Neumayer: Die wissenschäftliche Erforschung der antärktischen Region. 467
hinaus lag eine Fortsetzung der langen Kette von Eisbergen, auf die ich schon
vorhin Bezug genommen habe.
Eine Expedition, gebildet aus zwei blofs zu wissenschaftlichen Forschungen
bestimmten Schiffen, könnte hier eine grofse Masse wissenschaftlicher Arbeit er-
ledigen. Ich habe diese Angelegenheit mit verschiedenen an der Walfischfahrt
interessirten Leuten besprochen und bin zu dem Resultate gekommen, dafs eine
solche Expedition für eine Saison unter dem höchst geringen Aufwande von
Lstrl. 4000 (80000 Mark) für jedes Schiff unternommen werden könnte, Es ist
zwecklos, sich in Betreff von Forschungszwecken auf die Robbenschläger zu ver-
lassen, denn, so lange sie ihre Schiffe auf 64° Breite mit Walfischspeck füllen
können, werden sie niemals bis zum 65. Breitengrade vordringen.,
Zusammenfassender Bericht über die magnetischen Aufnahmen im
nördlichen Deutschland während der letzten 20Jahre (1873—1892).
Von Dr. NEUMAYER.
Im Anschlusse an die zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Stellen
gegebenen Berichte über die Wiederaufnahme magnetischer Beobachtungen in
dem nördlichen Deutschland soll in Nachfolgendem ein zusammenfassender kurzer
Bericht über die magnetische Aufnahme im nördlichen Deutschland gegeben werden.
Die Seewarte hat in den ihr unterstellten Organen, den Hauptagenturen und
Agenturen, . seit 1878 ziemlich regelmäfsig an deu weiter unten aufgeführten
Orten wenigstens die magnetische Deklination beobachten lassen; die Resultate
dieser Beobachtungen sind fortlaufend in den Jahresberichten der Seewarte bis
zum Jahre 1890, späterhin in den „Annalen der Hydrographie und Maritimen
Meteorologie“ zur Veröffentlichung gelangt. ;
Im Laufe der Jahre traten die magnetischen Observatorien in Wilhelms-
haven (1876)!), Lübeck (1885) und Potsdam (1889/90) ins Leben, so dafs die
Möglichkeit einer Reduktion der Beobachtungen auf Normalstände gegeben war.
Die Beobachtungen wurden an denselben durch das betreffende Personal aus-
geführt und in Lübeck, um dies besonders hervorzuheben, durch den Öberlehrer
an dem Katharineum, Herrn Dr. Wilh. Schaper. Die dabei zur Verwendung
gelangten Instrumente sind in den Veröffentlichungen, in welchen auch alles
was auf die, Beobachtungsmethoden einen Bezug hat, enthalten ist, beschrieben;
eine Veranlassung, darauf nochmals zurückzukommen, besteht nicht, vielmehr
wird einfach auf die verschiedenen Beschreibungen und Berichte verwiesen.
An den Organen der Seewarte beobachteten im Laufe der Zeit die nach-
folgenden Herren: in Hamburg Dr. Neumayer, Admiralitätsrath Koldewey,
der Lehrer vom Lehrkursus Eylert, die Dr.Dr. Kleemann und Duderstadt,
in Bremerhaven der Vorsteher der Hauptagentur, Kapt. Gutkese, in Neufahr-
wasser der Vorsteher der Hauptagentur Lothes, in Stettin der Reihe nach die
Kapitäne und Vorsteher der Hauptagentur Pust, Willert und Romberg, in
Barth der Königliche Navigationsschullehrer Skalweit, in Wustrow die König-
lichen Navigationslehrer Brandes und Reimers, in Rostock der Direktor der
Navigationsschule Dr. Wiese, in Flensburg der Königliche Navigationslehrer
Pheiffer. Die zu den Beobachtungen benutzten Instrumente waren theils das
Derviations-Magnetometer, theils das Marine-Deklinatorium, theils auch Normal-
Kompasse?). Zu den Bestimmungen in Hamburg und auf der Reise wurden ein
alter magnetischer Theodolit von Lamont (Neumayer) und später der Reise-
theodolit Hechelmann No. 686, von welchem weiter unten noch die Rede sein
wird, benutzt. Ueber die Behandlung der Beobachtung in Bezug auf die Zurück-
I) Neues Observatorium für Registrir-Apparate 1. Januar 1879.
2?) Die meisten der Beobachtungen wurden im Freien angestellt.