Häfen und Inseln zwischen Shanghai und Wentshau.
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umfaßt ein grofses Wohnhaus und fünf andere, viel kleinere Gebände, die als
Magazine und Observatorien benutzt wurden.
Die „Manche“ fand 1892 Alles in gröfster Unordnung vor; überall waren
die Thüren fortgerissen. Die Dächer schienen in gutem Zustande zu sein; Spuren
von Feuchtigkeit zeigten sich nirgends.
Etwas nordwärts von den Häusern liegt das Grab der 15 Männer, die im
September 1872 von der vorzeitigen Ankunft des Packeises an der Nordküste
überrascht und zum Ueberwintern an dieser Stelle gezwungen waren. Obgleich
sie mit Lebensmitteln reichlich versehen waren, erlagen sie alle dem Skorbut.
Die Küste wird am Fufse des Abhanges von gefährlichen Untiefen ein-
gefafßst, die das Landen der Boote bei Brandung sehr erschweren. G. W.
Häfen und Inseln zwischen Shanghai und Wentshau.
Aus dem Thätigkeitsbericht S. M. Knbt. „Wolf“, Kommandant Kapt.-Lieut, KRETSCHMANN,
für April und Mai 1893.
(Hierzu die Tafel 8.)
S. M. Kabt. „Wolf“ verliefßs Shanghai am 8. April d. J. zum Antritt einer
sechswöchentlichen Kreuztour. Nach Passiren der Wusung-Barre um 7 Uhr
10 Minuten vormittags steuerte ich den Yangtse-Kiang abwärts und ging abends
7 Uhr südlich der Vulcano-Inseln zu Anker, da ich an diesem Tage Ningpo,
welchen Platz ich zunächst aufzusuchen beabsichtigte, nicht mehr erreichen
konnte. Am nächsten Morgen setzte ich die Reise fort und traf um 10 Uhr vor-
mittags vor Tshinhae ein, woselbst nach den Angaben des Kreuzerhandbuches
Lootsen für den Yung-Flufs zu haben sein sollen.
Da jedoch ein halbstündiges Zeigen der Lootsenflagge keinen Erfolg hatte,
so ging ich ohne Lootsen den Yung-Fluß hinauf und langte mittags 12 Uhr
vor Ningpo an, woselbst ich querab von der europäischen Ansiedelung zu
Anker ging.
Hinsichtlich: der Lootsenverhältnisse habe ich nachträglich in Erfahrung
gebracht, daß nur ein Lootse (Engländer) am :Orte und daher auf Anwesenheit
eines solchen vor Tshinhae nicht mit Sicherheit zu rechnen ist.
Nach zehntägigem Aufenthalte verließ ich Ningpo und hielt mich zwei
Tage vor dem an der Mündung des Yung-Flusses gelegenen, ziemlich stark be-
festigten Tshinhae auf,
Am 22. setzte ich die Reise fort und steuerte ostwärts durch den Kintang-
und Bell-Kanal, um die bedeutendste Insel des Tshusan-Archipels mit gleichem
Namen, bezw. die auf Tshusan gelegene Hauptstadt Tinghae zu besuchen. Vor
dieser Stadt ging ich am 22. nachmittags 5 Uhr zu Anker.
Die Gegend um die Stadt sowie die ganze Insel ist sehr fruchtbar (man
nennt Tshusan den Garten von Shanghai), es werden Reis, Gerste, Bohnen, Yams und
Gemüse aller Art gewonnen. An Schiffsbedürfnissen sind hier frisches Rind-
fleisch, Gemüse und Fische zum respektiven Preise von 10, 3 und 6 Cents für
1 engl. Pfund zu erhalten. ;
Tinghae ist ein sehr guter, von allen Seiten durch Inseln geschlossener
Hafen mit gutem Ankergrund und nur geringer, kaum merklicher Gezeiten-
strömung, welcher sich vortrefflich zum Abwarten von schlechtem Wetter und
selbst von Taifunen eignet. ;
Ich beschlofs, den in der Segelanweisung als Taifun-Hafen bezeichneten
Hafen von Tshinkeamun zu rekognosciren und sodann von dort aus die den
Buddhisten heilige, landschaftlich sehr schöne Insel Putu zu besuchen.
Zu diesem Zweck verlief ich am 25. mittags den Hafen von Tinghae,
ging südlich durch den Deer Island-Kanal und darauf ostwärts durch die Süd-
westeinfahrt in den Hafen von Tshinkeamun, woselbst ich um 2 Uhr nachmittags
ankerte. Von hier aus lothete ich die östliche Durchfahrt zwischen der Südost-