312 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1893.
auftretender Stärke, am 17. und 18. über den Britischen Inseln, Mit dem Vor-
drängen des hohen Drucks im Westen und Nordwesten wanderte die Zone der
an Stärke nachlassenden und nach Nordost drehenden stürmischen Winde langsam
ostwärts, während das Minimum zunächst nach Centraleuropa gedrängt wurde,
An der deutschen Küste setzte der Nordoststurm am späten Abend des 19. ein,
wehte am 20. an der ganzen Küste mit der Stärke 8 bis 10.
Am Morgen des 21. beherrschte das Maximum ganz Westeuropa, an der
mittleren Ostsee war das Wetter vielfach heiter und lagen die Temperaturen am
Morgen an der Küste meist wieder unter der Normalen. Bald verlagerte das
Maximum jedoch seinen im Westen liegenden Kern südwärts, so dafs sich
die zu Anfang des Monats beobachtete Wetterlage wieder ausbildete. Ueber
Südeuropa erhielt sich hoher Luftdruck, mit seinem Kern westwärts vom Kanal
gelegen, und von dort nach Centraleuropa vorbuchtend, in stetem Kampf mit
den im nordeuropäischen Depressionsgebiet vorüberziehenden Minima, bald
zurückweichend, bald mächtig vorbuchtend. Hierdurch gestaltete sich die
Witterung der letzten Dekade sehr veränderlich, regnerisch und unruhig. Am
29. bis 23. wanderte ein die Küste zeitweise beherrschendes tiefes Minimum
durch Nordskandinavien nach Finnland, am 24. bis 26. ein tiefes Minimum
durch Mittelskandinavien nach dem Riga’schen Busen, am 25. bis 27. ein tiefes
Minimum von Schottland über Jütland und südliche Ostsee nach Westrussland,
am 28. ein tiefes Minimum über Lappland nach dem Riga’schen Busen und
endlich lagerte am 29. und 30. ein tiefes Minimum über dem Gebiet des Bott-
nischen Busens, während gleichzeitig in diesen letzten Tagen hoher Luftdruck
ganz Südeuropa beherrschte. Stürmische Winde wehten längs der Küste ver-
einzelt am %2. aus West bis SW, Stärke 8, an der mittleren und östlichen
Ostsee am 25., aus West bis SW, Stärke 8 bis 9, sowie am 27. aus NE bis Ost,
Stärke 8, und 28. bis 30. aus SW bis West, Stärke 8 bis 9; auch an den übrigen
Küstentheilen traten während der letzten Tage vereinzelt stürmische westliche
Winde von der Stärke 8 auf. Die Morgentemperaturen der letzten Dekade er-
fuhrem grofßse und zum Theil beträchtliche Schwankungen, leichtes Frostwetter
wechselte mehrfach ab mit Thauwetter; an den letzten Tagen erzeugte‘ die
kräftige Zufuhr oceanischer Luft besonders hohe, um 5 bis 9° über der Normale
liegende Morgentemperaturen.
In den Monatswerthen lag der Luftdruck im Westen etwas über dem
normalen, im Osten erheblich darunter, die Temperatur am Morgen wenig unter
den normalen Werthen, mit Ausnahme des äufsersten Ostens, während die Nieder-
schläge im November durchweg zu grofßse Werthe erreichten, Von den Wind-
richtungen wurden SW bis WSW und auf einigen Stationen bis WNW am
häufigsten beobachtet. In Wilhelmshaven, Keitum, Kiel und Wustrow traten auch
Nordostwinde relativ häufig auf.
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