Aus dem Reisebericht des Kapt. J, Janssen von der Brigg „Atlantic“, 389
dem, was über dieselben in den Segelhandbüchern und mehrfach in diesen Annalen
gesagt ist, gefunden. Ueber die Stürme, die hier auftreten, sind aber, soviel
ich weiß, die Berichte noch recht mangelhaft. Ihre Häufigkeit und Stärke
bezeugen die vielen Verluste an Stängen, Raaen etc. und selbst der ganzen
Takelung, welche die Schiffe nöthigen, auf dem La Plata und in nahe gelegenen
Häfen binnen zu laufen.
Die unter dem Namen „Pamperos“ bekannten Stürme, welche ihre Ent-
stehung barometrischen Depressionen, die in östlicher und südöstlicher Richtung
fortschreiten, verdanken, sind in zwei Klassen einzutheilen, in die der Winter-
und Sommerstürme. Die Pamperos, welche in der Zeit des südlichen Sommers
auftreten, sind von einer geringen Ausdehnung und von kurzer Dauer.
Sie beginnen gewöhnlich bei beständigem Fallen des Barometers mit dem
Winde von NE bis Nord, während sich gleichzeitig die cir-s in ni verwandeln
und es anfängt leicht zu regnen. Meistens findet dabei im Norden, Nordwesten
und Westen Blitzen und Donnern statt. Wenn der Luftdruck ungefähr seinen
tiefsten Stand erreicht hat, wird der Regen, indem er in dicken Tropfen fällt,
stärker, und ein ganz eigenthümliches Blitzen zeigt sich in der südwestlichen
Kimm. Jetzt heifst es für den Seemann, auf seiner Hut sein, um den bald von
SW mit voller Kraft einfallenden Sturm aushalten zu können. Der anfängliche
Nordost- bis. Nordwind wird in der Nähe der Küste höchst selten stürmisch,
niemals aber geschieht dieses plötzlich, weshalb man trotz des fallenden Baro-
meters seinen Kurs ruhig fortsetzen kann. Erst wenn dieses bis auf 750 mm
heruntergegangen ist, wird es Zeit, alle Segel bis auf die Untermarssegel, und
wahrscheinlich auch noch das Voruntermarssegel rasch festzumachen. Das Ein-
fallen des Sturmes von SW ist meistens von verschiedenen elektrischen Er-
scheinungen begleitet, besonders auch von Elmsfeuer. Ferner findet bei diesem
Vorgange starkes Meerleuchten statt.
Meiner Meinung nach sind die schweren Stürme, die man, von Kap Horn
kommend, oftmals in 40° bis 45° S-Br antrifft, dieselben Pamperos, nur dafs sie
auf dem Ocean einen gröfseren Umfang angenommen haben und von einem
tieferen Barometerstande begleitet. sind.
Die Pamperos treten, wie schon bemerkt, auch im Winter auf, und zwar
unter den nämlichen Erscheinungen, nur mit dem Unterschiede, dafs sie jetzt ein
größeres Feld einnehmen und nicht selten 3 bis 4 Tage anhalten. Dabei kommt
es denn oft vor, dafs das Centrum der Depression nördlich vom La Plata ostwärts
fortschreitet, wodurch hier die schweren nicht selten grofsen Schaden verursachenden
Ost- und Südoststürme hervorgerufen werden, wie dieses beispielsweise am 21,
und 22. August 1889 der Fall war. Bei diesem Sturm, der auf dem La Plata
fürchterliche Verheerungen anrichtete, fiel das Barometer auf 722,6 mm (unred.).
„Atlantic“ lag während der Zeit auf der Rhede von Buenos Ayres hinter beiden
Ankern mit der ganzen Kette aus und ist ohne Schaden davongekommen.
Eine andere Art von Pamperos, die ebenfalls in den Wintermonaten häufig
sind, kündigen sich nicht durch irgend welches schlechte Aussehen der Luft
an, sondern ihr Herannahen ist allein durch das Fallen des Barometers angedeutet,
Glücklicherweise fallen sie nur ganz ausnahmsweise plötzlich ein und sind in der
Regel nicht schwer. Der Hergang ist folgender: Bei frischen oder steifen
nordwestlichen Winden und sehr schönem Wetter nimmt der Luftdruck langsam,
aber beständig ab. Die Luft wird währenddessen gewöhnlich rein und klar, und
nur zuweilen zeigen sich im SW und Süden leichte cir und cir-s. Dieser Witterungs-
zustand kann einen halben bis zwei Tage anhalten. Mit dem tiefsten Stande des
Barometers wird der Nordwestwind ganz flau; das Wetter ist aber noch so schön
und klar wie zuvor. Nichts als nur das Fallen des Barometers deutet den
kommenden Sturm an.
Nachdem dann einige Stunden Stillen und Mallungen geherrscht haben,
kommt Briese aus südlicher Richtung durch, die gewöhnlich innerhalb einer
Stunde bis zum Sturm anwächst, wobei die Luft ein drohendes Aussehen annimmt.
Die Dauer dieser Stürme ist sehr verschieden; meistens halten sie, südöstlich
holend, tagelang an, zuweilen aber holt der Wind bei gleicher Stärke, mitunter
auch sogar zunehmend, auf SW.
Im Sommer hat man manchmal an einem Tage mehrere Pamperos, die
dann die meiste Aehnlichkeit mit schweren Gewitterböen haben.