379
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1893.
der grofsen Südlagune bildet. Die Bois flotte-Bucht dehnte sich früher bis an
den Rand der Hügel des Mittelrückens aus. Das Treibholz, von dem die Bucht
den Namen hat, findet man an der Nordküste der Lagune.
Ver Ankerplatz in der Bois flotte-Bucht ist gegen nördliche bis west-
liche Winde geschützt. Sobald der Wind auf die Küste zu steht, ist heftige
Brandung am Strande. 1892 ankerte die „Manche“ in 22 m Tiefe, etwa 1500 m
vom Strande ab in folgenden rw. Peilungen: Südkante der Eier-Insel in N 74° O;
Säule in N 65° W.
Die Südlagune, die erst vor Kurzem entstanden ist, ist viel gröfser als
die Nordlagune. Sie ist 3 Sm lang und !/z Sm breit. Ihr Wasser ist Regen-
wasser; die Wassertiefen wechseln zwischen !» und 1m. Die äufsere Düne hat
sich allmählich da gebildet, wo die holländischen Karten den Ankerplatz verzeichneten.
Professor Karl Vogt hat zuerst, 1861, das Bestehen dieser Lagune an-
gekündigt. Diese Erweiterung des Umfanges der Insel rührt nicht nur von den
Meeresablagerungen und von den Gletscherschiebungen her; sie ist vielmehr
‘heilweise auf eine Bodenhebung zurückzuführen.
Die Säule heißt eine spitze Klippe von 121 m Höhe, am Nordufer der
Lagune; sie bildet eine gute Landmarke.
Die Eier-Insel ist jetzt eine Halbinsel; doch als Scoresby sie sah, 1817,
war sie noch vom Festlande getrennt. Er verzeichnete auf seiner Karte zwei
anterseeische Tandzungen, die dem Lande zulaufen; es sind die Anfänge der
Landengen, die jetzt die kleine Insel mit Jan Mayen verbinden,
Die Eier-Insel, die 183 m hoch ist, ist ein Krater, auf dem man häufig
Pampfausstöfse bemerken kann. Die innere Wärme der aus Tuffstein und Asche
bestehenden Kuppe ist immer beträchtlich. Der in den Spalten sich aufhäufende
Schnee schmilzt sogar während des Winters.
Mehrmals sind auf Jan Mayen Erdbeben beobachtet worden, sowie Rauch-
säulen, die sich aus verschiedenen Kratern erhoben,
Ein Steinhaufen (cairn) mit einem Wegweiser, der die Richtung nach den
Häusern der österreichischen Station angiebt, ist 1883 am Fufse der HEier-Insel
zurückgelassen worden,
2. Spitzbergen.‘)
Allgemeines, Spitzbergen setzt sich aus zwei Hauptmassen, die durch
die Hinlopen-Strafse getrennt sind, sowie aus einer grofsen Zahl von Inseln
1) Spitzbergen wurde von den alten Walfischfängern zu Grönland gerechnet; auch Scoresby
nennt es noch „Spitzbergen or East Greenland“. Im Gegensatz hierzu bezeichnete man die östliche
Küste Grönlands mit „West-Grönland“.
Entdeckt wurde Spitzbergen auf der berühmtesten Nordlandfahrt des 16. Jahrhunderts,
Schon mehrere Jahre vor seinem Tode (der am 2. Dezember 1594 eintrat) haıte Gerhard Mercator
Jarauf aufmerksam gemacht, dafs die Reise nach Kathay auf dem nordöstlichen Wege kurz und
ljeicht ausführbar sein müsse, In Amsterdam hatte der eben so eifrige Kartograph wie Prediger
Peter Plancius — nachdem zwei Versuche mifsglückt waren, die H. van Linschoten, einmal
m Auftrage des Rheders Moucheron und das andere Mal mit sieben von den Generalstaaten
selbst ausgerüsteten Schiffen gemacht hatte — die Stadt zur Ausrüstung von zwei Schiffen zum Auf-
suchen der nordöstlichen Durchfahrt angeregt. Der Staat setzte eine Belohnung von 25000 Gulden
auf die Entdeckung der Durchfahrt aus. Den Befehl über den Seezug erhielt Jakob van Heems-
zerk, der sich später im Kampf gegen die Spanier noch grofsen Ruhm erwarb; als Pilote (Hochsee-
lootse) war ihn Willem Baren:szoon beigegeben. Der wissenschaftliche Begleiter der Fahrt
war der Kosmograph Garrit de Veer, dessen ausführlicher Reisebericht uns die Kunde von der
Kühnheit und riesigen Willenskraft jener Nordfahrer überliefert hat. Die Schiffe gingen am 18. Mai 1596
in See und sichteten am 19. Juni die Südküste Spitzbergens, die sie für die ostgrönländische Küste
hielten. Erst 11 Jahre später wurde Spitzbergens Küste zum zweiten Male besucht uud zwar von
Henry Hudson, der am 23. April 1607 aus London absegelte, um graden Wegs über den Nordpol
nach China zu segeln. Von der grönländischen Küste, die er am 13. Juni in 671/2° N-Br erreichte,
zegelte er nordostwärts. Des KEises wegen konnte er nicht höher als auf 81° N-Br kommen und
wurde gezwnngen, längs der spitzbergischen Westküste zurückzukehren. Dabei entdeckte Hudson
in den von ihm besuchten Gewässern reiche Wal- und Robben-Fangplätze. Infolge dessen erschienen
schon 1608 die ersten englischen Walfänger bei Spitzbergen. Eine genauere Erforschung Spitzbergens
machte 1610 Kapt. Jonas Poole im Auftrage der „Company for the Discovery of unknown coun-
iries“. Damit begannen die regelmäfsigen Sommerfahrten der Engländer nach Spitzbergen; schon
1612 erschienen die ersten holländischen Waltänger bei den Inseln und geriethen mit den Engländern
in Streitigkeiten, da die Holländer Spitzbergen, die Entdeckung ihres Landsmannes Barentsz, für
sich beanspruchten. 1613 waren die Engländer mit sieben theilweise bewaffneten Schiffen die Herren
des Gebiets; sie vertrieben vier holländische und sechs französische Schiffe, nachdem sie sie des