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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1893. 
Die Strömungen in der Mündung des La Plata und vor derselben sind 
gänzlich vom Winde abhängig, und nur oberhalb von Indio-Point wechseln 
Gezeitenströme, die aber bei steifen nordwestlichen und südöstlichen Winden auch 
ft nicht zur Geltung kommen. Bei steifen südlichen Winden ist die Schiffahrt 
unter der Küste zwischen Montevideo und Maldonado wegen des gerade auf sie 
zusetzenden Stromes mit grofser Gefahr verbunden. Als wir eines Tages bei 
einem stürmischen Südwinde hinter der Englischen Bank, 8 Sm WNW vom 
Feuerschiff vor Anker lagen, haben wir 36 Stunden hindurch nicht weniger als 
3 Knoten Strom nach NNO geloggt. 
Segelt man bei unsichtigem Wetter von Montevideo nach Indio-Point und 
hat keinen Lootsen an Bord, so ist grofse Vorsicht geboten, weil man nicht 
weiß, wie die Strömung setzt. In der Regel läuft diese quer zum Kurse des 
Schiffes, entweder nach NW oder SO. Das Loth giebt dann den einzigen Anhalt. 
Nördlich vom La Plata bis Sta. Catharina ist die Strömung vorherrschend 
südwestlich, und zwar bis ganz nahe an die Küste, Uebrigens wird dieser Strom 
mitunter durch einen nordöstlichen aufgehoben und dies nicht nur bei südwest- 
lichem, sondern auch bei nordöstlichem Winde. Im letzteren Falle lief dann 
aber in der Regel eine hohe südwestliche Dünung, wohl eine Folge eines weiter 
züdwärts wehenden Südweststurmes, durch den auch gewifs der nordöstliche Strom 
hervorgerufen wurde, Gelegentlich haben wir auch trotz südwestlicher Winde 
einen starken Südweststrom gefunden. 
Paranagua. Die Ansegelung dieses Hafens ist unter Zuhülfenahme der 
vorhandenen Segelanweisungen und Karten nicht schwer; dennoch würde ich es 
von einem Unbekannten für gewagt ansehen, ohne einen Lootsen über die Barre 
zu segeln. Wenn letztere passirbar ist, kommen die Lootsen am Tage früh genug 
mit einem Kanoe heraus, Gelangt man in der Nacht in die Nähe des Bestimmungs- 
artes, so muß man zeitig genug beidrehen. Bei klarem Wetter hält man am 
besten das Feuer der Spitze Conxzas in NW, bei unsichtigem Wetter und südöst- 
lichem Winde ist es unsicher, dieses Feuer überhaupt in Sicht zu bekommen. 
Lootsenzwang ist nicht vorhanden, auch haben die Lootsen keine feste Taxe, 
weshalb man bei der Annahme eines solchen akkordiren mufs. Ich bezahlte für 
das Ein- und Auslootsen der „Atlantic“ zusammen gewöhnlich 40 Milreis. Sollte 
nan aber, wie es mir im Juli d. J. erging, gezwungen sein, ohne einen Lootsen 
über die Barre zu segeln, so darf dieses nicht, wie in der Segelanweisung 
angegeben ist, mit dem Feuerthurm der Spitze Conxas im NW geschehen, weil 
dieser Kurs über das Ende der Nordbank führt, woselbst bei Niedrigwasser nur 
3,7 m (12 Fufs) '"Fiefe vorhanden ist, sondern der genannte Feuerthurm ist in 
nw. NWzN zu bringen und auf diesem Kurse zunächst gerade auf denselben zu- 
zusteuern, Dann passire man die Spitze Conxas in einem Abstande von 2 Kabellg. 
and ankere nördlich von derselben in der Bai, zwischen ihr und der Festung, 
Letztere zu passiren ist nicht rathsam, weil vor derselben mehrere Felsen unter 
Wasser vorhanden, und die Bojen, welche dieselben bezeichnen sollen, oftmals 
nicht am Platze sind. Auch die grofse Ansegelungsboje der Barre war während 
meiner Besuche nicht auf ihrem Platze und wird auch wohl sobald nicht wieder 
ausgelegt werden. Zum Zweck des Beladens der Schiffe sind in Porto de Agua 
(Paranagua) drei hölzerne Brücken gebaut, an welche Schiffe mit einem Tief- 
gange bis 4,6 m (15 Fufs) anlegen können. 
Eine sonderbare Erscheinung in der Bai von Paranagua ist das Auftreten 
doppelter Gezeitenströme zur Springzeit, über deren Ursache ich hier nichts in 
Erfahrung bringen konnte. Aufserhalb der Barre setzt die Fluth nach NO, die 
Ebbe nach SW, jede mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 2 Knoten. Auf der 
lachsten Stelle des Fahrwassers der Barre, von der aus der Feuerthurm der 
Spitze Conxas mw. NNW?/AW peilt, bleiben bei Niedrigwasser 4,9 bis 5,5 m 
416 bis 18 Fuß) Wasser stehen. 
Frisches Fleisch und Früchte sind in Paranagua stets zu mäfsigen Preisen 
erhältlich, Gemüse und Dauerproviant selten und dann theuer. Das Klima ist 
im Winter gesund, und es kommen dann, abgesehen von gelegentlichen Wechsel- 
Gebern, schlimme Krankheiten nicht vor. Im Sommer dahingegen tritt auch 
hier nicht selten das gelbe Fieber auf, doch glaube ich, dafs es in solchem Falle 
von Rio de Janeiro oder Santos eingeschleppt worden ist, 
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