
war umgestürzt und hatte eine dunkelgrüne Farbe mit braunen und dunkelrothen 
Flecken. Die See brach sich schwer daran. ‚Als der Wind am nächsten Morgen 
nach SW umging, halsten wir nordwärts, worauf kein Eis mehr gesehen wurde.“ 
Juni 11. bis 13. Kapt. Fish vom englischen Schiffe „North“, von Astoria 
nach Sligo: „Am 11. Juni um 7 Uhr morgens ging der Wind, der vorher frisch 
aus NW geweht hatte, auf SW, und das Wetter, vorher dick und regnerisch, 
wurde klar. Sahen zwei Eisberge in der Nähe und eine grofse Menge derselben 
voraus in weiterer Ferne. Um Mittag, auf 44,4° S-Br und 36,9° W-Lg segelten 
wir an einer Barriere hin; die aus Eisbergen von jeder Gröfse und Gestalt und 
von 6 bis 60m Höhe bestand, und trafen häufig grofse Massen zerbrochenen
	        
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