Neumayer: Die wissenschaftliche Erforschung der antarktischen Region, 465
höchster Punkt in einer von Ross Mount Percy!) genannten Doppelspitze
besteht, die sich zu einer Höhe von 3700 engl. Fuß (1128m) erhebt. Der ganze
südliche Abhang derselben scheint einen Gletscher zu bilden, und sind die von
demselben losbrechenden Eisberge 30 bis 60 engl. Fufs (9 bis 18 m) hoch. Viele
derselben hörten und sahen wir abbrechen. Einige stürzten herunter in Gestalt
einer kleinen Lawine und verursachten ein lautes, auf viele Meilen rund herum
hörbares Geräusch. Nach Norden von der Paulet-Insel und einen KEinschuitt
zwischen dem niedrigen und dem hohen Lande bildend, lag, was wir damals für
eine tiefe Bucht hielten. Ross giebt die Position derselben auf seiner Karte
an. Später erwies sich, dafs dies die östliche Einfahrt zu dem Kanal war, der
Joinville-Insel von der langen flachen, südlich von ihr liegenden Insel trennt,
Im Norden von dem Erebus und dem Terror-Golf liegen mehrere kleine Inselchen.
Zwei derselben sind hohe konische kraterförmige Felsen, welche 4 oder 5 engl.
Meilen vom Nordufer abliegen,
Ross hatte vollständig Recht mit seiner Annahme, dafs zwischen der
Joinville-Insel und dem Louis Philippe-Lande eine von dem Erebus und dem
Terror-Golf nach den Bransfield Straits im Westen führende Durchfahrt vorhanden
sei. Durch diese Durchfahrt läuft mit Ebbe und Fluth eine beträchtliche Tide,
und wir bemerkten eine leichte westliche Dünung, als wir uns derselben näherten.
Ich kann mich nicht entsinnen, den thurmartigen Felsen, den Ross D’Urville’s
Monument nannte, gesehen zu haben, aber beinahe in der für dasselbe angegebenen
Position, wenn auch weiter landeinwärts, befindet sich ein ansehnlicher, ungefähr
600 engl. Fufßs (183 m) hoher Hügel mit einem kahlen kegelförmigen Gipfel.
Wenn man diesen vom Süden aus ins Auge fafst, kann man leicht zu der An-
nahme verleitet werden, er erhebe sich von dem niedrigen Lande aus, nahe der
Küste. In der Nähe des westlichen äufsersten Endes der Joinville-Insel, welches
von Ross Bransfield-Spitze genannt worden ist, entdeckten wir einen, in
östlicher Richtung landeinwärts laufenden Kanal. An der Einfahrt waren zwei
Pinguin-Brutstellen, eine an jedem Ufer. Ich landete an dem Südufer, sammelte
Felsproben und besuchte die Brutstelle. Die Proben befinden sich augenblicklich
in Untersuchung bei Prof. James Geikie. Sie bestehen hauptsächlich aus vul-
kanischen und schieferigen Felsen, von denen die ersteren meistentheils Basalte
sind. Die Brutstelle war von einer ziemlich seltenen Pinguin-Abart, der weifs-
köpfigen Art oder Pygosculis Papua besetzt. Diese Vögel haben ein viel rauheres
Geschrei als irgend eine von den übrigen gesehenen Abarten. Es waren dort
nur einige 40 bis 50 Nester im Ganzen. Das Gestade, auf welchem sie gelegen
sind, bildet eine lange niedrige Spitze, deren Oberfläche kahl war und aus kleinen
Sachen eckigen Steinen bestand. Hier und da einige wenige Moosfleckchen und
das Seekraut längs der Küste bildeten.die einzige Vegetation. Indem wir ost-
wärts den Kanal entlang gingen, den unser Kapitän „Active Sund“ nannte,
fanden wir, daß er während der ersten 8 bis 10 Sm durchschnittlich 2 Sm breit
war. Die beiden Ufer laufen einander beinahe parallel, und jedes ist mit einem
Eisfuße oder einer Eisklippe eingefalst, indem derjenige auf dem Nordufer. un-
gefähr 60 engl. Fufs (18 m) hoch, der gegenüberliegende etwas niedriger war.
Hier und da war ein Felsen oder ein kleines Gestade unter dem Klisfulße
zu sehen.
Ungefähr 3 oder 4 Sm von der Einfahrt passirten wir den in die Augen
fallenden, bereits erwähnten Hügel. Derselbe ist auf dem Nordufer gelegen und
erbebt sich, sehr steil ansteigend, zu einer Höhe von 600 engl. Fufßs (183 m). Er
bildet eine einzelne abgesonderte Spitze; in diesem Theile des Kanals vor-
genommene Lothungen ergaben auf 40 (ca 80 m) bis 60 (ca 120 m) und
80 Fad. (ca 160 m) keinen Grund. An dem Nordufer steigt der Schnee sehr
steil auf von dem Eisfußse und wird hier und da unterbrochen von einer langen
Spalte oder einem Kreek oder einer hervorstehenden schwarzen Felskante. An
dem Südufer verläuft der Eisabhang viel allmählicher; der Schnee erhebt sich in
ununterbrochenem Aufstiege bis zu der Höhe von 100 bis 150 engl. Fufs
(30 bis 46 m). Als wir weiter ostwärts kamen, wurde der Kanal breiter und
wurde in ununterbrochener Verbindung mit der im Norden von der Paulet-Insel
1) Am 6, Januar 1843,
Ann. d. Hrdr. etc., 1893, Heft XII.