v. Horn; A.: Die Sturmfluten längs’ den Nordsee- und den. Zuiderzee-Küsten. usw, 8323
Aufwehung in der Lauwerzee über einen Abstand von 22 km (382—328) — 59 cm
betragen hat. Setzt man nun die Aufwehung proportional zu der Länge des
Arbeitsweges und umgekehrt proportional zur Tiefe des Seegebietes, über. das
sich die Wirkung erstreckt, und läßt die Gelegenheit zum Wasserabfluß
in der übrigbleibenden Zuiderzee unberücksichtigt, so kann.man von der
Linie Helder— Vlieland bis Harlingen eine örtliche Aufwehung ‚in Harlingen von:
31.5 46
23 575 == 68 cm
und in Piaam von
38,5 46
59 "57,5. 9 > 83 cm
erwarten.
‘Die totale Aufwehung bei Harlingen und. Piaam wird dann 283 und 298 cm,
wodurch somit ein Wasserstand von bzw. 283 + 116 = 8399 und 298 +116 ==. 414 cm
+ N. A.P. entstehen kann, .
Der zu erwartende Wasserstand läßt sich noch auf einem dritten Wege
annähernd bestimmen. Seit 1825 betrug der mittlere höchste Wasserstand in
der Verbindungslinie Petten — Nes 299 cm -+ N.A.P. Unter Hinzufügung der
örtlichen Aufwehung in der Lauwerzee von bzw. 68 und 83cm erhält man für
Harlingen 867 und für Piaam 882 cm + N. A-P. Xu
Man gelangt somit auf diesen drei verschiedenen Wegen zu folgenden
Ständen:
X
©
Harlingen . .ı 370 ‚299 | 367
Piaam ... :] 379 414 | 382
Die Werte unter a und ce stimmen. befriedigend überein, während ‘die
unter c keine Rücksicht. auf die Gelegenheit zum Wasserabfluß nehmen. ‘Bei den
die. Werte unter a und b ergebenden Berechnungen ist angenommen: 0
1. Eine übertriebene Amplitude der astronomischen Tide; Ca
2, daß die Tide in einen günstigen Monat für die Sa-Tide fällt;
3. daß die Tide eine sich rasch entwickelnde Springtide ist; a
4. daß der Zeitpunkt vom astronomischen: Hochwasser mit dem Zeitpunkt
der größten Aufstauung zusammenfällt; ;
.. 5. daß die Aufstauung‘ über die ganze Oberfläche zu gleicher Zeit auftritt
und ; ;
6. daß die Aufstauung wiederum denselben großen Wert erreichen wird.
Die Wahrscheinlichkeit des gleichzeitigen Eintreffens dieser Annahmen ist
äußerst gering und ist für 4, allein 1:1145, die beim Zusammentreffen mehrerer
Faktoren noch geringer ist. Aus der Untersuchung geht also hervor: ;
1. daß in Harlingen unter den jetzigen Verhältnissen ohne Abschlußdeich
ein wesentlich höherer Wasserstand als 887 em + N. A, P. (252. + 85 cm) nicht erreicht
werden kann;
2. daß nach Herstellung des Abschlußdeiches. dieser sehr hohe Stand um
einen zwischen 833 (370-—837) und 62 cm (8399 —337) schwankende. Betrag übertroffen
werden kann;
. 3. daß bei Vorhandensein des Abschlußdeiches die in Harlingen erreichten
Stände wahrscheinlich um einen: zwischen 52 und 60 cm schwankenden Betrag
übertroffen werden, d. i.um 23 cm (Nipptide) oder 31cm (Springtide) für die
Erhöhung der astronomischen Tide und 68 — 39 = 29 cm für örtliche Aufwehung.
_ Die außer Rechnung gelassene Erhöhung der Sturmaufstauung in der Linie
Helder — Vlieland nach Abschließung ist äußerst gering, während die genannten
Erhöhungen sehr groß bemessen sind,
Ohne die der Sicherheit wegen eingeführte Erhöhung der astronomischen
Tide würde die zu erwartende Erhöhung der Sturmflutstände infolge Abschließung
nur 29 cm für die Friesische Küste betragen.