Die -Orkane auf dem Nordatlantischen Ocean vom 20, bis 29. August 1893. 497
doch werden leider keine genaueren Angaben angeführt, und aus den Beobachtungen
deutscher Schiffe ist keine Bestätigung für diese Nachricht zu entnehmen; eine
solche wäre um so wünschenswerther, als bis jetzt noch kein Wirbelcentrum
mit voller Sicherheit‘ von den Kapverden nach Westindien hinüber hat verfolgt
werden können. Die früheste uns bekannte Beobachtung, welche sich mit Sicher-
heit auf diesen Wirbel beziehen läßt, ist die des deutschen Dampfers „Australia“.
Dieser hatte nordöstlich von St. Thomas am 23. August schon seit 1 Uhr früh
böigen Wind aus Nord, linksdrehend mit langsam fallendem Barometer (Aneroid,
Angaben unsicher); um 8 a in 19,4° N-Br, 64,0° W-Lg Wind NNW 5, Dünung
NW 6; um 1* p Wind westlich, Böen an Stäke zunehmend; 5* p Wind WSW 1;
38h p in 20,6° N-Br, 62,7° W-Lg Wind SW 10, Dünung Süd 6; seit 7*p ununter-
brochener mäfsiger Regen; 11* nachts Wind Süd 10 bis 11. Seit Mitternacht
Barometer steigend, hohe durcheinanderlaufende See; ebenso am Morgen des 24.
ın 21,9° N-Br, 61,3° W-Lg (vgl. die Karte) mit Wind SSE 8; Abends SE 6,
schönes Wetter, ;
An demselben Morgen des 24. zeigt uns die Karte die britische Bark
„Ancyra“ und den amerikanischen Schoner „Henry Lippitt‘“ in vollem Orkan;
auf dem letzteren ist in 21,5° N-Br, 62° W-Lg der Wind aus Nord nach NW
und Westen umgelaufen, während der Schoner vor Top und Takel lenzte, um den
SW-Quadrant der Cyklone zu erreichen.
Am 25. August sehen wir den Wirbelsturm bis nördlich von Haiti fort-
geschritten. Während der Nacht ist das Centrum dicht beim amerikanischen
Schoner „Roger Moore“ in 22,7° N-Br, 66,5° W-Lg vorbeigegangen. Dieses
Schiff hatte nacheinander NE, Windstille und SW 12; der tiefste Barometerstand
war 726,5 mm. Um Greenw. Mittag sehen wir I. Br. M. S. „Tartar‘“ auf der
Westseite des Centrums in einem Orkan aus Nord. Am Abend war der „Tartar“
auf der Bahn des Centrums, entging . diesem aber durch Südwestwärts-Laufen.
Dabei raste der Sturm mit fürchterlicher Wuth, warf das Schiff auf die Seite,
dafs die Raanocken das Wasser berührten, und schlug drei Boote weg. Die
allgemeine Situation auf dem Ocean (bis nach Deutschland hinüber) zeigt unser
Kärtchen auf S, 491. Das Gebiet hohen Druckes bei den Bermuden wurde am
24, bis 25. von drei Depressionen im Sinne des Uhrzeigers umkreist: im SW
dieser Orkan, im Norden die Reste der beiden vorhergehenden,
Am 26. lag das Centrum, wie die Bahn zeigt, etwa 100 Sm nordöstlich
der Insel Nassau, wo NW 7 bei einem Barometerstand von 751 mm aufgezeichnet
wurde. Auf den Bahamas strandeten zahlreiche Schiffe. Der norwegische Dampfer
„Jamaika“ hatte in 28,9° N-Br, 74,2° W-Lg den Wind Ost 11. Von der Ostküste
von Florida wird schwere Brandung und Regen berichtet. Das Gebiet hohen
Druckes erstreckte sich an diesem Tage von den Bermuden zu den grofsen Seen
und verhinderte den Wirbel, sich nordwärts zu wenden. .
Am 27, August sind die Gradienten um das Wirbelcentrum sehr steil,
doch berichtet von den Küstenstationen nur Titusville steifen Wind. Der ameri-
kanische Dampfer „Saratoga“ ist in nächster Nähe des Centrums und berichtet
vollen Orkan während 10 Stunden. Mangel an Seeraum gestattet ihm nicht, sich
vom Centrum freizulaufen; er verwendet mit Vortheil Oel zur Vermeidung von
Brechseen; das Barometer erreicht um Mittag seinen tiefsten Stand, 726,5 mm.
Die Sturmwoge berührt die ganze Küste südlich von Hatteras und setzt in der
Umgegend von Charleston und Savannah viele niedrig gelegene Landschaften
unter: Wasser.
‚Am 28. lag das: Sturmcentrum bei Augusta, Ga, wo das Barometer
735,6 mm zeigte. Während der Nacht hat es die Küste zwischen Savannah, Ga,
und Beaufort, S. C., erreicht. Um 6" a Greenw. Zeit zeigte das Barometer in
Savannah 718,6 mm; der Wind ging hier von NE durch Nord nach SW und wuchs
bis zur Stärke 10 an. Sturm und Ueberschwemmung haben hier und besonders
bei Beaufort ungeheuren Schaden und einen. Menschenverlust verursacht, der auf
1200 Todte geschätzt wird. -
Die Annäherung, seit dem 27,, der Depression im NW hat zusammen mit
dem Hochdruckgebiet auf dem Ocean den Wirbel nach Nord und NO abgelenkt.
Am 30. verschwindet er an der Mündung des St; Lorenz-Stromes aus Sicht. ‘
Ann. d. Hyädr. etc., 1893, Heft XH.