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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1893. 
Günstigste Zeit. In den Jahren, wo das Eis an den isländischen Küsten 
sehr reichlich ist, scheint Jan Mayen am leichtesten zugänglich zu sein. Diese 
Thatsache ist 1883 und 1892 beobachtet worden, Dagegen sah man 1891 fast 
gar kein Eis in Island, während Jan Mayen das ganze Jahr hindurch hlockirt blieb. 
Zwischen dem 15. Juli und 15. August hat man die meiste Aussicht, das 
Meer dort frei zu finden. Um dieselbe Zeit kann man ohne zu grofßse Schwierig- 
keiten bei Windstille oder bei leichter Landbriese auf Jan Mayen landen. So- 
vald die Dünung sich fühlbar macht und an den Küsten brandet, wird die 
Landung unmöglich. 
Landung auf Jan Mayen. Ein von SO kommendes Fahrzeug sichtet 
den Beerenberg bei klarem Wetter schon auf grofse Entfernung. Bei Nebel, 
der hier am meisten herrscht, muß man verschiedene Vorsichtsmalsregeln treffen 
und die Wasserwärme stündlich beobachten. So lange das Wasser nicht kälter 
als + 3° wird, braucht man das Zusammentreffen mit Kismassen nicht zu befürchten. 
Die Küste zwischen dem Nordost- und Südostkap erstreckt sich in Nord- 
bis Südrichtung und ist frei von Gefahren. Man kann daher ohne Bedenken auf 
sie zulaufen; die weilsen Flächen der Gletscher sind schon aus gutem Abstande 
zu erkennen, wenn der Nebel nicht allzu dick ist. 
Die Nähe des Landes wird durch die Meeresvögel, Taucherenten und 
Möven, angezeigt, die in grofsen Schaaren das Schiff umschwärmen. Wenn diese 
Vögel auf dem Lande sind, kann man an dem Geräusch, das sie machen, die 
Lage der Abhänge erkennen, die sie bewohnen. Dieses Geräusch erinnert an 
jas Brausen eines fernen Wasserfalles. 
Während des Nebels kommt es oft vor, dafs der Gipfel des Beerenberges 
plötzlich frei wird und zwischen den Wolken mit überraschender Deutlichkeit 
erscheint. Dann kann man seinen Kurs danach verbessern, um um das Nordost- 
kap herum zu gehen, wenn man sich auf den Ankerplatz der Mary Muss-Bucht 
begeben will. 
Das Nordostkap ist eine Spitze von mittlerer Höhe; es lehnt sich an 
steiles Land an. Gewöhnlich kann man seine Umrisse genau genug unterhalb 
der Nebelbänke erkennen. Wenn der Nebel nicht ganz dick ist, kann man sich 
bis zum Ankerplatz hin in Sicht des Fulssaumes der Küste halten. 
Die Mary Muss-Bucht. Sie liegt im Norden von der mittleren Landenge, 
zwischen dem Vogelberg und dem Brielle-Thurm; beide Punkte springen nur 
wenig aus der Küstenlinie hervor, sind aber leicht zu erkennen. 
Der Vogelberg ist ein großer steiler Felsen von 168 m Höhe, dessen aus- 
gezackte Spitze Aehnlichkeit mit dem Zinnenkranze einer Festungsruine hat. Er 
wird von Millionen von Vögeln verschiedener Art bewohnt, die auf den Kanten 
der wagerecht gelagerten Gesteinschichten sitzen. Die Vögel machen betäu- 
benden Lärm. 
Ankerplatz in der Mary Muss-Bucht. Der Ankerplatz der „Manche' 
lag in folgenden rw. Peilungen: Vogelberg in Ust; Blyttberg in S 33° O0; Pola-Riff 
in S 40° W. Dieser Punkt liegt ungefähr 1200 m vom Strande entfernt. Man 
findet dort Tiefen von 22 m; der Ankergrund, aus schwarzem Sand bestehend, 
ist gut. Kleine Fahrzeuge können näher unter Land ankern und finden in 400 m 
Abstand vom Strande Wassertiefen von 13 m. 
Der Ankerplatz in der Mary Muss-Bucht ist gegen Winde aus Süd, SO 
und Ost geschützt; bei nördlichen und westlichen Winden muls man den Anker- 
platz verlassen. Man mufßs fortwährend auf Eisberge achten, die sich in der 
ganzen Umgebung von Jan Mayen mit grofser Geschwindigkeit bewegen. 
Oesterreichische Station. Die Häuser der österreichischen Station 
von 1882 bis 1883 liegen im Wilezek-Thale (nach dem berühmten Förderer jener 
Forschungsreise, dem Grafen Wilezek, so benannt), das zwischen dem Vogel- 
berg und dem Blyttberg liegt. Der Blyttberg ist eine schwarze steile Anhöhe, 
die ebenfalls zahllosen Vögeln als Zuflucht dient. Etwa 200m vom Strande 
aus landeinwärts, am Abhange des Vogelberges, liegen die Häuser, die mit bogen- 
förmigen Dächern gedeckt und durch einen Gang mit einander verbunden sind. 
Ueberwinterung, Hülfsmittel. Für den Nothfall findet man in den 
Häusern Unterkunft, Lebensmittel und Kohlen. Das Vorrathshaus liegt getrennt 
von den Wohnhäusern, etwa 6 bis 7m weiter ostwärts. Es enthält Vorräthe 
von Hartbrot (Schiffszwieback) und Konserven für vier Menschen auf die Dauer
	        
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