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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Die schweren Stürme in Westeuropa zwischen dem 16, und 20. November 1893. 505 
In Warnemünde stieg das Wasser 1m, in Kiel mehr als 2 m über den 
Normalstand, auch in Rostock, Flensburg u. s. w. wurden die niederen Stadt- 
theile überschwemmt, 
Für Diejenigen, welche sich für den oft behaupteten Einflufs des Mondes 
auf die grofsen Katastrophen in der Erdatmosphäre interessiren, möge noch 
bemerkt sein, dafs die Sturmperiode vom 16. bis 20. November in keine „Kritische 
Zeit“ fällt, denn Neumond war am 8., Vollmond am 23. und Erdnähe des Mondes 
am 24. November; der 16. war also fast der am wenigsten „kritische“ Tag, den 
es geben kann, W. Köppen. 
Die Stromverhältnisse in der Strafse von Messina, 
Die 1881 veröffentlichte und zuletzt im Mai 1892 korrigirte italienische 
Karte No. 47 des nördlichen Theils der Straße von Messina bringt unter 
„Bemerkungen“ officielle Daten und Erläuterungen über die Strömungen in der 
Strafe, welche mit den Angaben des in diesen Annalen, XIX Jahrg. (1891) 
Heft VIII, zur Veröffentlichung gelangten Berichtes des Königlichen Wasserbau- 
Inspektors Keller in Rom „Scylla und Charybdis“ in wesentlichen Punkten 
nicht übereinstimmen, 
Wir beschränken uns darauf, nachstehend eine möglichst wortgetreue 
Uebersetzung jener „Bemerkungen“ zu geben. 
Die Strömungen in der Strafe von Messina können als wahre Gezeiten- 
Strömungen erachtet werden, Nach Norden strömt, von der Fluth erzeugt, 
die bedeutendste Stromversetzung, während die von der Ebbe verursachte nach 
Süden geht. Es wechseln dieselben an Stärke und manchmal auch an Richtung, 
je nach den Jahreszeiten und dem herrschenden Winde. 
Wenn der Mond noch ungefähr 4 Stunden östlich von seinem Durchgange 
Jurch den Meridian von Faro entfernt ist, beginnt der Ebbestrom sich bei Punta 
Peloro bemerkbar zu machen, schlägt alsdann die Richtung gegen Punta Pezzo 
ein und gelangt 2 Stunden später zum. Fanale di S. Ranieri, von wo aus er 
sich nach Punta di Reggio wendet, sich nach Streifung der kalabrischen Küste 
bis Torre Lupo gegen die sizilianische Küste neigt und, merklich an Kraft ver- 
lierend, sich ausbreitet. Zur Zeit, wo der Mond den Meridian passirt, herrscht 
Ebbe- im ganzen Kanal. 
Bei Punta del Pezzo tritt 2 Stunden nach dem Durchgange des Mondes 
durch den Meridian die Fluthströmung ein, während im südlichen Theile der 
Meerenge noch die ablaufende Strömung herrscht. 
Bei Punta S. Ranieri setzt der Fluthstrom 2 Stunden nach seinem 
Erscheinen bei Punta Pezzo ein und ist 4 Stunden nach seinem Entstehen 
auf dem Kanale vollkommen herrschend. Beim Verlassen der Meerenge 
Srömt er die kalabrische Küste entlang über Scilla und Bagnara dem offenen 
eere zu. 
Es ist zu bemerken, dafs der Wechsel der Tiden nicht in regelrechter 
Weise vor sich geht und daß die oben angeführten Stunden nur als Durch- 
schnittswerthe des Wechsels gelten können. 
In den Tagen der Sizygien zeigen sich die stärksten Strömungen, in den 
Quadraturen die schwächsten. Die gröfste Geschwindigkeit, die beobachtet 
wurde, war 5 Sm in der Stunde. 
Neben der Hauptströmung, ungefähr 1 Stunde nach ihrem Durchkommen, 
entstehen Gegenströmungen, gewöhnlich Bastardi genannt. Diese für die 
Navigirung der Straße äufserst nützlichen Bastardi beginnen sehr nahe dem 
Lande und breiten sich, je nachdem die Hauptströmung an Kraft verliert, bis 
zu 1km aus. Sie sind schwach, wenn Ebbe und Fluth schwach sind, stark, wenn 
die Hauptströmungen rasch sind. 
Die vorzüglichsten Bastardi oder Gegenströmungen, welche während der 
Ebbe nach Norden gerichtet sind, sind an der Küste von Sizilien beständig 
zwischen: Torre di Faro und Capo Peloro, zwischen Grotte und der Fiumara di 
Ann. d. Hydr, ete., 1898, Heft XII.
	        
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