348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1893.
mit beiden Ankern sicher vor Anker zu kommen. Die Wassertiefe varlirte in
nächster Umgebung des Schiffes von 37 bis 73 m (20 bis 40 Fad.), der Anker-
grund war felsig.
Am 9. März war „Neptun“ vollständig beladen, und zwar bestand die ganze
Ladung aus 6800 Pikul Kopra, womit der Schoner einen Tiefgang von 14 Fufs
hinten und 12 Fufs 10 Zoll vorn hatte. Das hiesige Kopra ist bedeutend leichter
als dasjenige der Südsee-Inseln, und es war deshalh nothwendig, 30 Tonnen
Steinballast im Schiffe zu behalten. Auf den Südsee-Inseln hat „Neptun“ bei
einer früheren Gelegenheit 7850 Pikul Kopra geladen.
Unter Beihülfe von Kulis versuchten wir um 5 Uhr nachmittags des
genannten Tages unsere Anker zu lichten, wobei es sich herausstellte, dafs beide
aufserordentlich fest im Grunde steckten. Mit grofser Mühe brachten wir den
hinteren Anker über Wasser, und es fand sich, dafs eine verloren gegangene
Iremde Kette über demselben lag. Den Buganker zu lichten war uns indeß
nicht möglich; wir waren daher gezwungen, die Nacht über liegen zu bleiben.
Von Gorontalo nach dem Indischen Ocean. Da der Monsunwechsel
nahe bevorstand (Anfang März), hielt ich es bei Antritt unserer Reise nach
Lissabon für Order für das Beste, den kürzesten Weg nach dem Indischen Ocean
zu nehmen, um sobald als möglich aus diesen für die Segelschiffe manchmal so
zeitraubenden Gewässern heraus zu kommen. Aus diesem Grunde wählte ich die
Route östlich von den Sula-Inseln, durch die Manipa-Straße und dann entweder
durch die Ombai-Passage oder, wenn Wind und Strömung hier ein Abweichen
von der Route herbeiführen sollten, östlich von der Insel Timor in den Ocean
hinaus. An der Südostküste dieser Insel rechnete ich auf Land- und Seewinde,
am mit diesen südwestlich vorwärts zu arbeiten. Die Route durch die Greyhound-
Strafse war nach meiner Ansicht für Segelschiffe, der vielen Klippen, die in der-
selben liegen, des starken Stromes und der unbeständigen Winde wegen, zu
gefährlich.
Um 5 Uhr früh am folgenden Morgen — 10. März — machten wir aber-
mals den Versuch, auch unsern B. B.-Buganker zu lichten und unter Segel zu
kommen. Zu diesem Zweck brachten wir von hinten eine Trosse aus, um das
Schiff herumschlagen zu lassen und so den auf einer Tiefe von 70 m (38 Fad.)
liegenden Anker aus dem Grunde zu reifsen. Der Versuch gelang auch, aber
der Anker griff bald darauf wieder fest in den Boden ein, durch den plötzlichen
Ruck in der Kette brach diese und ersterer ging verloren. Da in Gorontalo
kein Anker zu erhalten war, so mufste die Reise ohne Reserveanker angetreten
werden. Wir setzten bei leichter nordöstlicher Kühlte und heiterem Wetter
Segel. Am folgenden Tage wehte eine frische Briese, die aber kaum 24 Stunden
anhielt; wir passirten damit die Insel Lissamatula, wo eine starke Stromkabbelung
yeobachtet wurde. Die Strömung hatte das Schiff während des letzten Etmals
11 Sm nach S41° W versetzt. Am Nachmittage des 13. März kamen wir bei
leichter nordwestlicher Briese durch die Manipa-Strafse. In der Banda-See
trafen wir an den beiden ersten Tagen noch leichte nordwestliche bis westliche
Winde, worauf in 5,6° S-Br und 126,6° O-Lg Winde aus dem östlichen Halb-
kreise die Herrschaft gewannen, welche bei einer geringen Stärke vier Tage
lang vorwiegend eine Richtung zwischen SE und NE und am fünften Tage
ihres Bestehens, am 20. März, eine solche zwischen NNW und NE hatten. Hier-
mit wurde am Abend des letztgenannten Tages die Nordostspitze der Insel
Timor umsegelt, nach zehntägiger Reise von Gorontalo. An der Südostküste von
Timor war der Wind vorherrschend von NE bis SE; gelegentlich erreichte auch
die Landbriese das Schiff,
In der Banda-See wurden die folgenden Strömungen beobachtet:
am 14. März auf 4,2° S-Br und 127,2° O-Lg 577° W 9Sm in 24 Stunden;
am 15. März auf 5,3° S-Br und 126,8° 0-Lg N 8°W 858m in 24 Stunden;
am 16. März auf 5,8° S-Br und 126,4° O-Lg N 10° W 65Sm in 24 Stunden;
am 17. März auf 7,2° S-Br und 126,1° O-Lg S 20°O 95Sm in 24 Stunden;
am 18. März auf 7,5° S-Br und 126,0° 0-Lg N 57° O0 48 Sm in 24 Stunden;
am 19. März auf 7,5° S-Br und 126,6° 0-Lg N 66° 0 12 Sm in 24 Stunden, und
am 20. März auf 7,9° S-Br und 127,2° O-L& N 58° W 10 Sm in 24 Stunden.