356 Annalen der Hydrographie nnd Maritimen Meteorologie, September 1893.
führen manchmal Regenschauer mit sich, die ein Trinkwasser liefern, das hin-
sichtlich seiner Güte demjenigen, welches man aus dem Wasserboot erhält.
nnbedingt vorzuziehen ist. Aufßserdem kommt aber auch noch die dadurch
ermöglichte Ersparnifs in Betracht, denn Letzteres kostet die Tonne 2 Lstrl, 5 sh.
Der Preis des Ballastes beträgt längsseits des Schiffes 7 sh. für die Tonne;
man kann sich denselben auch selber holen, und dann kostet er gar nichts;
wenn man aber längeren Aufenthalt vermeiden will, so ist es natürlich besser,
den Ballast zu kaufen. Wir haben etwa ein Drittel des Ballastes selber geholt
and den Rest uns bringen lassen. Auf diese Weise erreichten wir unsere Absicht,
gleichzeitig mit der Entlöschung des letzten Theiles der Ladung den Ballast
vollständig an Bord zu bekommen.
Am 28. April 1890 traten wir von Lorenco Marquez eine Reise nach Port
Adelaide an und segelten mit leichtem Landwinde über die Barre, mußten aber,
als dieselbe eben passirt war, wegen eintretender Windstille ankern. Am 29.
um 6 Uhr morgens lichteten wir bei nfäßigem Südwestwinde wieder den Anker
und segelten darauf durch den sogenannten Hope Channel nach See. Dieser Kanal
führt durch die Untiefen gleichen Namens und ist in seiner Aufsenmündung durch
eine birnenförmige, roth angestrichene Boje bezeichnet, welche bei meiner Ankunft
ausgelegt wurde. Ihre genaue Lage ist 7%: Sm mw. N'2W von der Spitze
Inyack; von der Spitze Gibbon aus peilt sie mw. NO%1N 7 Sm entfernt. Das Fahr-
wasser ist sehr bequem zu durchsegeln. Von See kommend, passire man eben
südlich von der Boje und wird dann, nachdem 1'/2 Sm auf einem WzN bis West-
kurse (mw.) zurückgelegt sind, klar von den Untiefen sein. Denselben Kurs
behält man so lange bei, bis die rothen Streifen der Spitzen Inyack und Gibbon
sich decken, und steuert dann mw. SWzS, bis Black Bluff und Gibbon-Spitze in
Linie sind. Hat man dann den weißen Fleck in der Nähe der Spitze Inyack in
die Peilung mw. SO!/2S gebracht, so verfahre man, wie Seite 187 des „Africa
Pilot“, Band III, 1889, angegeben ist. Wir lotheten im Hope Channel zur
Nippzeit bei Dreiviertelhochwasser nicht unter 13 m (7 Fad.) Tiefe,
Bei unserer Abfahrt waren noch immer mehrere Leute fieberkrank, einer
mufßte sogar im Hospital zurückbleiben.
Der Schiffsboden wächst in der Delagoa-Bai sehr stark an, aber man hat
Gelegenheit, denselben dort zu reinigen. Bei den Springzeiten läfst sich das
Schiff sehr bequem banken (trocken legen), denn das Wasser steigt und fällt
alsdann 3,7 m (12 Fufs), und der aus reinem Sand bestehende Boden der Bal
eignet sich besonders gut dazu.
Port Augusta, Am 6, Juni 1890 um 4 Uhr morgens erreichten wir
den Ankerplatz bei der Semaphorstation vor Port Adelaide. Die Reise hatte
demnach die Dauer von 39 Tagen gehabt, ein recht gutes Resultat. Hier
erhielten wir die Order nach Port Augusta am oberen Theil des Spencer-Golfs
zu segeln, woselbst eine volle Ladung Weizen von 2010 Tonnen Brutto ein-
genommen wurde. Mit dieser Belastung hatte das Schiff einen Tiefgang von
20 Fufßs 91/2 Zoll vorn und 21 Fuß 1*/2 Zoll hinten, hei einer Auswässerung von
4 Fuls 8 Zoll englisch.
Während der Zeit unseres Aufenthaltes in Port Augusta im Juni und
Juli 1890 herrschte dort oft regnerisches Wetter, wodurch das Laden bedeutend
verzögert wurde. Außerdem hatten wir, da gleichzeitig nur vier Schiffe an der
Brücke liegen können, auf den Turnus zu warten. Zu letzterem Zweck
sind Bojen ausgelegt, um die Schiffe daran zu befestigen. Der Weizen liegt auf
der Werft in sogenannten „Stacks“ aufgestapelt und wird, wenn es regnet, ein-
fach mit verzinktem Eisenblech zugedeckt, ein Verfahren, bei dem von dem-
selben viel verderben mufs. Das Liegegeld an der Brücke beträgt 3 d. für die
Registertonne. Die Unkosten für das Löschen des Ballastes (Sand) beliefen
sich insgesammt auf 3 sh. 3 d. für die Tonne, waren also sehr hoch; das Laden
kostete 1sb. 3d. pro „short ton“ = 1000 Kilo. Auch der Schlepplohn ist
sehr hoch, und da kein Dampfer am Platz ist, muls man, wenn man einen solchen
haben will, denselben telegraphisch in Port Pirie bestellen. Lootsenzwang existirt
zwar nicht, aber einem grofsen Schiffe ist stets die Mitnahme eines Lootsen zu
empfehlen, ebenfalls einem kleinen, wenn der Kapitän die Fahrt noch nicht
gemacht hat und nicht genau mit dem Fahrwasser bekannt ist. Trotzdem wir
ınter Führung eines Lootsen standen, gerieth doch das Schiff beim Aufsegeln in