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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Treibeis in südlichen Breiten, 
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wir ihn sehen konnten, kam er nie ins Gleichgewicht. Von 4*p bis Mitter- 
nacht hatten wir beständig viele Eisberge in Sicht; von 10* bis 11® p passirten 
elf grofse Berge. Jenseits 48° 28‘ S-Br und 46° 54’ W-Lg wurde kein Eis mehr 
gesehen. Bark „Lina“, Kapt. C. Friedrichsen, von Talcahuano nach dem Kanal. 
Juni 7 und 10. Laut Bericht des Kapt. A. J. Mählmann von der Bark 
„Planet“ passirte derselbe auf der Reise von Puntarenas nach Havre am 7. Juni 
auf 48° 17’ S-Br und 48° 52‘ W-Lg einen grofsen, ungefähr 60 m hohen Eisberg 
und zur selben Zeit, etwa 4 Sm von dem ersteren, noch einen zweiten von 15m 
Höhe. Am 10, Juni, auf 42° 7‘ S-Br und 39° 7’ W-Lg, wurde ebenfalls ein 45 m 
hoher Berg passirt. 
Juni 18. Der Dampfer „Titania‘“ passirte auf der Reise von Hamburg 
nach der Magellan-Strafse am 18. Juni auf 44° 15’ S-Br und 59° 15° W-Lg 
ungefähr 5 Sm westlich von einem grofsen Eisberge, dessen Höhe-zu 105 m 
geschätzt wurde und dessen Länge etwa 3 Sm betrug, Muthmafslich safs der 
Berg auf dem Grunde fest, da an der Stelle, wo er sich befand, 100 Fad. Wasser- 
tiefe in der Karte verzeichnet stehen. In gröfserem Abstande vom Schiffe 
wurden an demselben Vormittage noch mehrere kleinere Eisberge gesehen. 
Juni 19, auf 49° 30‘ S-Br und 52° 22’ W-Lg ein Eisberg von ungefähr 
100 m Höhe, 5 Sm entfernt. Schiff „Nymphe‘“, Kapt. G. Hilmer. 
Juni 19, auf 50° 3‘S-Br und 53° 0‘ W-Lg ein Eisberg, 40 m hoch. Von 
oben trotz sichtiger Luft kein weiteres Eis in Sicht. Bark „Kriemhild“, Kapitän 
Meyer, von Corinto nach Havre. ; 
Juni 19, auf 49° 20’ S-Br und 51° 20’ W-Lg ein kleiner Eisberg. Schiff 
„Fontenaye‘. 
Juni 20, auf 48° 23‘ S-Br und 50° 41’ W-Lg ein Eisberg von 20 m Höhe 
und 90 m Länge. Bark „Martha“, Kapt. C. Nils. 
Juni 20, auf 46° 45' S-Br und 50° 56‘ W-Lg ein Eisberg mit zwei Spitzen. 
Schiff „Drehna“, Kapt. J. Haesloop, von Iquique nach Hamburg. 
Juni 22 bis 27. Das Schiff „Wellington“, von Neu-Seeland, passirte am 
22, Juni auf 54° S-Br und 51° W-Lg einen Eisberg, mit dem es zusammenstiefs, 
am 23. Juni zwei weitere Eisberge, am 24. Juni drei, am 25. zwei sowie einige 
kleinere Eisstücke und am 26. abermals einen KEisberg. Am 27. Juni, auf 
48° S-Br und 48° W-Lg kam das Schiff in eisfreies Wasser, Bei der Kollision 
mit dem Eisberg wurde dem Schiffe der Bug eingestofsen, . und es verlor Bug- 
spriet, Vormars- und Grofsbramstänge, wodurch es genöthigt war, Rio de Janeiro 
für Nothhafen anzulaufen, 
Juli 6. Kapt. W. Hoffmann von der Bark „Capella‘“ berichtet: „Am 
6. Juli um 7: 15” a, eben nach Sonnenaufgang, sahen wir in NNO einen Eisberg, 
der, als wir näher kamen, einen herrlichen Anblick bot. Die Sonne war durch 
Wolken verdeckt, doch fiel ihr Schein unter letzteren hindurch auf den Berg, 
der dadurch auf dem dunklen Hintergrund wie reines Silber erglänzte. Wahr- 
zscheinlich infolge einer Verschiebung der Wolken war plötzlich der Silberglanz 
verschwunden, und der Berg erschien jetzt weiß und durchsichtig wie mattes 
Glas. Er hatte eine Höhe von etwa 60 m und eine Länge von 90 m. Während 
wir an der Leeseite des Berges in etwa 2 Sm Abstand von demselben vorüber- 
zegelten, wo mehrere kleine Schollen trieben, sahen wir plötzlich an St. B. zwei 
Schiffslängen voraus Brandung, aus welcher ein mächtiges flaches Eisstück auf- 
tauchte. Nachdem dieses passirt war, wurde kein Eis mehr angetroffen, Auf 
ler anderen, der Luvseite des Berges, dicht neben demselben, befand sich eben- 
falls eine grofse Scholle, die mit der unruhigen See immer hoch auf und nieder 
ging, während der grofse Berg anscheinend ganz unbewegt blieb. Dieselbe war 
wohl erst kürzlich losgebrochen und hatte noch nicht von dem Berge frei kommen 
können. Der Ort des Letzteren war 49° 31‘ S-Br und 50° 4’ W-Lg. Die niedrige 
and trotz unseres nördlichen Kurses noch abnehmende Wassertemperatur warnte 
nich schon in der Nacht vor der Nähe von Eis, und ich lief deshalb scharfen 
Ausguck halten, obschon ich mich eigentlich außerhalb der Eisgrenze glaubte. 
Während wir den Berg passirten, fanden wir nur ein geringes Fallen des 
Thermometers (von 4,0° auf 3,4°); bald nachher begann dasselbe aber sehr rasch 
zu steigen, um Mittag wurde schon 4,3° und um 4* p 7,3° beobachtet.“
	        
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