Gorontalo und Batui auf Celebes.
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Gorontalo und Batui auf Celebes. Sangir-Inseln. Fahrt von Gorontalo
nach dem Indischen Ocean.
Aus dem Reisebericht des Kapt. H. DREYER vom Dreimastschoner „Neptun“.
Gorontalo. Mit einer guten, beständigen Seebriese ist die Einsegelung
in den Hafen von Gorontalo nicht schwierig; da aber auf dem Liegeplatz der
Schiffe nicht genügend Raum zum Schwaien vorhanden ist, so hat man einen
Wurfanker mit Landfeste rechtzeitig am Heck zum Fallenlassen bereit zu stellen.
Zunächst bringe man den Leuchtthurm in die Peilung NzO und steuere dann in
einem Abstande von ungefähr 60 m an den Fischerpfählen vorbei. Hier kommt
gewöhnlich ein von dem Konsignatär gesandter Diener mit der Order an Bord,
an welchen Ort das Schiff hingelegt werden soll. Ist man an einen Chinesen
konsignirt, so kommt das Schiff an der Ostseite des Flusses zu liegen. Wenn
der. Liegeplatz ungefähr erreicht ist, lälst man den Anker vom Heck fallen,
segelt die erforderliche Länge Kette aus und läfst dann den B, B.-Buganker
fallen. Hiernach wird das Schiff noch mit Trossen hinten und vorn am Lande
befestigt.
An der Ostseite des Flusses befinden sich drei kleine Buchten, welche
Raum für je zwei nebeneinander liegende Schiffe haben. Die südlichste derselben,
in der „Neptun“ bei seiner zweiten Anwesenheit in Gorontalo (Anfang März 1891)
seinen Platz angewiesen erhielt, kann ich nicht empfehlen, denn der Boden besteht
aus lauter übereinander geschobenen Felsen, und die Wassertiefe beträgt Kei
beiden Ankern 64 bis 73m (35 bis 40 Fad.). Außerdem liegt hier eine grofse
Menge von verloren gegangenen Ankern und Ketten auf dem Grunde. Die Anker
sitzen daher in der Regel sehr fest, und man kann froh sein, wenn man sie beim
Lichten wieder losbekommt. In der gröfseren, mittleren Bucht finden Kauffahrer
keine Aufnahme; diese bleibt vielmehr den Kriegsschiffen und Postdampfern vor-
behalten. Den besten Liegeplatz gewährt die nördlichste Bucht, denn hier sind
mäßige Wassertiefen, und stellenweise ist auch Sandgrund vorhanden. Leider
ist dieselbe nur zu oft von Küstenfahrern angefüllt. Schiffe, welche an das
deutsche Handlungshaus Bauermann & Parmentier adressirt sind, erhalten
an der Westseite, neben einer Werft, den besten Platz des ganzen Hafens.
Für gröfsere Schiffe ist die Einsegelung während der Monate Januar,
Februar und März manchmal mit Schwierigkeiten verbunden, weil alsdann
nördliche Winde vorherrschen. Dazu läuft der Strom in der Mündung der Bai
stets aus, oftmals bei der Ebbe mit einer bedeutenden Geschwindigkeit und ohne
durch die Fluth aufgehoben zu werden. An der Westseite der Bai, 1'/« Sm süd-
westlich vom Feuerthurm, ist das Kap Kaju Bulang, woselbst das Fahrwasser
noch eine Breite von 1!/s Sm hat. Weiter aufwärts verengt sich dasselbe
allmählich bis auf 2 Kabllg., West vom Feuerthurm. Die Westküste ist so steil
abfallend, dafs man hier keinen Ankergrund findet. In der Mitte lothete ich
165 m (90 Fad.); dann flacht das Wasser weiter ostwärts rasch ab, bis es bei den
Fischerpfählen nur noch eine Tiefe von 5,5 m (3 Fad.) hat. Bis hierher kann man
kreuzen, dann hat man zunächst zu ankern und darauf das Schiff vermittelst der
Holleinen weiter zu bringen. Wir hatten zur Erreichung dieses Zweckes drei
Trossen aufeinander zu stecken, bevor es möglich war, eine Stelle am Lande zu
erreichen, wo wir die Leine befestigen konnten. Dem Kap Kaju Bulang darf
man sich nicht zu sehr nähern, denn von diesem erstreckt sich ein 1 Kabllg.
breites Felsenriff 1'/a Kabllg. nach SSO. Längs der Ostküste zieht sich
unterhalb des Feuerthurmes ein Riff entlang, welches eine Breite von %/4 Kabllg.
hat. Im Uebrigen ist das Fahrwasser rein. Das Feuer von Gorontalo ist ein
schönes festes Feuer und gegenwärtig 16 Sm weit sichtbar, nicht 10 Sm, wie es
in der Karte und im „Leuchtfeuer aller Meere“ heißt. ,
Batui an der Peling-Strafse. Bei unserer ersten Anwesenheit in
Gorontalo (Oktober 1890) nahmen wir 3900 Pikul Ebenholz ein, mit dem das Schiff
einen Tiefgang von 11 Fufß 7 Zoll hinten und 10 Fufs 6 Zoll vorn hatte, Da
der Ablader nicht in der Lage war, die Ladung des „Neptun“ ganz in Gorontalo
Ann. d, Hydr. etec., 1893, Heft 1X.