Taiohae auf der Insel Nuka-Hiva (Marquesas-Gruppe).
einige Regenschauer auftraten, stets schön. Die Luft war in der Regel ver-
hältnifsmäfsig kühl, denn in der Bai herrschte gewöhnlich am Tage eine frische
Briese, und nur selten trat nach 4 Uhr nachmittags Windstille auf, die dann
auch bald durch eine frische Briese vom Lande wieder aufgehoben wurde. HEinen
regelmäfsigen Wechsel von Land- und Seewind habe ich nicht wahrgenommen.
In der Nacht wehte der Wind zwar immer vom Lande gerade aus der Bai
heraus, aber es kam kein einziges Mal vor, dafs derselbe am Tage von der See
in Letztere hineinwehte, Dahingegen ereignete es sich, dafs 2 bis 3 Tage hinter-
einander unausgesetzt ein frischer ablandiger Wind herrschte. Man sieht, dafs
die Aussegelung aus der Bai in der gegenwärtigen Jahreszeit geringe Schwierig-
keiten macht, während die Einsegelung in dieselbe mehr oder weniger mit solchen
verknüpft ist. In der anderen Jahreszeit, dem südlichen Winter, sollen indefs
entgegengesetzte Windverhältnisse vorhanden sein. Mit nördlichen Winden ist
das Wasser in der Bai sehr ruhig, so dafs man zu jeder Zeit ohne irgend welche
Gefahr mit dem Schiffsboot auf den Strand laufen kann. Zur Zeit der winter-
lichen Südostwinde soll aber in der Bai manchmal eine solche Dünung stehen,
dafs selbst das Anlegen mit dem Boot an die in die Bai hinausgebaute Brücke
gefährlich ist. Im Winter besteht für die aussegelnden Schiffe die grofse Gefahr,
in der Mündung der Bai durch die Dünung und die starke‘ westliche Strömung
auf die Klippen an der Westseite getrieben zu werden, denn Ankergrund ist
nicht da, und. die Klippen steigen senkrecht vom Meeresboden in die Höhe. Vor
einiger Zeit ist das Postschiff den Klippen so nahe gekommen, dafs es seinen
Besanbaum :;an denselben abbrach, ohne auf Grund zu gerathen oder weiteren
Schaden zu erleiden. Durch die rücklaufende See wurde das Schiff immer wieder
von‘ den Klippen abgeworfen und solange von denselben freigehalten, bis es den
Booten des hier anwesenden Kriegsschiffes gelang, dasselbe auf freies Wasser
zu bringen.
Als eine vorzügliche Landmarke für die Ansegelung von Taiohae dient
ein weißer Felsstreifen, der sich ganz von oben an dem steilen Berg an der
Ostseite, nahe der Mündung der Bai, bis ans Wasser hinunterzieht und sehr
weit erkennbar ist. In der Ferne hat derselbe Aehnlichkeit mit einem sich vom
Berge herunter in das Meer stürzenden Giefsbach.
Die Eingeborenen sind fast alle dem Laster des Opiumessens verfallen
und infolge dessen im Aussterben begriffen. Wie mir von hier ansässigen
Europäern mitgetheilt wurde, erreichen sie kaum ein Lebensalter von über
30 Jahren. Die Regierung sieht dem verhängnifsvollen Vorgang ruhig zu und
thut nichts, ihn zu verhindern. Die Koncession des Opiumhandels bringt der
Verwaltung jährlich 73 000 Fres. ein.
Eine Fahrt auf dem Parana.
Bericht des Kapt. A. FRANTZ von der Bark „Vietoria“.
Am 17. Oktober 1890 gingen wir nach einer theilweisen Entlöschung
unserer Ladung von Montevideo weiter und erreichten am Nachmittage des 28,
Rosario de Santa Fe. Während dieser Reise verloren wir durch die Ungeschick-
lichkeit des Lootsen einen Anker und hatten aufserdem das Mifsgeschick, während
zwölf Stunden festzusitzen. Der Lootse liefs das Schiff nicht erst in den Wind
kommen, sondern während dasselbe bei zwar festgemachten Segeln, aber mit
einem stürmischen Südostwinde gegen den Strom anlief, bei voller Fahrt den
Anker fallen. Da nur 15 Fad. Kette überholt waren, so konnte ein Brechen der
Letzteren nicht vermieden werden,
In Rosario wurde das Schiff völlig entlöscht und Ballast eingenommen,
womit wir nach Colasting versegelten. Auf dieser Fahrt hatten wir einen guten
Lootsen, der vortrefflich mit dem Schiffe umzugehen verstand, so dafs die Reise
in der verhältnifsmäfsig kurzen Zeit vom 1. bis zum 9. Dezember ausgeführt
werden konnte. Am 15. begannen‘ wir mit der Uebernahme des Quebracho, aber
erst am 24. Januar 1891 war die ganze Ladung im Schiffe, Der Grund für