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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

an 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1893. 
Die Rhede von Mazatlan — den Ausdruck Hafen kann man nicht gut 
vebrauchen — ist gegen Winde von West durch Nord nach SE geschützt und 
kann daher für die Zeit von Oktober bis Juni — die gute Jahreszeit — in 
der die Winde aus dieser Richtung vorherrschen, als ziemlich sicher bezeichnet 
werden. Nur wenn ein stürmischer SW-Wind, ein sogenannter Cordonazo de 
St. Francisco, auftritt, ist der Ankerplatz ein unsicherer, und die anwesenden 
Schiffe flüchten dann, wenn irgend möglich, nach See. Nach dem North Pacific 
Directory soll dieser Sturm nach der Mitte November nicht mehr zu erwarten 
3ein, allein nach der Behauptung des hiesigen Lootsen, die mir auch vom 
Deutschen Konsul bestätigt wurde, tritt derselbe mitunter noch im Januar und 
Februar auf, wobei viel Unheil angerichtet wird. Im Ganzen sind Stürme seltene 
Gäste während der guten Jahreszeit. Regelmäfsig um 10 Uhr vormittags setzt 
die Seebriese leicht von SSW ein, um, westlicher holend und allmählich auf- 
frischend, zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags ihre gröfste Stärke zu erlangen. 
Dann flaut der Wind wieder ab, läuft am Abend durch NW auf NE und weht 
während der Nacht als eine schwache Landbriese, die sich gegen 8 Uhr morgens 
in Windstille auflöst. Es kommt aber auch vor, daß während mehrerer Tage 
ein steifer West- bis NW-Wind weht, der aber keine hohe See hervorruft, so 
dafs das Entlöschen der Schiffe keine Unterbrechung dadurch erleidet. 
Der Strom auf der Rhede von Mazatlan setzt bei tauber Gezeit leicht 
nach SO, bei Neu- und Vollmond aber mit einer bedeutenden Geschwindigkeit 
(vön 2 bis 21% Sm die Stunde) nach NW. 
Das Wetter ist während der gegenwärtigen Jahreszeit stets schön. Wir 
hatten vom 25. Öktober bis zum 16. Dezember 1891 nur an zwei Tagen etwas 
Regen bei dem gewöhnlichen Barometerstande, gewitterhafter Luft und sehr ver- 
änderlichem Winde, 
Das Löschen von Stückgütern geht gewöhnlich nicht sehr schnell. Morgens 
yegen 6! Uhr kommt ein Leichter von 25 bis 40 Tonnen Tragfähigkeit längs- 
seits, und nur wenn es gelingt, denselben gegen 10 Uhr vormittags zu beladen, 
ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, an diesem Tage noch einen zweiten Leichter 
zu bekommen. Wird es später, dann nicht, denn nach 2 Uhr nachmittags dürfen 
keine Güter mehr gelöscht und um 3 Uhr müssen die Luken geschlossen und 
versiegelt werden, Während der ganzen Zeit befindet sich ein Zollwächter an 
Bord, der nur am Sonnabend Abend an Land geht und am Montag Morgen 
zurückkehrt. Die Beamten passen sehr scharf auf ihren Dienst, so dafs 
Schmuggeln ein gewagtes Unternehmen ist; im Uebrigen sind sie freundlich und 
zuvorkommend. Fast alle Güter, außer Kohlen, sind einem hohen Eingangszoll 
unterworfen, ferner haben die Empfänger für jede Tonne eine Landungsgebühr 
von 1!/2 Doll., ein sogenanntes Tonnengeld, zu zahlen. 
Das Lootsengeld beträgt für jeden Fufßs Tiefgang des Schiffes einkommend 
sowie ausgehend, jedesmal 1!/2 Doll. nebst einem besondern Aufschlag von 3 Doll. 
für das Boot. Der Lootse hält stets einen scharfen Ausguck und kommt immer 
rechtzeitig bei einem ansegelnden Schiffe an Bord. 
An Feuergeld hatte „Theodore“, ein Schiff von 680 Reg. T., ausgehend 
24 Doll. zu zahlen, während das einkommende Feuergeld dem Ladungsempfänger 
zur Last fiel. Der Sandballast kostete 85 Cents die Tonne; bei diesem Preise 
hat man ihn selber zu übernehmen. Im trocknen Zustande ist dieser Ballast 
reiner Staub, der sehr leicht übergeht und daher im Schiff gut befestigt 
werden muß. 
Die Kaufleute in Mazatlan sind recht zuvorkommend und namentlich den 
Schiffen gegenüber nachsichtig, so dafs sie nicht, wie es vielerorts der Fall ist, 
für jeden kleinen Schaden, manchmal gar nur in der Verpackung der Waaren, 
Schadenersatz verlangen. 
Wind und Wetter an der Westküste von Mexiko während der guten Jahreszeit 
(Winter und Frühling). 
Wenn man im September oder Oktober den Aequator östlich von 105° W-Lg 
schneidet, behält man auf seinem Wege nach Norden den Südost-Passat, begleitet 
von einem starken westlichen Strom, gewöhnlich bis nach 3° oder 4° N-Br. Hier 
holt der Wind bei schönem Wetter langsam durch Süd nach SW, wobei der
	        
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