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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Neumayer: Die wissenschaftliche Erforschung der antarktischen Region. 461 
von uns entfernt gewesen sein; fand doch Ross schon, dafs man in diesen 
Gegenden zu gewärtigen hat, eine Zeit lang später nicht nur über sein eigenes 
Land, sondern gelegentlich auch über das von Anderen auf der Karte nieder- 
gelegte hinweg zu segeln. Wir waren jedoch aufser‘ Stande, weitere Nach- 
forschungen anzustellen, denn unser Schiff war noch nicht voll von Walfischspeck. 
Ross lenkt die Aufmerksamkeit späterer Besucher auf zweifelhafte vulkanische 
Thätigkeit auf Joinville-Land; sicherlich giebt es dort keine Zeichen von gegen- 
wärtiger Thätigkeit. ; 
Eisberge. Dieser ganze Bezirk im Süden von 60° S-Br ist überstreut 
mit Eisbergen und südlich von 62° S-Br werden sie sehr zahlreich. Kein voll- 
ständiger Tag findet. sich verzeichnet, wo nicht Eisberge zu sehen gewesen wären. 
Südöstlich von den kleinen Danger-Inseln waren sie höchst dicht vertheilt, Hier 
habe ich einmal von Deck aus nicht weniger als 65, alle von grofsem Umfange, 
gezählt, die kleineren nicht mitgerechnet. Im Dezember lagen viele 60 bis 
100 Sm nordöstlich von Joinville-Land, ebenso im Januar, auf ungefähr 64° 30‘ 
S.Br und 54° bis 56° W-Lg. Der längste war ungefähr 30 Sm lang, ein an- 
derer ungefähr 10 Sm und mehrere von 1 bis 4 Sm lang. Der höchste Eisberg, 
den die „Balaena“ sah, war ungefähr 76m hoch, aber manche waren nicht über 
21 m oder 24m hoch, so dafs ihre Durchschnittshöhe etwa 46m betrug. Alle diese 
Eisberge sind tafelförmig oder verwitterte Varietäten der 'Tafelform. Sie sind 
von Höhlen durchsetzt, und diese stehen manchmal in Verbindung mit schorn- 
steinartigen Löchern, durch welche, sowie die Dünung die Höhlen hinaufschlägt, 
ungeheure Säulen von Gischt emporgeschleudert werden. Sie können zierlich 
kastellartig, mit Pfeilern oder Bogen, gestaltet erscheinen. HEiner, den ich 
zu sehen bekam, war wunderschön kegelförmig. Die Grundfläche der Eisberge 
ist hellbraun gefärbt durch Meerorganismen, und andere braune Streifen sind 
oberhalb des Wasserniveaus zu sehen. Es ist mir nicht gelungen, ein leuchtendes 
Glühen zu beobachten. Herr Burn Murdoch hat auf bewundernswerthe Weise 
diese Eisberge in zahlreichen Gemälden wiedergegeben. Sie gewähren einen 
großartigen Anblick. Nebelumhüllt erheben sie ihre mächtigen schneebedeckten 
Schultern bis zu einer stattlichen Höhe oder scheinen in der Sonne funkelnd 
hervor. Obwohl sie vom reinsten Weifs sind, leuchten sie doch in lebhafter 
Farbe. Die Spalten zeigen reiches Kobaltblau, und überall sind smaragdgrüne 
Sprenkel. 
) Packeis. Das Packeis soll nicht schwerer sein als das des Nordens und ist 
von ähnlicher Beschaffenheit. Es ist häufig braun gefärbt von einer Diatomeen-Art, 
Corythron eryophyllum, welche in dem Wasser in der Nähe des Haupt-Packeises 
herumschwärmt. Wir trafen zuerst auf Packeis am 19. Dezember in 62° 20‘ S-Br 
und 52° 20’ W-Lg; es war dicht und erstreckte sich Ost und West. Im 
Januar trafen wir die Packeiskante auf 64° 37’ S-Br, von ungefähr 54° bis 
56° W-Lg von Ost nach West. Am 12. Januar, als wir uns auf der Höhe von 
Kap Lockyer und in Sicht von —- meiner Ansicht nach — der östlichen Küste 
von Grahams-Land befanden, saben wir nach Süden hin anscheinend offenes 
Wasser, und ich glaube, dafs wir möglicherweise sehr weit nach Süden hätten 
vordringen und sogar vielleicht eine höhere Breite hätten erreichen können als 
unser muthiger und ausgezeichneter Vorgänger Kapt. James Weddell. Auf alle 
Fälle hätten wir eine genauere Untersuchung der von uns angenommenen Ost- 
küste von Grahams-Land vornehmen können. Zu meiner gröfsten Enttäuschung 
kehrte das Schiff wieder um, um buchstäblich „in Blut einzutauchen“, 
Die See. Die Farbe der See varlirt von einem schmutzigen . Olivenbraun 
nahe der Packeiskante in ein helles Blau weiter von derselben ab. Im blauesten 
Wasser war es am vortheilhaftesten, auf Robben zu jagen. Tiefsee-Temperaturen 
wurden gemessen, und eine kältere, dazwischen liegende Schicht ergab sich. 
Dr. Buchan sagt mir, daß die Zustände denjenigen im Norden von dem Wyville 
Thomson-Rücken ähnlich sind. Dies ist! die erste Gelegenheit, dafs das Negretti- 
und Zambra-Thermometer und Dr. Mill’s Umkehr-Rahmen auf so hohen süd- 
lichen Breiten gebraucht wurden. Einige Beobachtungen über den Gefrier- und 
Schmelzpunkt des Seewassers wurden erlangt. Wir fanden nirgends eine sehr 
hohe Dünung vor. AHEinige wenige Beobachtungen über Strömungen wurden 
gemacht und schwimmende Körper von dem Eise an bis einige Grade nördlich 
vom Aequator über Bord geworfen. Die Eisberge scheinen Strömungen hervor-
	        
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