32
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1893,
mich über die Verhältnisse daselbst zu unterrichten, und fand unter Anderem fol-
gende Bemerkung: „Although the natives say that the Boca San Pedro is practi-
cable for boats, yet the French Surveyors arrived at an opposite conclusion, and
‘hat Boca Chica was the only one adviseable.“ Dies war nur eine armselige
Auskunft; doch wir segelten auf gut Glück von Mazatlan ab und gelangten am
29. Januar 1892 zum Eingang der David-Bai. Hier begegnete uns der Küsten-
dampfer „Elvira“, dessen Kapitän, Namens Saunders, uns zurief, dafs er in
einigen Tagen von Puntarenas zurückkehren und die „Theodore“ einschleppen
werde. Wir segelten darauf weiter und ankerten um 1 Uhr nachts aufserhalb
der Barre des Rio David auf einer Wassertiefe von 175m — 9 Fad. —, wie
sich bei Tagwerden herausstellte, ungefähr 1 Sm von der Brandung entfernt, die
Südostspitze von San Pedro (die westlichste der Inseln, welche das Delta des
Rio David bilden) in mw. Nord. Soweit wir von oben sehen konnten, war
nichts am Strande zu entdecken, was einer menschlichen Niederlassung ähnlich
schien, und unsere Lootsenflagge wehte den ganzen Tag vergeblich vom Top.
Am nächsten Morgen fuhren wir in unserm Boot in nordwestlicher Richtung ent-
lang der Brandung bis in die Nähe des Strandes von San Pedro, konnten aber
keinen Eingang finden. Beim Zurückrudern sahen wir ostwärts vom Schiffe ein
Kanoe auf dasselbe zukommen. Die Insassen waren drei Indianer und ein
Weißer, der sich unter Uebergabe einer Abschrift unserer Charterpartie als den
Lieferanten der einzunehmenden Gelbholzladung vorstellte. Derselbe theilte mir
mit, dafs ein gutes Fahrwasser mit einer Tiefe von 7,3 m — 24 Fufs — in den
Fluß hieinführt, Nachdem wir an den beiden folgenden Tagen einen Theil
ınseres Ballastes gelöscht hatten, gingen wir am 2. Februar um 8 Uhr morgens
im Schlepptau eines Dampfers ankerauf. Wir fuhren etwa 1 Sm ostwärts bis
zum Eingange des Fahrwassers und bogen langsam nordwärts um die Brandung
berum in dasselbe hinein. Das Fahrwasser wendet sich an der iunern Seite der
Bänke nach West, so dafs man einsegelnd die Südostspitze von San Pedro 3 bis
4 Striche an St. B. hat. Eine kurze Strecke weiter nimmt die innere Seite der
Aufsenbank eine nördliche Richtung an. Wir steuerten auf nordöstlichem Kurse
in einem geringen Abstande der Küste von San Pedro entlang und dann, nach
Nord aufbiegend, in unmittelbarer Nähe um die Südostspitze der Insel herum
in den Flufs hinein. Eine Seemeile weiter aufwärts ankerten wir auf einer
Wassertiefe von 9m — 5 Fad.
Von unserem äufsern Ankerplatz nahm die Wassertiefe auf dem von uns
befahrenen Wege allmählich von 16,5 m — 9 Fad. — bis auf 6,7 m — 22 Fuß —
ostwärts der ersten Brandung ab. Diese geringste Wassertiefe behielten wir
während der Zeit von drei bis vier Lothwürfen; dann nahm dieselbe wieder zu
and hielt sich auf durchschnittlich 9,2m — 5 Fad. — bis zu unserm Anker-
platze im Flusse, Nur unter der Südostspitze der Insel San Pedro fand sich
eine gröfsere Tiefe von 13m — 7 Fad. Auf der Barre war sehr wenig Dünung
vorhanden, und das Fahrwasser ist nach meiner Meinung in der guten Jahreszeit
ein durchaus sicheres. Sonderbarerweise wird es bis jetzt nur von den beiden
Dampfern benutzt, nicht aber von den hiesigen Küstenfahrern, welche selbst bei
einer Bestimmung nach Puntarenas den großen Umweg durch die Boca Chica
nehmen. Wenn ersteres Fahrwasser, die Boca San Pedro, ordentlich ausgelothet
und betonnt wäre, so wülste ich keinen Grund, weshalb Schiffe mit einem Tief-
gange bis zu 4,9m — 16 Fuß — bei der beständigen Seebriese nicht einsegeln
sollten. Das Inseegehen unter Segeln würde schon eher Schwierigkeiten mit
sich führen, aber im Winterhalbjahr, wenn des öftern kräftige Nordwinde hier
auftreten, würde man auch für diesen Zweck nicht allzu lange auf eine gute Ge-
legenheit zu warten haben.
Ciudad de David, die Hauptstadt der Provinz Chiriqui, liegt etwa 10 Sm
von der See an dem westlichen Flußsarme. Für die Einwohner war die Ankunft
der „Theodore“ ein grofses Ereignifs, denn bisher war noch kein gröfseres Seeschiff
den Rio David oder Chiriqui, wie der Flufs eigentlich heifst, eingelaufen. Nur
Küstenfahrer, Segler von 50 und zwei kleine Dampfer von 200 Reg. T. hatten
den jungfräulichen Strom befahren. Als daher „Theodore“, eine Bark von
680 Reg. T., mit der deutschen Flagge stolz von der Gaffel wehend, auf ihrem
Ankerplatz lag, kamen jeden Tag Indianer von nah und fern, zu Pferd oder in
Kanoes, um sich dieses Wunder in der Nähe zu besehen. Aber auch von Pe-