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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

454 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1893. 
der internationalen Polarforschung 1882/83') vortreffliche Dienste leisteten — 
aber mit Bezug auf die Südpolar-Region die um ein halbes Jahrhundert 
nahezu zurückliegenden Beobachtungen von Sir James Cl. Ross und der 
„Pagoda“?), auf 1885 reducirt, benutzt werden mufsten. Das Resultat dieser 
umfangreichen Berechnung erwies sich gleichfalls als sehr wenig befriedigend. 
Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich über den Gang und die Resultate 
dieser weitläufigen Berechnungen berichtet, so vor dem VIII Deutschen 
Geographentage in Berlin, in der Physikalischen Sektion der Versammlung der 
Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte in Heidelberg (1889) und jener 
in Bremen (1890). Die über diese verschiedenen Versammlungen erschienenen 
Berichte enthalten meine diese Angelegenheit betreffenden Darlegungen. Bis 
hierher war mein treuer Mitarbeiter bei diesen Rechnungen Hermann Petersen 
gewesen, welcher im September 1890 in Kiel gestorben ist.“ 
„Unterdessen hatte Herr Dr. Adolph Schmidt in Gotha, angeregt durch 
meinen Vortrag vor dem Berliner Geographentag, eine theoretische Untersuchung 
über die Erweiterung der Gaufs’schen Theorie des Erdmagnetismus aufgenommen ; 
das Ergebnifs dieser verdienstvollen Arbeit wurde als No. 3 in dem Sammelwerke 
„Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrgang XII (1889), unter dem 
Titel „Mathematische Entwickelungen der allgemeinen Theorie des Erdmagnetismus“ 
zum Abdrucke gebracht. Auf Grund dieser Untersuchungen durfte man hoffen, 
durch eine Weiterführung der obigen Berechnungen entscheidendere Resultate 
zu erzielen, und von nun an trat Herr Dr. A. Schmidt auf meinen Vorschlag in 
diese Arbeit mit seiner ganzen Kraft ein. Ausgedehntere Rechnungen folgten 
nun abermals nach der erweiterten Methode seit den letzten drei Jahren, über 
deren Ergebnisse an mich gerichtete Berichte vorliegen; zuerst öffentlich 
wurde darüber berichtet in der Physikalischen Sektion der 65. Versammlung der 
Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte: am 14. September d. J., und 
giebt dieser Vortrag des Herrn Dr. Schmidt die Veranlassung zu diesen Aus- 
führungen. Es wird in kurzer Zeit eine Abhandlung über diesen wichtigen 
Gegenstand dem Drucke übergeben werden. Es mag hier nur erwähnt werden, 
dafs die Berechnungen des Herrn Schmidt ausgedehnt wurden auf Glieder 
vierter, fünfter, sechster und siebenter Ordnung und ein für uns heute 
wesentliches Ergebnifs lieferten, das sich wie folgt zusammenfassen läfst: Ob- 
gleich alle diese Rechnungen einen Fortschritt in der theo- 
retischen Ergründung der Erscheinung des Erdmagnetismus er- 
zielten, so läfst es sich doch mit Bestimmtheit aussprechen, dafs die 
endliche Erkenntnifs des Wesens der erdmagnetischen Kraft wesentlich 
davon abhängt, dafs eine magnetische Aufnahme der Südpolar-Region 
durchgeführt wird; ohne Kenntnils der magnetischen Verhältnisse 
aus jenen Gegenden ist es ein hoffnungsloses Unternehmen, an der 
allgemeinen Theorie des Erdmagnetismus weiter zu arbeiten.“ 
„Die Bedeutung und die Wucht des vorstehenden Ausspruches der Wissen- 
schaft liegt darin begründet, dafs Jahre lang fortgesetzte, mühsame Arbeiten, welche 
die Lösung des wahrhaft grofsen Problems der Begründungen einer den "T’hat- 
sachen entsprechenden und darum auch haltbaren "’heorie des Krdmagnetismus 
zum Endziele hatten, einen dem Aufwand an geistiger Arbeit entsprechenden 
Erfolg nicht haben konnten. Dieses Argument allein sollte schon hinreichen, 
die Berechtigung der Forderung der wissenschaftlichen Welt zu begründen, eine 
tüchtig vorbereitete Erforschungs-Expedition endlich nach der Südpolar-Region 
entsendet zu sehen.“ 
„Allein es ist auch das bedeutsame Problem der Feststellung der Figur 
anserer Erde, welches im Zusammenhange mit einer Anzahl geographischer und 
geodätischer Fragen die Erforschung der Südpolar-Region erheischt. Kine Be- 
stimmung der Gravitations-Konstanten wurde in jener Region niemals vor- 
genommen, ja es liegen selbst nur wenige Bestimmungen der Länge des ein- 
fachen Sekundenpendels in der südlichen Hemisphäre südlich vom 33. Grad der 
4) Leider fehlen heute noch die wichtigen Beobachtungen der Lena-Expedition der Russischen 
Geographischen Gesellschaft, 
2) Auch die wenigen Beobachtungen jenseits des 60° der Breite der Challenger - Expedition 
wurden benutzt.
	        
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