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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Neumayer: Magnetische Aufnahmen im nördlichen Deutschland, 1873—1892. 475 
gabe des vollständigen Tagebuchs der magnetischen Beobachtungen verleiht der 
Abhandlung einen hohen Werth für alle Zeiten. 
Der Abhandlung sind drei Karten der erdmagnetischen Elemente für 
den 1. Juli 1888 (1888,5) beigegeben, die den Vergleich mit den von Lamont 
veröffentlichten Karten ermöglichen und diese mit besonderem Werthe ausstatten. 
Die Unregelmäfsigkeiten im Verlaufe der Kurven treten hier, obgleich 
erkennbar, weniger zu Tage, als in dem Falle der Aufnahme zwischen Elbe und 
Oder. Das Gebiet ist sehr weit nach Süden und dem Innern Deutschlands hin 
ausgedehnt.!) Dafs die 40 beobachteten Stationen in Folge dessen weit auseinander 
liegen, ist selbstverständlich, und ist das Netz ziemlich weitmaschig, indem die 
mittlere Entfernung der Stationen sich zu etwa 60 km berechnet. Durch diese 
wichtige Aufnahme ist der Anschlufs einerseits an die Aufnahmen von 
Dr. Schaper und die Beobachtungen an den Organen der Seewarte, andererseits 
an die sehr ins Einzelne gehende Aufnahme Hollands durch Dr. van Rijcke- 
vorsel erzielt. Letztere besteht aus 250 Stationen, woraus sich für das Gebiet 
Hollands eine mittlere Entfernung von nur 1l bis 12 km ergiebt. Es ist dies 
wohl das dichteste Netz, welches bis jetzt beobachtet wurde und alle Elemente 
einschließt. Mit Recht kann man von dieser Aufnahme, wenn deren Resultate 
einmal veröffentlicht sein werden,?) wichtige Aufschlüsse über das ganze Gebiet 
der Nordseegestade und deren magnetische Verhältnisse erwarten. 
Die magnetische Aufnahme der Küste im Osten Deutschlands durch die 
Deutsche Seewarte mag in dem Nachfolgenden kurz erörtert werden: 
Dem Berichte, welchen Dr. Duderstadt dem Direktor der Seewarte ein- 
reichte, entnehmen wir die nachfolgenden Einzelheiten. 
Die zu Zwecken der magnetischen Aufnahme ausgeführten Reisen in dem 
nordöstlichen Küstengebiet Deutschlands entfallen auf die folgenden Termine: 
1. den 19, Juni bis 7. Juli im Jahre 1889, 
2. den 7. April bis‘ 21. April im Jahre 1890, 
3. den 3. Juni bis 28. Juni im Jahre 1891. 
Aufserdem sind noch eine Anzahl Punkte bei verschiedenen Gelegenheiten 
and zu verschiedenen Zeiten magnetisch bestimmt worden, von welchen im Obigen 
schon die Rede war. 
Als Beobachtungsinstrument ist durchgehends. der nach Dr. Neumayer’s 
Angaben von Hechelmann konstruirte magnetische Reisetheodolit No. 686 ver- 
wendet. Eine Beschreibung dieses Instrumentes findet sich in der „Anleitung zur 
deutschen Landes- und Volksforschung“, herausgegeben von Alfred Kirchhoff, von 
Dr. M. Eschenhagen, Seite 118 ff. Aus derselben geht hervor, dafs sich die Hori- 
zontalnadeln, mit Ausnahme der zu Schwingungen benutzten, welche an einem Cocon- 
faden hängt, auf Spitzen bewegen. Die magnetischen Elemente der Deklination und 
Inklination werden mittels dieses Theodolits in absoluter Gröfse, jenes der Horizontal- 
Intensität in zweifacher Weise relativ bestimmt. Die Einrichtungen des Theodolits 
haben sich im Allgemeinen gut bewährt. Ein erheblicher Unfall auf den Reisen, 
ein Unbrauchbarwerden eines Theiles des Apparates ist bei der genügend guten 
Verpackung nicht zu verzeichnen gewesen, 
Für die Deklination sollte zunächst die geodätische Bestimmung des astro- 
nomischen Meridians ins Auge gefafst werden. Zur Ableitung der Kollimation 
des Kreises (Nordrichtung) aus Sonnenpeilungen für besondere Fälle war außer 
einer Präcisions-Taschenuhr der Seewarte eine ebensolche von der Hamburger 
Sternwarte entliehene mitgenommen worden. * Das Instrument war nicht mit einem 
Höhenkreise versehen, weil die Komplikation, die durch Anbringung und Ver- 
wendung desselben bedingt würde, vermieden werden sollte. In Ländern, die 
trigonometrisch bereits im Einzelnen aufgenommen worden sind, kann man des 
Höhenkreises in den meisten Fällen entrathen, und können daher nur bei sehr 
niedrigem Stande der Sonne (beim Auf- oder Untergehen derselben) auch Azimut- 
Beobachtungen mittels derselben vorgenommen werden. Die Taschenuhren er- 
wiesen sich zur genauen Ermittelung der Zeit als ausreichend; selbstverständlich 
wurde jede Gelegenheit benutzt, den Stand der Taschenuhren zu bestimmen und 
1) Bis Aachen, Bonn, Köln, Giefsen, Gotha, Marburg in nord-südlicher Richtung, während 
die west-Östliche Erstrecekung desselben durch Aachen und Leipzig angedeutet wird. 
2) Was nach neneren brieflichen Mittheilungen demnächst geschehen wird.‘
	        
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