Lebedintsef: Chemische Untersuchung des Schwarzen und. Azofschen Meeres, 427
Die Bestimmung des Kohlensäuregehalts ließ keine Reste freier Kohlen-
säure erkennen; die Menge derselben entsprach. stets der Menge des doppelt-
kohlensauren Calciums.
In der Tabelle auf Seite 426 sind zum Schluls die Resultate der Temperatur-
Beobachtungen an der Oberfläche und in der Tiefe angeführt, welche mit ver-
glichenen Thermometern angestellt wurden,
Treibeis In südlichen Breiten.
Nach unseren letzten, in Heft VII und VIII dieser Annalen veröffent-
lichten Mittheilungen über das Treibeis im südwestlichen Theile des Atlantischen
Oceans, welche bis Anfang April dieses Jahres reichten, ist noch eine Reihe
weiterer Berichte eingegangen, aus denen hervorgeht, dafs diese aulserordentlich
langdauernde und grofse Trift noch bis in den Juli hinein fortbestanden hat.
Bis Ende März trieb die Hauptmasse des HEises, welche sich damals auf der
Route von Kap Horn zwischen 51° und 48° S-Br und zwischen 49° und 46° W-Lg
befand, so dicht, dafs die Schiffe kaum durchkommen konnten, und auch in den
folgenden beiden Monaten wurden nahezu an derselben Stelle, wie gleichfalls.
weiter nordöstlich, bei 46° S-Br und 37° W-Lg noch viele nahe bei einander
treibende Berge angetroffen.‘) Nach Ende Mai war die Trift mehr zerstreut
und wurden nur noch vereinzelte Eisberge gesichtet, von denen der nördlichste
in 42° 7‘ S-Br und 39° 7 W-Lg, der südlichste, mit welchem das Schiff
„Wellington“ in Kollision kam, in 54° S-Br und 51° W-Lg trieb. Ganz aulßer-
gewöhnlich ist das weite Vertreiben des Eises in diesem Jahre nach Westen
hin. Schon die Hauptmasse, von der berichtet wurde, erstreckte sich in ihrem
westlichsten Theile fast immer über die gewöhnliche Grenze der Eisverbreitung
weit hinaus, aber eine Reihe von Bergen, die wahrscheinlich der von „Placilla“
am 7. April gesichteten Gruppe angehörten,”) wurde durch den heftigen Ost-
wind, welcher in der ersten Hälfte Mai in dem fraglichen Meeresstrich herrschte,
nördlich von den Falkland-Inseln bis in die Route der südwärts gehenden Schiffe
geführt. Der Dampfer „Titania‘“ traf auf der Reise nach der Magellan-Strafse
am 18. Juni einen sehr grofsen Eisberg auf 44° 15’ S-Br und 59° 15‘ W-Lg,
anscheinend auf der Patagonischen Bank am Grunde sitzend. Es ist dies ein
äußerst seltenes Vorkommnifs und unseres Wissens erst einmal vorher, und
zwar im Jahre 1878, zuverlässig berichtet.) Nach Mitte Juli ist von den wenigen
Schiffen, welche später die fraglichen Breiten passirt haben und inzwischen an-
gelangt sind, auf der Route von Kap Horn kein Eis mehr angetroffen worden;
es ist jedoch wahrscheinlich, dafs einzelne grofse Berge auch damals noch nicht
verschwunden gewesen sind, und es ist sehr leicht möglich, dafs von Neuem
Eis erscheinen wird, Man sollte deshalb auch fürderhin bei der Durchsegelung
dieser Region grofse Vorsicht anwenden und eine östliche Route nach Möglichkeit
vermeiden,
Von den vielen in den meteorologischen Journalen der Seewarte, Briefen
von Kapitänen und der „Hamburgischen Börsen-Halle“ mitgetheilten KEinzel-
berichten geben wir nur die wichtigsten hier wieder. ;
. 1893 März 11, von 50° 44’ S-Br und 47° 48' W-Lg bis 49° 19 S-Br und
45° 58‘ W-Lg sehr viele grofse Eisberge, von denen die gröfsten einen Flächen-
raum von mehreren Quadratmeilen einnahmen‘ und eine Höhe von ungefähr
300 m (?) hatten; aufserdem sehr viel kleines Treibeis. Das Schiff mufste oft
den Kurs ändern, um hindurch zu kommen, Die Wassertemperatur, die tags
vorher auf 52° S-Br 8° betragen hatte, sank in der Nähe des Eises auf 6,4°;
40 Sm nordnordöstlich von der Eisgrenze stieg sie auf 12,2°. Bark „Atalanta“,
Kapt. L. Specht, von Geelong nach dem Kanal. .
März 15 um 4" p, auf 51° 32’S-Br und 50° 51‘ W-Lg ein grofser Eisberg
in WNW, um 11* p ein zweiter und um 3" a am 16. März ein dritter EKisberg.
% Siehe den Bericht von „Pamelia* vom 18, Mai.
% Siehe den Bericht in diesen Annalen, Seite 308.
3) Siehe „Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean“, Seite 543 und 544 unter November 3
and Dezember 15.