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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Von Hamburg nach Hongkong. 
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herüberkommend, zogen über uns hin. Während der Nacht hatten wir flaue 
nordwestliche Winde. Am nächsten Morgen, als wir dicht unter der Flat-Insel, 
standen, beobachteten wir eine 2 Knoten starke östliche Strömung, die uns davor 
warnte, nach der Salayer-Straße zu steuern, und wir nahmen deshalb, um allen 
Gefahren der Flores - See zu entgehen, unseren Kurs längs der Nordküste von 
Sumbawa und Flores. Hier fanden wir einen frischen Monsun aus WNW und 
einen ungefähr 2 Knoten nach Ost laufenden Strom. Von Flores Head ab 
schien der Strom nördlicher zu setzen, denn obgleich wir. einen ziemlich süd- 
lichen Kurs steuerten, konnten wir doch die Südseite von Komba-Insel nicht ge- 
winnen, sondern mufsten abhalten und an der Nordseite passiren. 
In der Molukken-See hatten wir bis zur Breite der Südspitze von Buton 
eine günstige nordöstliche Strömung und den Wind frisch und böig aus West- 
südwest und Nordwest, womit wir den Kurs östlich von Veldhoen-Insel nahmen. 
Weiterhin waren Wind und Strom unregelmäfsiger. "Am 23. Januar sichteten 
wir die Insel Buru und durchsegelten dann, immer nach Möglichkeit die Nord- 
zeite haltend, bei flauem nördlichem Winde und nach SO bis SSO setzendem 
Strome die Pitt-Straße. Auch in der Djilolo-Strafse war der Wind vorwiegend 
zwischen NNE und NNW, und konnten wir hauptsächlich nur nachts etwas ge- 
winnen, während wir tagsüber oft zurücktrieben; nebenbei trat uns eine hohe 
Nordnordostdünung hindernd entgegen. Am 31. Januar überschritten‘ wir die 
Linie zwischen Kap Tabo und der: Insel Geby. Vormittags hatten wir ein Vier- 
mastschiff bei uns, welches fortwährend steuerlos lag, während unsere kleinere 
Bark bei dem flauen Winde noch immerhin 1 bis 2 Knoten Fahrt machte. Am 
Nachmittage waren drei Kanoes bei uns längsseits, welche, mit feinen Matten 
and Flechtwaaren beladen, von Djilolo kamen und nach Geby wollten. Die In- 
zassen tauschten von uns für Früchte, Hirschgeweihe, Papageien und dergleichen 
alte Kleidungsstücke und namentlich Messer ein, auf welche sie grofsen Werth 
legten. Die Leute waren fast nackt und schienen sehr harmlos zu sein, ver- 
standen aber nur sehr wenig Englisch, so dafs ich über Wind und Strom nichts 
von ihnen erfahren konnte. Am nächsten Morgen, als wir nördlich von Eye- 
[nsel (Siang) standen, beobachteten wir stellenweise starke Stromscheiden, in 
welchen viele kleine Schnepfen safsen, auch hatte das Wasser eine hellgraue, 
schmutzige Farbe; bei gutem Ausguck von der Marsraa war aber von Brandung 
nichts zu sehen. 
Nunmehr‘ frei vom Lande, versuchten wir gleich etwas Ost anzuholen, 
hatten aber einen starken Strom nach SW bis West entgegen und erhielten 
aufserdem schon in 1,9° N-Br und 132° O-Lg den Nordostpassat. Obgleich es 
gegen die mir von der Seewarte ausgestellte Segelanweisung ging, entschlofs ich 
mich deshalb, den Kurs gleich auf Steuerbordhalsen nordwärts zu nehmen. Der 
Passat raumte denn auch sehr bald auf und war fast immer ENE, so dafs wir 
mit einem Schlage gut voll und bei die Ostseite der Philippinen freisegelten. 
Dabei wurden wir zwischen 4° und 8° N-Br noch durch einen 1'/% bis 2 Knoten 
starken Nordoststrom unterstützt. Während der Nacht vom 15. zum 16. Februar 
wurde bei steifem Monsun aus NNE und höchst polteriger See der Ballintang- 
Kanal durchsegelt. Da wir in der China-See keine genauen Beobachtungen 
hatten, lotheten wir die Küste bei Breaker Point an und sichteten am 17. Februar 
um 8 Uhr abends das dort befindliche Feuer, Am nächsten Nachmittage wurde 
38 dick von Nebel, und kamen wir infolge dessen erst am 19. Februar auf der 
Rhede von Hongkong zu Anker. Drei Mitsegler, die in der Djilolo-Strafse bei 
ans waren, hatten nördlich derselben, Findlay’s Directory folgend, gegen den 
starken westlichen Strom Ost zu machen gesucht und dabei so viel Zeit ver- 
loren, dafs sie erst Mitte März in Hongkong, bezw. Shanghai ankamen, einer 
sogar mit 187 Tagen Reise von London. ; 
Bemerkung. In der schriftlichen Segelanweisung, welche Kapt. Thöm 
mit sich führte, war demselben empfohlen worden, zwecks Freisegelns der 
Philippinen 4° N-Br in 133° O-Lg zu schneiden. In den später bearbeiteten An- 
weisungen, die sich im Segelhandbuche der Seewarte — daselbst Seite 686 — 
finden, ist die Bemerkung hinzugefügt: „In der späteren Jahreszeit kann es 
vorkommen, dafs man keinen Oststrom, aber frühzeitig Nordostwind erhält und 
infolge dessen den angegebenen Schnittpunkt von 4° N-Br — 133° O-Lg — ohne 
langwieriges Kreuzen nicht wohl ‚erreichen kann. In solchem Falle dürfte es 
Ann, d, Hydr. etc., 1893, Heft 1X.
	        
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