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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

450 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1893. 
magnetismus gehalten hatte. Aus demselben hatte sich ergeben, dafs alle weiteren 
Untersuchungen auf diesem Gebiete sich als erfolglos erweisen müfsten, wenn 
nicht endlich die magnetische Durchforschung der antarktischen Region zur 
Wahrheit werden würde. Wir werden am Schlusse des Referats über diesen 
Vortrag auf die wissenschaftliche Motivirung, vorzugsweise vom erdmagnetischen 
and geodätischen Standpunkte aus, zurückkommen; zunächst sollen hier einige 
Einzelheiten aus der oben erwähnten Denkschrift eine Stelle finden. Es heißt 
darin, wie folgt: 
„Zur Vermeidung einer inkorrekten Auffassung sei es mir,“ führt Dr. Neumayer 
aus, „gestattet, von vornherein zu konstatiren, dafs ich mir unter Erforschung der 
antarktischen Region nicht sowohl die Erreichung des geodätischen oder auch des 
magnetischen Südpoles der Erde denke, als vielmehr die Bestimmung solcher Faktoren 
der Geophysik aus dem Gebiete der Südpolar-Region, wie sie für nahezu alle anderen 
Regionen der Erde bereits vorliegen, zur genauen Kenntnifs der physikalischen 
Gesammterscheinung unseres Erdkörpers unentbehrlich sind und auch, ohne einen 
allzu grofsen Aufwand an Kraft und Mitteln zu fordern, gewonnen werden können. 
Dieser Standpunkt, diese Definition der Aufgaben einer Forschungsreise innerhalb 
der Südpolar-Region, wurde von mir zu allen Zeiten mit Nachdruck vertreten, 
und zwar im Gegensatze zu jenen wissenschaftlichen oder auch nur von einem 
Drange nach geographischen Thaten eingegebenen Anstrengungen, die sich die 
Erreichung höchster Breiten — oder selbst des Poles — zur Aufgabe stellen. 
Wenn ich auch die mit den letztbezeichneten Bestrebungen für die Förderung 
geographischer Kenntnisse verknüpften Unternehmungen nicht als unwichtig er- 
achte und in ihrer Tragweite nicht unterschätze, so würde ich mich doch kaum 
entschliefsen können, für die Lösung der Südpolarfrage von diesen Gesichts- 
punkten aus einzutreten. Gemäfs meiner — seit mehr als 30 Jahren aus- 
gesprochenen — Ueberzeugung müssen in Wirklichkeit viele der wichtigsten 
Fragen auf dem Gebiete der Geophysik unbeantwortet bleiben, so lange wir 
nicht im Besitze derjenigen geophysikalischen Faktoren uns befinden, zu deren 
Erlangung uns nur in höchsten südlichen Breiten die Mittel geboten werden. 
Es ist also — klar und bestimmt ausgesprochen — als eine streng logische 
Konsequenz anzusehen, wenn man sich in dem Bestreben für die Erweiterung 
anserer Kenntnisse auf dem Gebiete der Physik der Erde nach dem gegen- 
wärtigen Stande der Wissenschaft gedrungen fühlt, die Forschungen in der 
Südpolar-Region in erster Linie zu betonen. Es mufßs Wunder nehmen, dafs 
die gewichtigen wissenschaftlichen Argumente, welche zu Gunsten der Aufnahme 
einer systematischen Erforschung der Südpolar-Regionen vorgebracht werden 
können, von wissenschaftlichen Körperschaften und Individuen nicht häufiger und 
mit mehr Nachdruck vorgebracht werden, Dadurch hat sich in den nicht fach- 
männischen, zum Theil sehr einflufsreichen Kreisen ein Präjudiz gegen die soeben 
dargelegie Auffassung hinsichtlich der brennenden Fragen in der geographisch- 
physikalischen Wissenschaft herausgebildet, dessen Entkräftung Ausdauer erfordert. 
Die Resultate der systematischen Erforschung der Polar-Regionen, wie sie 
durch internationale Vereinbarung in dem Jahre 1882/83 zur Durchführung ge- 
langte, können noch nicht als endgültig festgestellt erachtet werden, da noch 
wesentliche Beiträge einzelner Nationen der Veröffentlichung entgegensehen. 
So viel läßt sich übrigens auch jetzt schon sagen, dal diese Unternehmen für 
die Entwickelung der Physik der Erde von epochemachender Bedeutung sind und 
erkennen lassen, dafs für die Folge in ähnlicher Weise, wie es damals geschah, 
auch fernerhin vorgegangen werden müsse, wenn — auf dem Gebiete erd- 
magnetischer und meteorologischer Forschung zum Mindesten — entschiedene 
Erfolge errungen werden sollen. 
Wenn es auch nicht möglich sein wird, in nächster Zeit alle jene Nationen, 
die sich an der internationalen Polarforschung betheiligten, zu gemeinsamem 
Handeln zu veranlassen, so läfst sich doch ein Modus der Forschung angeben, 
der geeignet ist, an jene Unternehmen anzuknüpfen, und zwar mit einer Aussicht 
auf Erfolg. Es wird sich vor Allem darum handeln, innerhalb der antarktischen 
Zone eine magnetisch-meteorologische Station zu errichten und dieselbe während 
2 Jahre in arbeitender Thätigkeit zu erhalten. 'Theils die Observatorien der 
südlichen Hemisphäre, vor Allem aber die magnetisch-meteorologischen Warten 
im nördlichen Europa, Asien und Amerika, die — wenn auch nicht sämmtlich
	        
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