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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Bemerkungen über den Golf von Nicoya (Centralamerika). 359 
decken. Von den übrigen Häusern des Ortes ist nichts zu sehen, weil dieselben 
zu niedrig sind. Von Altata aus wird man ein ansegelndes Schiff schon früher 
erkennen, und wenn es die Lootsenflagge zeigt, geht der Lootse, falls die Witterungs:- 
verhältnisse das Passiren der Barre in einem Boote gestatten, demselben ent- 
gegen. Man halte daher das Schiff auf der ebengenannten "Tiefe, um den 
Lootsen abzuwarten, und ankere nur, wenn man hierzu durch Windstille oder 
das Eintreten der Dunkelheit gezwungen wird. 
Wegen des bei unserer Ansegelung von Altata herrschenden Dunstes 
konnten wir die Berge von Culiacan und den Doppelpik, deren im Segelhandbuch 
Erwähnung gethan wird, nicht sehen, was zur Folge hatte, dafs wir etwas zu 
nördlich kamen und die Mündung des Flusses Tule für diejenige des Culiacan 
nahmen. Erst eine genaue Breitenbestimmung klärte uns über unseren Irrthum 
auf, Diese Verwechselung wird, wie man mir in Altata mittheilte, häufig von 
Schiffen gemacht, ist aber, wie gesagt, zu vermeiden, wenn man sich früh genug 
vorsichtig der Küste nähert. 
Am 22. Mai 1890, nach einer 47tägigen Reise von Puntarenas, langte 
„Dona Evelina“ vor der Barre von Altata an und bekam sofort einen Lootsen, 
Da es aber bereits zu spät zum Einsegeln war, wurde auf der Aufsenrhede dicht 
an der Brandung auf einer Wassertiefe von 13 m (7 Fad.) geankert. Nach 
genauen Peilungen ist der geographische Ort dieses Ankerplatzes 24° 35‘ N-Br 
and 108° 2‘ W-Lg. 
Während der Nacht arbeitete das Schiff sehr schwer, was zu der Ver- 
muthung Anlafs gab, dafs die Uebernahme einer Ladung hier draußen oftmals 
mit Schwierigkeiten verknüpft sein müsse, Erst am folgenden Mittage erlangte 
die Seebriese die genügende Stärke, um das Einsegeln über die Barre zu ermög- 
lichen. Die geringste Wassertiefe, die wir auf der Barre fanden, betrug 4,5 m 
(15 Fuß). Die in der Karte angegebenen Bojen zur Bezeichnung des Fahr- 
wassers waren nicht mehr vorhanden. Die See lief außerordentlich hoch, und 
es sah gefährlich aus, wie sich an beiden Seiten in unserer Nähe die Brandung 
überstürzte, während das Schiff, von einer mächtigen Grundsee vorwärts geschoben, 
deutliche Spuren im Kielwasser zurückliefs, die darauf hindeuteten, daß sein 
Kiel nicht weit vom Meeresboden entfernt war. Allmählich aber beruhigte sich 
die See, und sobald die Barre passirt war, wurde sie glatt. 
Eben oberhalb der Landungsbrücke ließen wir auf einer Wassertiefe von 
9 m (5 Fad.), dicht unter dem hier ziemlich steilen Ufer, den Anker fallen. 
Beim Herumschwaien des Schiffes lotheten wir vom Heck, welches eine 
halbe Schiffslänge vom Lande frei blieb, 7,3 m (4 Fad.) Wasser. 
Das Auslaufen eines Schiffes ohne die Hülfe eines Dampfers kann sich 
oftmals lange verzögern, da die Landbriese selten kräftig genug ist, um einen 
Versuch, mit ihr über die Barre zu segeln, zu rechtfertigen. Ein Schlepp- 
dampfer ist hier zwar nicht vorhanden, aber der kleine Küstendampfer „Altata“, 
der die regelmäfsigen Verbindungen Altata-—Mazatlan und Altata—Topolobampo 
aufrecht erhält und durchschnittlich jeden fünften Tag Altata berührt, nimmt 
gelegentlich ein Schiff mit über die Barre. Der Schlepplohn für ein Schiff von 
über 300 Reg.-Tonnen beträgt 75 mexikanische Dollars. 
„Doia Evelina“ wurde von dem Hafenmeister, einem alten Schiffskapitän, 
eingelootst; doch versehen auch die Führer der kleinen Küstenfahrzeuge, welche 
wohl mit dem Fahrwasser bekannt sind, aber nicht mit einem gröfseren Segel- 
schiffe zu manövriren verstehen, Lootsendienst. 
Gutes Trinkwasser besorgt für den Preis von 1 Cent die Gallone die 
Kisenbahngesellschaft. Frisches Fleisch, welches 12!/ Cent das Pfund kostete, 
konnten wir täglich bekommen, wohingegen Grünwaaren äufserst knapp und 
kostspielig waren. 
Als Dauerproviant sind hier, wie in allen mexikanischen Häfen, Bohnen 
von ausgezeichneter Güte vorräthig. 
Am: 2, Juni vormittags verließ „Doia Evelina“ bei Windstille im Schlepptau 
des vorerwähnten Dampfers den Hafen von Altata, um nach dem etwas nördlicher 
gelegenen Platze Playa Colorada zu versegeln. Die Barre war jetzt viel ruhiger 
als bei unserer Einsegelung, und ohne Unfall wurde die offene See erreicht. 
Am Mittag kam die Seebriese aus WSW durch.
	        
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