500 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1893,
mehr Metern Seehöhe. Denn die Ueberspringung des kalten Kontinents durch
den Ort niedersten Luftdrucks, wie wir sie weiter unten sehen werden, würde
wohl in etwas gröfseren Höhen, wo die Druckerhöhung durch die Dichte der
untersten Luftschicht wegfällt oder sich ins Gegentheil verkehrt, nicht mehr
anzutreffen sein.
Auf demselben Kärtchen findet man auch die Bahnen der im vorher-
gehenden Artikel besprochenen Orkancentren des Augusts dieses Jahres ein-
getragen. Einer Erklärung bedarf dasselbe nicht, nur ist zu bemerken, dal die
beiden Kreuze südlich der Azoren die Orte der Schiffsunfälle der „Susanne Boulet“
und des „St. Monan“ angeben.
Aus dem September d. J. ist vom Atlantischen Ocean kein tropischer
Orkan bekannt geworden, vom Oktober zwei, deren erster am 2, Oktober die
Mississippi-Mündung heimsuchte und durch eine kolossale Ueberschwemmung den
Verlust von gegen 2200 Menschenleben und etwa 5 Mill. Dollars an Eigenthum
mit sich brachte — angeblich das gröfste derartige Unglück in der Geschichte
Louisianas. Der zweite verfolgte eine Bahn, die derjenigen des Orkans vom
27. bis 28. August nahekommt, erreichte am 13. Oktober die Küste nordöstlich
von Charleston und brachte am 14. viele Schiffbrüche auf den großen Seen
zu wege.
Am 16. November wurden schon im Laufe des Vormittags an der bri-
tischen und am Abend auch an der deutschen Küste, ostwärts bis nach Vor-
pommern hin, die Sturmsignale gehifst. Erstere Warnung bewahrheitete sich nur
zu bald in furchtbarer Weise; die deutsche Küste dagegen blieb durch die eigen-
thümliche Bewegung und Umformung der Depression zunächst noch von schwerem
Sturm verschont, doch frischte auch hier der am Morgen zum Theil noch leichte
Ostwind im Laufe des Vormittags am 17. zu erheblicher Stärke auf, wie die fol-
gende Uebersicht der sechsstündigen Mittel der Windgeschwindigkeit, in Metern
pro Sekunde, vor und nach der um 9 Uhr abends am 16. gegebenen Warnung
zeigt, welche zugleich den Gang dieses Phänomens uns vorführt.
Sturmwarnung vom Donnerstag, den 16, November 1893, 9bp, am 17., 4hp verlängert.
Vorher Nach der Warnung, Stunden
VBA rn Euren rm ner wur rem Ms) cp VW
6Std. 0—6 6—12 = 18—24 24—30 30—36 3642 42—48 48—54 a rhwindigkeit
/ JE N
zeit: JUL 1 I ps Zeit2) Richt.
3hp I9hp 3ba Obha 3hp 9bp 3ha ha 3hp 9bp 3ha
Borkum 9,8 3 140 188 15,9 189 111 13:3 90 68 43 199 9 SE
Wilhelmshav. 6,6 8,55 116 138 11,1 8,6 7,6 63 3,8 28 143 13 SSE
Keitum 17] 34 50 82 71 68 51 55 58 87 94 15 WSW
Hamburg 53 | 62 94 129 100 81 64 783 25 15 144 12 SE
Kiel 3,0 | 61 87 136 124 96 7,7 52 46 36 148 ‘13 SE
Wustrow 2,6 36 71 108 10,3 101 8,8 5,0 4,4 15 127 21 SSE
Um 4 Uhr nachmittags am 17. wurde auch der Rest der deutschen Küste,
die Strecke von Swinemünde bis Memel, gewarnt; doch blieb der Wind dort bis
zum Sonntag Abend schwach oder mäßig.
Vorher Nach der Warnung, Stunden
“ 9er 0d 94.80 a0. a6 Max. der Wind-
6Std, "0—6 6—12 12—18 18—24 24—30 30—36 geschwindigkeit
OWEN EEE
WE 8 19/1 mp8s Zeit Richt.
10ha 4bp 10bp 4b8a 10hg 4hbp 10hp 4ba
Swinemünde 10,6 | 10,5 10,2 9,8 6,1 3,0 2,1 116 2 SE
Memel 5,8 6,8 72 7,0 6,5 5,2 3,4 8,0 7 SE
Das Wirbelcentrum wanderte an diesen beiden Tagen zunächst mit einer
Geschwindigkeit von etwa 24 Sm in der Stunde nach NNO und lag um 8 Uhr
morgens am 17. westlich von Edinburg mit einem Barometerstand unter 726 mm.
Diese Richtung hielt die Fortpflanzung des Centrums auch bis zum Abend des
Zalt:
1) Diese Zahlen geben an, wie viel Stunden nach Ausgabe der Warnung bis zur Erreichung
des Maximums der Windgeschwindigkeit verstrichen.