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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Taiohae auf der Insel Nuka-Hiva (Marquesas-Gruppe). 
einige Regenschauer auftraten, stets schön. Die Luft war in der Regel ver- 
hältnifsmäfsig kühl, denn in der Bai herrschte gewöhnlich am Tage eine frische 
Briese, und nur selten trat nach 4 Uhr nachmittags Windstille auf, die dann 
auch bald durch eine frische Briese vom Lande wieder aufgehoben wurde. HEinen 
regelmäfsigen Wechsel von Land- und Seewind habe ich nicht wahrgenommen. 
In der Nacht wehte der Wind zwar immer vom Lande gerade aus der Bai 
heraus, aber es kam kein einziges Mal vor, dafs derselbe am Tage von der See 
in Letztere hineinwehte, Dahingegen ereignete es sich, dafs 2 bis 3 Tage hinter- 
einander unausgesetzt ein frischer ablandiger Wind herrschte. Man sieht, dafs 
die Aussegelung aus der Bai in der gegenwärtigen Jahreszeit geringe Schwierig- 
keiten macht, während die Einsegelung in dieselbe mehr oder weniger mit solchen 
verknüpft ist. In der anderen Jahreszeit, dem südlichen Winter, sollen indefs 
entgegengesetzte Windverhältnisse vorhanden sein. Mit nördlichen Winden ist 
das Wasser in der Bai sehr ruhig, so dafs man zu jeder Zeit ohne irgend welche 
Gefahr mit dem Schiffsboot auf den Strand laufen kann. Zur Zeit der winter- 
lichen Südostwinde soll aber in der Bai manchmal eine solche Dünung stehen, 
dafs selbst das Anlegen mit dem Boot an die in die Bai hinausgebaute Brücke 
gefährlich ist. Im Winter besteht für die aussegelnden Schiffe die grofse Gefahr, 
in der Mündung der Bai durch die Dünung und die starke‘ westliche Strömung 
auf die Klippen an der Westseite getrieben zu werden, denn Ankergrund ist 
nicht da, und. die Klippen steigen senkrecht vom Meeresboden in die Höhe. Vor 
einiger Zeit ist das Postschiff den Klippen so nahe gekommen, dafs es seinen 
Besanbaum :;an denselben abbrach, ohne auf Grund zu gerathen oder weiteren 
Schaden zu erleiden. Durch die rücklaufende See wurde das Schiff immer wieder 
von‘ den Klippen abgeworfen und solange von denselben freigehalten, bis es den 
Booten des hier anwesenden Kriegsschiffes gelang, dasselbe auf freies Wasser 
zu bringen. 
Als eine vorzügliche Landmarke für die Ansegelung von Taiohae dient 
ein weißer Felsstreifen, der sich ganz von oben an dem steilen Berg an der 
Ostseite, nahe der Mündung der Bai, bis ans Wasser hinunterzieht und sehr 
weit erkennbar ist. In der Ferne hat derselbe Aehnlichkeit mit einem sich vom 
Berge herunter in das Meer stürzenden Giefsbach. 
Die Eingeborenen sind fast alle dem Laster des Opiumessens verfallen 
und infolge dessen im Aussterben begriffen. Wie mir von hier ansässigen 
Europäern mitgetheilt wurde, erreichen sie kaum ein Lebensalter von über 
30 Jahren. Die Regierung sieht dem verhängnifsvollen Vorgang ruhig zu und 
thut nichts, ihn zu verhindern. Die Koncession des Opiumhandels bringt der 
Verwaltung jährlich 73 000 Fres. ein. 
Eine Fahrt auf dem Parana. 
Bericht des Kapt. A. FRANTZ von der Bark „Vietoria“. 
Am 17. Oktober 1890 gingen wir nach einer theilweisen Entlöschung 
unserer Ladung von Montevideo weiter und erreichten am Nachmittage des 28, 
Rosario de Santa Fe. Während dieser Reise verloren wir durch die Ungeschick- 
lichkeit des Lootsen einen Anker und hatten aufserdem das Mifsgeschick, während 
zwölf Stunden festzusitzen. Der Lootse liefs das Schiff nicht erst in den Wind 
kommen, sondern während dasselbe bei zwar festgemachten Segeln, aber mit 
einem stürmischen Südostwinde gegen den Strom anlief, bei voller Fahrt den 
Anker fallen. Da nur 15 Fad. Kette überholt waren, so konnte ein Brechen der 
Letzteren nicht vermieden werden, 
In Rosario wurde das Schiff völlig entlöscht und Ballast eingenommen, 
womit wir nach Colasting versegelten. Auf dieser Fahrt hatten wir einen guten 
Lootsen, der vortrefflich mit dem Schiffe umzugehen verstand, so dafs die Reise 
in der verhältnifsmäfsig kurzen Zeit vom 1. bis zum 9. Dezember ausgeführt 
werden konnte. Am 15. begannen‘ wir mit der Uebernahme des Quebracho, aber 
erst am 24. Januar 1891 war die ganze Ladung im Schiffe, Der Grund für
	        
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