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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Neumayer: Magnetische Aufnahmen im nördlichen Deutschland, 1873—1892, 479 
Beobachtungsplatz. Notizen über die Lage der Station mit einer 
kleinen Skizze zur leichteren Ermöglichung eines späteren Wiederauffindens des 
Beobachtungsplatzes finden sich in den Beobachtungstagebüchern. Die Gefahr, 
dafs’ diese ausgewählten Plätze durch Bebauung so bald unbrauchbar werden, 
dürfte ziemlich vermieden sein, da schon aus diesem Grunde, und ferner, um 
auch den Thurm des Ortes selbst als Mire sicher mit verwenden zu können, 
stets in die weitere Umgebung hinausgegangen wurde. Da die Station an der 
Hand der Generalstabskarte ausgewählt wurde, so kann dieselbe sicher be- 
schrieben und in ihrer Lage auf Bogensekunden genau angegeben werden. Eben 
dort, in den Journalen, finden sich auch Angaben über die nähere Umgebung 
und über die Bodenverhältnisse. Wo es anging, ist das Instrument auf Angern, 
Weideplätzen oder auf Feldwegen aufgestellt gewesen. 
Beobachtungszeit. Beobachtet ist meist in den frühen Vormittags- 
bezw. in den späten Nachmittagsstunden, während die Mittags- und Abendzeit 
zum Weiterreisen benutzt wurde. Oefter freilich hat die Schwierigkeit, einen 
Arbeiter zu erhalten, oder auch die Trägheit derselben eine Verschiebung ein- 
treten lassen, doch fallen in die eigentliche Mittagszeit nur vereinzelte Beob- 
achtungen und nur solche an kühlen Tagen, 
= Reisewetter. Das Wetter war auf der Reise im Jahre 1889 insofern 
sehr günstig, als vielfach der Himmel klar war und so die Möglichkeit von 
Sonnenpeilungen sehr begünstigte. Freilich war mit diesem Wetter. auch durch- 
weg eine ziemlich hohe Temperatur verknüpft. 
Im April 1890 herrschte im Allgemeinen bedecktes Wetter, doch war es 
im Osten noch so empfindlich kalt, dafs die Finger bisweilen den normalen Dienst 
versagten. 
Im Juni 1891 war, besonders in den ersten 14 Tagen, vortreffliches Beob- 
achtungswetter zu verzeichnen, bedeckter Himmel mit mäfsiger Temperatur und 
trocken, abends öfter aufklarend. Am Ende der Reise machte sich die Wärme 
ziemlich bemerkbar. „ 
Einzelne Regenschauer sind auf allen drei Reisen öfter während der Beob: 
achtungen hereingebrochen, haben dieselben gestört aber nur einmal zum Ab- 
brechen gezwungen. Halbe Tage sind durch Regen öfter verloren gegangen, 
ganze niemals. 
Magnetische Störungen 1889. Magnetisch betrachtet, fiel die Reise 
im Juni 1889 in eine sehr ungünstige Zeit, da die Kurven der Magnetographen 
in Wilhelmshaven an fast allen Tagen nicht nur Unruhe zeigten, und zwar öfter 
in ziemlich erheblichen Schwankungen, sondern auch die Kurve für Horizontal- 
Intensität aufserordentlich hoch liegt, d. h. sehr hohe Werthe für dieses Element 
errechnen läfst. Daher kommt es z. B., dafs die auf 1891 reducirten Werthe 
nicht eine Zunahme sondern öfter eine Abnahme zeigen gegen die 1889 beob- 
achteten. In die Reisezeit der Jahre 1890 und 1891 fallen weniger und erheblich 
geringere magnetische Störungen, 
Reduktion der Beobachtungen. Bei der Reduktion der Beobachtungen 
in den drei verschiedenen Jahren 1889, 1890 und 1891 auf eine einheitliche 
Epoche wurde jene von 1891,0 gewählt, weil diese den meisten und besten 
Beobachtungen am nächsten liegt. Als ein empfindlicher Nachtheil für die Re- 
duktionen muß der Umstand bezeichnet werden, dafs ungefähr in der Mitte des 
aufgenommenen Gebietes eine magnetische Warte nicht vorhanden ist. Es war 
daher nothwendig, für die ersten beiden Jahre als Basis-Station das sehr entfernt 
liegende Wilhelmshaven zu wählen. Für die Beobachtungen im Juni 1891 konnte 
auf das näher liegende Potsdam reducirt werden. In beiden Fällen wurden die 
gleichzeitigen Werthe der magnetischen Elemente an der Basis-Station zu 
Grunde gelegt, gegen diese die Differenzen gebildet (Beobachtung minus Basis- 
Station) und durch diese in Verbindung mit dem Werthe für 1891,0 in Wilhelms- 
haven bezw. Potsdam der definitive Werth für 1891,0 abgeleitet für jede einzelne 
Beobachtungs-Station. An Störungstagen ist die Reduktion begreiflicher Weise 
mit einiger Unsicherheit behaftet, während die zeitliche Verschiedenheit in der 
täglichen Periode zwischen Beobachtungs- und Basis-Station nicht so sehr ins 
Gewicht fallen wird, da in den Zeiten starker Aenderung, in den Mittagsstunden, 
egben nicht beobachtet ist.
	        
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