Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1893,
Ein deutscher Arzt ist nach hier verschlagen, sonst sind, außer einigen
italienischen Arbeitern, nur wenige Fremde in Ciudad de David ansässig.
Unsere Ladung lag in der Nähe des Schiffes am Strande von San Pedro
und wurde in Flössen, die etwa 10 Tonnen führten, längsseits gebracht und zwar
täglich 35 bis 40 Tonnen. Auch solches Holz, welches weiter flufßsaufwärts
herkam, wurde in Flössen befördert. Es befanden sich Stücke darunter, die ein
Gewicht von 900 kg hatten.
Die ziemlich grofse Insel San Pedro ist ein Privatbesitz. Auf derselben
wechseln freie Grasplätze mit dunkeln Waldungen ab, welch letztere von
Papageien, Affen und anderen Thieren belebt werden, und die Jagd ist sehr er-
giebig. An menschlichen Bewohnern befinden sich auf der Insel aufßser dem so-
genannten Matador, der die Aufsicht über das Vieh hat, noch einige nomadisi-
rende indianische Fischerleute. Der Eigenthümer der Insel hält auf derselben
einen Bestand von etwa 400 Stück Rindvieh und einer Anzahl Pferde und
Schweine. Obwohl der Boden sehr fruchtbar, ist derselbe doch nicht bebaut.
Die Insel würde sich im Bedürnifsfall vortrefflich als Kohlenstation für unsere
Marine eignen und zu einem wichtigen Stützpunkt der Deutschen an der ganzen
Westküste Süd- und Centralamerikas werden und dadurch den Einflufs der
letzteren bedeutend heben können. Schiffe mit einem Tiefgange bis zu 4,5 oder
4,8 m — 15 oder 16 Fußs — können wohl immer über die Barre in die Fluß-
mündung einlaufen, gröfsere Schiffe haben draufsen auf einer Wassertiefe von 14,6
bis 16,5m — 8 bis 9 Fad. — einen so sicheren Ankerplatz, als irgendwo an
der Küste, Schade ist es, dafs kein gutes Trinkwasser auf der Insel vorhanden
ist, doch liefert dieses der Flufßs weiter aufwärts. Wir schöpften dasselbe dort,
wo sich der Rio David in einen westlichen und einen östlichen Arm theilt, eben
oberhalb der Hacienda Pino, wo wir es von der besten Beschaffenheit vorfanden.
Es dauerte gewöhnlich sechs Stunden, um eine Bootladung Trinkwasser in
Fässern an Bord zu schaffen. Der Flufs ist, wie schon gesagt, bis dahin überall
tief genug; denn selbst an den flachsten Stellen des Fahrwassers fanden wir bei
niedrigster Ebbe über 21m — 7 Fuß — Wasser,
Das Klima scheint nicht ungesund zu sein, wenigstens nicht in der
trockenen Jahreszeit. Während der sieben Wochen unseres Aufenthaltes in San
Pedro, vom 2, Februar bis zum 25. März 1892, ist kein einziger Mann der Be-
satzung der „Theodore“ erkrankt, trotzdem es am Tage heiß genug war und
wir alle unsere Arbeiten, auch das Löschen des Ballastes, das Uebernehmen und
Stauen der Ladung, selber ohne fremde Hülfe verrichten mufsten. Die Nächte
waren immer angenehm kühl und keine Musquitos an Bord zu spüren.
Am 23. März, mit dem letzten Liegetage, wurden wir abgefertigt. Am
folgenden Morgen kam der Dampfer „Elvira“, Kapt. Saunders, den Fluß her-
unter, um uns hinauszuschleppen. Derselbe brachte eine große Zahl der Ein-
wohner von Ciudad de David an Bord, die uns bis über die Barre das Geleite
geben wollten. Unter denselben befanden sich allein 70 weilßse Damen, dazu
alle die Indianer, die in ihren Kanoes herbeigeeilt waren, kurz, es war ein
solches Gewimmel an Bord, dafs man sich kaum hindurchwinden konnte. Wir
gelangten gerade mit Hochwasser aus der Mündung des Flusses hinaus, als eben
die Seebriese, zeitiger wie gewöhnlich, einsetzte, weshalb der Dampfer kaum im
Stande war, das tiefbeladene Schiff von der Stelle und nach Verlauf von
1‘/2 Stunden über die Barre hinweg zu bringen. Die Wassertiefe auf der Barre
betrug 5,3 m — 17,5 Fuß — während „Theodore“ einen Tiefgang von 4,5m
— 15 Fuflßs — hatte. Da aber die See völlig ruhig war, so kam das Schiff
glücklich, ohne den Grund zu berühren, hinüber, und um 1'/a Uhr nachmittags
auf einer Wassertiefe von 1655 m — 9 Fad. — zu Anker. Jetzt hieß es, die
Geleitsleute, von denen mancher sich in gehobener Stimmung befand, viele aber
seekrank waren, auf den Dampfer überzuführen, was auch glücklich von statten
ging. Hierauf trat derselbe unter dem Schwenken der Taschentücher seitens
der Damen seine Heimfahrt an. Als er dicht an dem Heck der „Theodore“
passirte, feuerte er einen Salutschufs ab, welcher von unserer Seite durch ein
dreimaliges, kräftiges deutsches Hurrah, wie es diese Gegend jedenfalls noch
nie gehört hatte, erwidert wurde. Noch einen letzten Abschiedsgrulß durch
das dreimalige Dippen der Flaggen auf beiden Schiffen, und der Dampfer lief in
den Fluß hinein, um unsern Augen zu entschwinden. .In den Annalen von