40 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1893,
eine flache Depression über Skandinavien, hoher Druck im Süden der Küste, und
es traten hier leichte vorwiegend oceanische Winde ein, die bis zum 29. an-
hielten und Steigen der Temperatur bewirkten. In den letzten Tagen entwickelte
sich über Skandinavien ein Hochdruckgebiet, welches, zunächst in Verbindung
mit einem von der mittleren Ostsee südostwärts nach Russland gedrängten Minimum,
nordöstliche Winde und Temperaturabnabme herbeiführte.
Die Morgentemperaturen zeigten, abgesehen von Memel, einen sehr gleich-
artigen Gang. Bis zum 9. trat wenig Aenderung ein, abgesehen von einer
stärkeren Erniedrigung am 3. und meist noch stärkeren Zunahme vom 3. zum 4,
(Kiel mehr als 10°); dann nach wenigen kalten Tagen erfolgte Steigen der Tem-
peratur bis zum 19., und nach diesen wärmsten Tagen des Monats vom 17. bis 19.
sank die Temperatur bis zum 24., worauf abermals vorübergehend wärmere
Witterung am 28. bis 30. eintrat. In Memel erfolgte vom 22, zum 23. ein Rück-
gang der Temperatur um 14° und eine gleich starke Zunahme zum 25. Die
Morgentemperaturen lagen vom 15. bis 20, (aufßser Memel am 15. bis 17. und
Neufahrwasser am 15.) und meist am 29. über, sonst vorwiegend unter der
Normalen. Die gröfste Kälte, — 18°, wurde in Memel am 24. beobachtet.
Die Bewölkung war im Westen, wo die letzte Dekade vorwiegend trocken
war und am 22. bis 24. vielfach heiteres Wetter herrschte, geringer als im
Osten, wo fast täglich Niederschläge eintraten; am 10. herrschte an der ganzen
Küste meist heiteres Wetter. Da die Niederschläge in der ersten Monats-
hälfte an der Nordsee reichlicher fielen, so betrugen die Monatssummen an
der Ostsee nicht mehr als dort. Sehr ergiebige, 20 mm übersteigende Nieder-
schläge, eine Seltenheit im Dezember, fielen in Kiel am 1. (21 mm) und Neuwerk
am 4. (24 mm).
Erhebliche Schneemengen und Schneeverwehungen traten in Ostdeutsch-
land in den Tagen vom 6. bis 8. ein, in Verbindung mit jenem von der Adria
nach dem Weißen Meere wandernden Minimum.
Nebel wurde verhältnifsmäfsig wenig beobachtet, Gewitter und Wetter-
leuchten nur an der Nordsee in der Nacht zum 1. Dezember.
Stürmische Winde herrschten nach den Beobachtungen an den Signalstellen
der Seewarte in der Nordsee nur ganz vereinzelt, am häufigsten an der östlichen
Ostsee, wo am 1. stürmische westliche (Stärke 8 bis 9, Brüsterort 9 bis 11),
am 4. östliche (Stärke 8), am 6. und 7. nordöstliche (Stärke 8 bis 9, Brüster-
ort bis 11), am 18. bis 20. westliche bis nordwestliche Winde (Stärke 8 bis 10,
Brüsterort bis 12) auf gröfserem Gebiet und am 31. an der mittleren Ostseeküste
stürmische nordöstliche Winde (Stärke 8 bis 9) eintraten. Am schwersten
war der Sturm vom 18. bis 20., welcher sehr erhebliche Beschädigungen von
Uferanlagen wie Unglücksfälle herbeiführte.
In den Monatsmitteln lagen Temperatur und Luftdruck unter der Normalen,
in nach Osten und zumal beim Luftdruck zunehmendem Mafse. Im Westen
erreichten die registrirten Windgeschwindigkeiten die vieljährigen Mittel nicht,
während diese im Einklang mit der besprochenen Vertheilung der stürmischen
Winde im Osten überschritten wurden. Die Niederschlagssummen lagen theils
über, theils unter den normalen Werthen.
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