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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Lebedintsef: Chemische Untersuchung des Schwarzen und Azofschen Meeres. 425 
Anfang 1892 an die Neurussische Naturforscher-Gesellschaft mit der Bitte um 
Förderung. ; 
Die Erfüllung dieser Aufgabe forderte keine Opfer von Seiten der Gesell- 
schaft, da die Instrumente und Einrichtungen noch vom vorigen Jahre vorhanden 
waren. Allein es war die Bewilligung des Oberbefehlshabers der Flotte und 
Häfen des Schwarzen Meeres erforderlich zur Mitnahme eines Chemikers an 
Bord eines der Transport-Avisos, welche mehrmals im Jahre die krimsche und 
kaukasische Küste des Schwarzen Meeres in Angelegenheiten der Leuchtthürme 
und des Lootsenwesens befahren. 
In einer der April-Sitzungen der Gesellschaft wurde mein Antrag an- 
genommen, und einen Monat später war die Zustimmung des Oberbefehlshabers 
da zu meiner Mitnahme an Bord des Avisos „Ingül“ auf dessen Reise von Odessa nach 
Batüm und zurück, Am 14, August verlielsen wir Odessa. Der Kommandant, 
Kapt. Korolyoöf, räumte mir für das chemische Laboratorium die große und 
bequeme Kommandantenkajüte auf dem Achterdeck ein, in welcher das Labora- 
torium ungleich bequemer untergebracht werden konnte als im vorigen Jahre 
auf den Kanonenbooten. Sämmtliche Offiziere des Schiffes zeigten das liebens- 
würdigste Entgegenkommen, wofür ich denselben meinen tiefsten Dank schulde, 
Die Reise ging zunächst zur Küste der Krim, und zwar war unser erster 
Aufenthalt beim Vorgebirge Tarkhankuüt. Infolge der besonderen Aufgaben des 
Schiffes bezogen sich die Untersuchungen vorwiegend auf Küstengewässer, da wir 
nur gelegentlich ins offene Meer hinausgingen. Vom 14. August bis zum 25, Sep- 
tember haben wir etwa 20 Orte untersucht, davon aber nur vier mit größeren 
Tiefen: einer mit 190 Fad. (348 m) zwischen Aitodor und Yalta, der zweite mit 
300 Fad. (1462 m) zwischen Novorossiysk und Pöti, der dritte auf dem Rückwege 
zwischen Pöti und Sukhüm mit 350 Fad. (640 m), der vierte mit 1200 Fad. 
(2194 m) halbwegs zwischen Sukhüm und Aitodor. 
Das Ziel, welches ich mir in diesem Jahre gesetzt hatte, war einerseits, 
die vorjährigen Bestimmungen genauer und ohne Eile zu wiederholen, ohne eine 
grosse Zahl von Stationen anzustreben, andererseits, die größere Muße benutzend, 
einige Bestimmungen auf dem Schiffe selbst zu machen, welche damals, als wir 
zuweilen sechs bis sieben Stationen am Tage und beschränktere Räumlichkeit 
hatten, nicht möglich waren, 
Das Wasser aus der Tiefe wurde mit demselben Bathometer Wille- 
Timtshenko geschöpft, wie im vorigen Jahre, welches auch jetzt vollkommen 
befriedigend funktionirte und jedesmal geschlossen und mit Wasser aus der 
zewünschten Tiefe gefüllt heraufkam. Die Bestimmung der Chloride geschah in 
diesem Jahre an Bord selbst nach beiden Methoden von Mohr und Volgardt, 
unter Beibehaltung‘ der früheren Vorsichtsmafsregeln, d. h. unter Kontrole des 
Titers durch abgewogene Gewichte reinen Kochsalzes oder Chlorbariums. Da 
wir in diesem Jahre häufig bei Leuchtthürmen oder in Buchten vor Anker lagen, 
konnte ich das gute Wetter zur Zubereitung der Titrirflüssigkeit nach Volgardt 
benutzen, welche zudem, wie gesagt, dieses Mal langsam verbraucht wurde, 
Die Zusammenstellung und Vergleichung der Ergebnisse der Expeditionen 
beider Jahre sowie deren wissenschaftliche Verwerthung werden von mir in einer 
bereits im Druck befindlichen Arbeit in den Denkschriften der Neurussischen 
Naturforscher-Gesellschaft niedergelegt werden. Hier möge nur bemerkt sein, 
dafs aus den erhaltenen Daten für die Oberflächenschicht im August und Sep- 
tember ein mittlerer Chlorgehalt von 9,85 g Chlor pro Liter Wasser an der 
krimschen und 9,59 g an der kaukasischen Küste sich ergiebt. Erwähnenswerth 
sind die Bestimmungen auf dem „Ingül“ in der Strafse von Kertsh. Beim Kap 
Kiz-Aül ergaben zwei 24 Stunden auseinanderliegende Beobachtungen über- 
einstimmend 9,66. Weiter am Eingang der Strafse, gegenüber der Festung, ergab 
sich der Chlorgehalt an der Oberfläche zu 9,41; mit der Annäherung an Kertsh 
nahm der Gehalt erheblich ab und war auf der Rhede 6,27 g pro Liter. Bei 
Yenikale hatten die Beobachtungen auf dem „Kazbek“ 1891 bei Strom und Wind 
aus dem Schwarzen Meere 8,4 g und eine Woche später 5,95 g Chlor ergeben. 
Auf dem „Ingül“ gelang es mir, eine gleichzeitige Beobachtung über obere und 
untere. Schichten zu machen. Das Resultat deutet auf die Möglichkeit der 
gleichzeitigen Existenz‘ zweier Strömungen, einer oberen und ‚einer : unteren, 
welche ihre Richtung leicht in entgegengesetzter Weise ändern in Abhängigkeit 
Ann, d. Hydr. etc., 1893, Heft XI.
	        
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