442 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1893.
sieht man die von hohen Bergen umschlossene Bucht von Pisagua und die
terrassenförmig an dem südlichen Fuße des Berges gebaute Stadt. Als eine ganz
vorzügliche Landmarke dient der auf einem Felsen in der Mitte der Bai stehende
viereckige schneeweiße Thurm.
Auf Verlangen kann man einen Lootsen bekommen, der auch mit seinen
Leuten die Vertäuung des Schiffes besorgt. KEin kleiner Schleppdampfer ist
am Platz, der jedoch nur- bei ganz flauen Winden im Stande ist, ein Schiff. zu
bugsiren. .
Alle Lebensmittel sind, wenn auch erhältlich, sehr kostspielig. Das frische
Wasser, welches hier gebraucht wird, kommt mit Dampfern von Arica; der Preis,
den die Schiffe für dasselbe zu bezahlen haben, beträgt 15 Doll. für die Tonne.
Pichalo Point eignet sich ganz besonders zur Errichtung eines Seezeichens
daselbst, wodurch der hiesigen Schiffahrt eine grofse Erleichterung verschafft
würde. Das seefahrende Publikum müßte es mit großer Freude begrüßen,
wenn dieser Gedanke betreffenden Ortes angeregt würde und zur Ausführung käme.
Am Montag den 8. Juni 1891 nachmittags wurde Pisagua zwei Stunden
lang durch zwei Kriegsschiffe beschossen, bei. welchem Bombardement mehrere
Kugeln dicht bei den vor Anker liegenden Schiffen ins Wasser einschlugen. Es
war nur dem Zufall zu danken, dafs keines von diesen getroffen wurde, Einen
nennenswerthen Schaden hat die Beschiefsung auch in der Stadt nicht angerichtet,
denn die meisten Kugeln gingen entweder zu hoch oder zu niedrig.
Die Witterung in Olehleh (Nord-Sumatra) im Januar und
Februar 1891,
Bericht des Kapt. H. ANDRESEN vom Schiffe „Peter Rickmers“.
Am 13, Januar 1891 passirten wir auf unserer Reise von Cardiff nach
Olehleh um 4 Uhr morgens das Nordwestende von Pulo Wai, kreuzten dann den
yanzen Tag bei schönem Wetter gegen eine leichte Briese von Ost bis SE
zwischen Pulo Brasse und Pulo Wai und ankerten um 8 Uhr abends auf der
Rhede von Olehleh auf einer Wassertiefe von 11m (6 Fad.). Die Reisedauer
betrug 100 Tage.
Die Witterungsverhältnisse auf der Rhede von Olehleh waren während
unserer Anwesenheit daselbst vom 14. Januar bis zum 20. Februar sehr einfach,
Bis Ende Januar hatten wir jeden Tag frischen Monsun bei klarem Wetter. Von
8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends wehte der Wind von NE längs der Küste,
les Nachts war er als Landwind von Ost bis SE nicht so kräftig als am Tage.
Ueber dem Lande stand nachts manchmal ein Gewitter, das aber nie nach
See zog.
. Am 1. Februar trat eine Aenderung in der Witterung ein; die schon eine
Woche vorher von dem Hafenmeister angekündigt worden war, der auf Grund
zeiner Erfahrung wufste, dafs jedes Jahr Anfang Februar westliche Winde durch-
kommen. Wir erhielten Mallung mit Winden zwischen Süd, West und Nord bei
vedeckter böiger Luft, Die Regenböen kamen alle von NW aus der Strafe
zwischen Pulo Wai und Pulo Brasse. Viel Regen gab es aber nicht, ich glaube
nicht, dafs derselbe im Ganzen über acht Stunden gedauert hat. Auch die
Windstärke war von keiner Bedeutung. Diese Witterung hielt sich nur in der
ersten Februarwoche, dann klarte die Luft wieder auf, und der Monsun drang
mit erneuter Kraft durch. In den nun folgenden beiden Wochen bis zu unserem
Abgange wehte den ganzen Tag Nordostwind, am Vormittage frisch, am Nach-
mittage bis 8 Uhr abends steif, dann holte der Wind abflauend östlicher. Des
Nachmittags stand auf der Rhede ein ziemlich bedeutender Seegang, wobei die
Leichter längsseits derart auf und nieder sprangen, dafß das Löschen fast un-
möglich wurde. Noch schlimmer erging es uns aus derselben Veranlassung mit
der ehernahme des Ballastes, welcher in kleinen Sampans längsseits gebracht
wurde,